Skibrillenband sorgt für Firmenabsturz

Markt / 12.12.2022 • 14:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bei Alge Innotex werden Bänder für die verschiedensten Anwendungen produziert. Schadhafte Silikonbestandteil gefährden nun den Betrieb. <span class="copyright">FA</span>
Bei Alge Innotex werden Bänder für die verschiedensten Anwendungen produziert. Schadhafte Silikonbestandteil gefährden nun den Betrieb. FA

Schadhaftes Material: Lustenauer Hersteller von Skibrillenbändern muss Insolvenz anmelden.

Lustenau Die Firma Alge Innotex ist innovativer Marktführer in der Herstellung von elastischen Bändern für Ski-, Motorrad- und Arbeitsschutzbrillen. Durch modernste Jaquardtechniken mit 768 Platinen können spezielle Dessins bis zu sechs Farben verwirklicht werden und in den vergangenen Jahren schätzten diese Flexibilität, gepaart mit Zuverlässigkeit immer mehr Kunden aus der Markenindustrie.

Daniel Hiller zieht die Notbremse: Die schadhaften Silikonbestandteile der Bänder kosten Millionen Euro Schadenersatz. <span class="copyright">FA</span>
Daniel Hiller zieht die Notbremse: Die schadhaften Silikonbestandteile der Bänder kosten Millionen Euro Schadenersatz. FA

Doch damit ist vorerst Schluss: Denn das Lustenauer Unternehmen sieht sich einer Lawine von Schadenersatzforderungen gegenüber. Schuld daran sind die Silikonhaftstreifen, die von einem großen deutschen Konzern zugekauft werden. Das Silikon wird nämlich nach einigen Monaten wieder weich: Die Bänder sind kaputt, das Silikon sorgt für verklebte Helme und Haare. Die Besitzer der teuren Skibrillen pochen zurecht auf Schadenersatz. “Aus eigener Kraft haben wir bisher 450.000 Euro ausbezahlt”, erklärt Prokuristin Nicola Alge. Doch damit ist es nicht getan. Der Geschäftsführer von Alge Innotex, Daniel Hiller, rechnet mit gut 3,5 Millionen Euro, die an Schadenersatz zu leisten sind. Zu viel für das gut gehende Unternehmen, das einen Jahresumsatz von 2,5 Millionen Euro erwirtschaftet hat.

Die Konsequenz: Alge Innotex muss Insolvenz anmelden, betroffen davon sind 21 Mitarbeiter, die eigentlich “ein Superjahr” hinter sich haben und volle Auftragsbücher vor sich. Der KSV1870 hat mit der Überprüfung der Angemessenheit und Erfüllbarkeit dieses Sanierungsplans ohne Eigenverwaltung begonnen.

Die Geschäftsführung hofft auf eine Sanierung ohne Eigenverantwortung. Wichtigste Aufgabe des künftigen Masseverwalters: Er muss beurteilen, ob eine Klage gegen den Lieferanten Aussicht auf Erfolg hat, denn bislang weigert sich der deutsche Konzern die Konsequenzen des vermaledeiten Silikonhaftstreifens zu tragen. Hiller und Alge wollen das Risiko eines Prozesses gegen ein ungleich größeres Unternehmen nicht eingehen, denn die Kosten eines solchen Verfahrens seien nicht abzuschätzen.

Ziel sei es weiterzumachen, denn inzwischen hat Alge auch einen Lieferanten gefunden, der die Silikonstreifen ohne Auflösungserscheinung produzieren kann. Wie es zu dem Silikon-Gau gekommen ist, ist bisher nicht erruierbar, “das lässt sich weltweit nicht erklären”, so Geschäftsführer Daniel Hiller, der um 14 Uhr die 21 Mitarbeiter über diesen schweren Schritt bei einer Betriebsversammlung informiert hat.

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