Auf historischer Spurensuche

Friederike Hehle ist der Geschichte von Unternehmen auf der Spur.
Schwarzach Friederike Hehle (45) entstammt einer Unternehmerfamilie. „Wir sind alle gern gestalterisch aktiv.“ Die Motivation, ebenfalls selbstständig zu werden, kam mit dem Jubiläum des familieneigenen Betriebs Hehle Reisen. „Ich dachte, es wäre schön, die Firmengeschichte in Form eines Buches aufzuschreiben. Denn vieles kennt man nur aus Erzählungen.“ So kam ihr die Idee, diese Dienstleistung auch anderen Unternehmen anzubieten. Seit zehn Jahren gibt es nun historizing – die Agentur für Geschichte.
Holpriger Start
Dabei war das erste Jahr schwieriger als gedacht. „Ich hatte eine Homepage, habe viele Betriebe angeschrieben, aber es kamen zunächst keine Aufträge. Ein Artikel über mich in einer Zeitschrift brachte dann den ersten richtigen Auftrag“, erzählt die Unternehmerin. Letztlich, das habe sie gelernt, müsse der Antrieb, die eigene Geschichte aufzuarbeiten, immer von den Unternehmen selbst kommen.
Der Anlassfall, dass historizing tätig wird, ist meist ein Jubiläum. Unter den Kunden sind Traditionsbetriebe wie auch jüngere Unternehmen. Für Hehle und ihren Mitarbeiter bedeutet der Auftrag dann, in Archive zu gehen und mit Zeitzeugen zu sprechen. „Es ist eine sehr spannende Tätigkeit. Ich bin gern in Kontakt mit Menschen, um ein Gefühl für das Unternehmen zu bekommen, aber ich recherchiere auch gerne.“
Art des Erzählens
Was sich geändert habe, sei die Art des Erzählens. Früher habe man eine Firmenchronik meist an Jahreszahlen festgemacht. Heute gehe es auch um die Geschichten und Emotionen dahinter. „Jedes Jahrzehnt schreibt die Geschichte auf ihre eigene Art und Weise“, sagt Hehle.
In den vergangenen zehn Jahren ist sie in den Archiven jedenfalls schon auf tolle Fundstücke gestoßen. So sorgte ihre Arbeit zum Beispiel dafür, dass Loacker Recycling nun älter ist als ursprünglich gedacht. „So wurde aus dem 130-Jahr-Jubiläum ein 140-Jahr-Jubiläum.“
Viele Kunden kommen über Mundpropaganda zu Hehle. Ihre Arbeit verlangt dabei viel Durchhaltevermögen, denn die Projekte können mehrere Monate oder auch Jahre dauern.
In Zukunft will die Historikerin auch Kurse anbieten. „Dabei will ich vermitteln, wie man seine Firmengeschichte besser vermarkten kann. Denn sie ist ein großer inhaltlicher Schatz, den man unabhängig von einem Jubiläum immer wieder einsetzen kann.“ Gerade kleine geschichtliche Anektoten würden sich bestens für Social-Media-Posts eignen.
Masken als Zeitzeugen
Auch Krisen gehören zur Geschichte dazu. Während der Corona-Pandemie gab sie ihren Kunden deshalb den Ratschlag, Ereignisse aus der Zeit aufzuschreiben und zu fotografieren. „Den stillgelegten Fuhrpark oder die Maske mit Firmenlogo beispielsweise. Das klingt zwar banal, aber diese Erinnerung kann in ein paar Jahren sehr wertvoll sein.“ VN-reh