Höchste Eisenbahn für Güter auf Schiene

Markt / 17.01.2023 • 22:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Verschubroboter steht für die Inbetriebnahme bereit.Fa
Der Verschubroboter steht für die Inbetriebnahme bereit.Fa

Land verhindert seit 607 Tagen Genehmigung für Güterzugterminal Lorüns. Antragsteller: „Behördenschikane“.

Lorüns, Bregenz 1915 erhielt das Zementwerk Lorüns einen Bahnanschluss. Schon damals ein Gebot der Stunde bewährte sich der Anschluss bis zum 26. Juli 2010. Damals wurde aufgrund defekter Weichen der Betrieb eingestellt, weil das Gelände samt dem Bahnanschluss verkauft werden sollte. Der Käufer, die Firma Böhler und Sohn mit Sitz in Feldkirch, bauten Gebäude und Gelände für Lagerzwecke um, der Bahnanschluss wurde 2020 in Angriff genommen. Denn Firmenchef Christian Böhler und Seniorchef Horst Böhler glaubten den Worten der Politiker.

Erst im Herbst forderten Wirtschafts- und Verkehrslandesrat Marco Tittler, dessen Ressort für die Zulassung von Eisenbahnanlagen, und Mobilitätslandesrat Daniel Zadra bei der Präsentation des Vorarlberger Güterverkehrskonzepts die Verlagerung des Gütertransports auf die Schiene und kündigten umfangreiche Maßnahmen an. Zadra verwies darauf, dass ein Güterzug bis zu 50 Lkw ersetzen könne, bemängelte aber auch fehlende Kostenwahrheit beim Transport per Lkw bzw. über die Schiene. „Wenn wir nicht heute investieren, wird der Zug an Vorarlberg vorbeifahren“, so Zadra.

Doch so ganz scheint das Bekenntnis der Politik nicht gelebt zu werden. Oder es wurde nicht an die Mitarbeiter weitergegeben. Denn Güter auf die Schiene – das dauert, auch wenn es nur um die Wiederbelebung eines seit 108 Jahren bestehenden Anschlusses geht.  Vor exakt 607 Tagen hat Christian Böhler das Ersuchen für die Wiederinbetriebnahme der Anschlussbahn an die Behörde in Bregenz gesendet, doch bis heute gibt es keinen Bescheid. Das führt auch den Kampf des Landes für den Bürokratieabbau ad absurdum. Landeshauptmann Markus Wallner freute sich zuletzt 2017 über die schnelle Verwaltung: „Rund 95 Prozent aller Betriebsanlagenverfahren konnten von den Mitarbeitern des Landes innerhalb von sechs Monaten ab Antragstellung erfolgreich erledigt werden“.

Doch die Rechnung hat er ohne den zuständigen Mitarbeiter gemacht, der seit 2021 immer wieder neue Hindernisse für die Anschlussbahn findet. Dass diese inzwischen alle abgearbeitet sind, alle Verfahrensbeteiligten ihre Zustimmung gegeben haben, ficht den Beamten (Name der Redaktion bekannt) nicht an. Im Gegenteil: Er ist beleidigt, wenn Böhler und Sohn beim obersten Beamten Österreichs für das Eisenbahnwesen, Mag. Dr. Reinhard Kuntner, Erkundungen einholen. Das stößt dem Beamten im Landhaus sauer auf: „Der Gertigte regte …. an, bei allfälligen Unklarheiten zum Verfahrensverlauf nicht zuerst Dritte zu kontaktieren . . .“

Der Landesbeamte, das belegt der Briefverkehr, findet ständig neue etwaige Hindernisse, die gegen eine Bewilligung sprechen. Horst Böhler zieht ein bitteres Fazit: „Über 700.000 Euro investiert, 125.000 Euro Wertminderung, vier Mann-Monate Arbeit und keine Entlastung für die Umwelt. Ich kann nur jedem empfehlen, die Finger von der Verlagerung von Gütern auf die Schiene mit eigenem Gleisanschluss zu lassen. VN-sca

Der seit 108 Jahren bestehende Anschluss wurde auf neuesten Stand gebracht. FA
Der seit 108 Jahren bestehende Anschluss wurde auf neuesten Stand gebracht. FA
Horst und Christian Böhler sprechen von Schildbürgerstreich. VN/RP
Horst und Christian Böhler sprechen von Schildbürgerstreich. VN/RP

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