Vom Fotografen zum Darsteller: Ein Neuanfang im 70sten Lebensjahr

Menschen / 08.06.2026 • 14:54 Uhr
Vom Fotografen zum Darsteller: Ein Neuanfang im 70sten Lebensjahr
Fotograf Othmar Heidegger liebt Herausforderungen. VN/DJSHOM

Othmar Heidegger hat gerade eine Schauspielausbildung absolviert, erste Filmrollen übernommen und schwimmt jetzt wahrlich gegen den Strom.

Darum geht’s:

  • Othmar Heidegger beginnt Schauspielkarriere mit 69 Jahren.
  • Er erforscht Schauspiel als kreative und berufliche Herausforderung.
  • Lernen und Neugier haltet ihn geistig jung.

Lochau Viele Menschen zählen die Jahre bis zur Pension. Othmar Heidegger zählt die Möglichkeiten, was er noch alles in Angriff nehmen könnte. Der renommierte Vorarlberger Fotograf wird im Jänner 70 Jahre alt – und hat gerade eine Schauspielausbildung absolviert, erste Filmrollen übernommen und sogar das Schifferpatent gemacht. Stillstand? Für ihn keine Option. “Nichts tun ist nicht in meiner DNA”, sagt der Lochauer.

Wir waren immer Vorreiter in der Fotografie

Wer Othmar Heidegger kennt, weiß, dass diese Haltung sein gesamtes Berufsleben geprägt hat. Bereits in den 1980er-Jahren gründete er gemeinsam mit Kollegen das Fotostudio SF&H, das weit über Vorarlberg hinaus Aufmerksamkeit erregte. Das Unternehmen galt als Vorreiter der Branche. Heidegger und seine Partner gehörten zu den Ersten in Österreich, die auf digitale Fotografie und moderne Bildbearbeitung setzten. Neue Technologien waren für ihn nie Bedrohung, sondern Einladung. “Wir hatten immer ein Gespür für Trends und Entwicklungen”, erinnert er sich.

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In den 80er-Jahren für einen Mode-Auftrag in Italien. Privat

42 Bratwürste für das perfekte Foto

Bis heute arbeitet Heidegger als Fotograf. Besonders in der Food-Fotografie hat er sich einen Namen gemacht. Seit vielen Jahren fotografiert er unter anderem Produkte für die Premium-Linie von Spar. Dabei ist Perfektion gefragt. Eine seiner Lieblingsgeschichten handelt von einer Bratwurst. “Für das perfekte Bild haben wir 42 Bratwürste gebraucht und das Bild am Schluss aus drei Fotos zusammengesetzt. Nachher war sie perfekt”, sagt er und lacht. Beim Steak ging es etwas schneller.

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Am Set wird alles perfekt inszeniert. Privat

Doch Heidegger sieht sich nicht als Künstler. Zumindest nicht ausschließlich. “Ich bin fotografischer Handwerker”, sagt er. Sein Ziel sei es immer gewesen, Kunden erfolgreich zu machen. Gute Bilder sollen Produkte verkaufen, Unternehmen stärken und Geschichten erzählen. Genau diese Verbindung aus Kreativität und Handwerk zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben.

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Wenn’s um Porträts geht, weiß Heidegger genau, wie man sich hinsetzen muss. VN/DJSHOM

Eine Schauspielausbildung mit 69

Vielleicht ist es deshalb wenig überraschend, dass ihn die Neugier nun vor die Kamera geführt hat. Eigentlich wollte er nur besser verstehen, wie sich Schauspieler fühlen. Was erwartet einen Regisseur? Welche Herausforderungen hat jemand vor der Kamera? Aus diesem Interesse heraus meldete sich Heidegger für eine Schauspielausbildung an. Schon nach dem ersten Kurstag war klar: Daraus wird mehr.

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Oldtimerfotografie wie bei diesem “Delage” ist Teil seiner Leidenschaft. Privat

“Vor der Kamera bist du plötzlich eine andere Person”, beschreibt er die Faszination. Für jemanden, der jahrzehntelang selbst Regie über Bilder geführt hat, sei das eine völlig neue Erfahrung gewesen. Heute übernimmt er bereits kleinere Rollen in Werbeproduktionen und Filmprojekten. Er wirkte bei einem Landkrimi mit, stand für die Schweizer Flugrettung vor der Kamera und hat weitere Engagements in Aussicht.

Von den Jungen lernen macht Sinn

Dabei geht es ihm nicht um späte Berühmtheit. Vielmehr reizt ihn die Herausforderung. “Eine Rolle kann man nicht einfach spielen. Man muss sich in die Figur hineinfallen lassen”, sagt Heidegger. Genau dieses Lernen, dieses Verlassen der Komfortzone, hält ihn jung. Deshalb absolvierte er kürzlich auch noch das Schifferpatent. Nicht unbedingt, weil er Kapitän werden möchte, sondern weil Lernen für ihn eine Lebenseinstellung ist. “Wer aufhört zu lernen, wird alt”, lautet sein Motto.

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In seiner Freizeit ist Othmar Heidegger zwei Mal in der Woche auf dem Berg. Privat

Eine wichtige Rolle spielen dabei auch seine drei Kinder. Seine beiden Töchter studieren Kunst beziehungsweise Kunstvermittlung, sein Sohn lebt in Wien. Von seinen Kindern habe er gelernt, die Perspektive öfter zu wechseln. “Manchmal reicht es nicht, einen Schritt zur Seite zu gehen. Man muss drei oder vier Schritte machen, um etwas wirklich neu zu sehen.” Für Othmar Heidegger ist das Alter kein Grund, stehen zu bleiben. Es ist ein guter Zeitpunkt, noch einmal anzufangen.

Zur Person

Othmar Heidegger
Geboren: Jänner 1957
Familie: drei erwachsene Kinder

Freizeit: zwei Mal in der Woche auf den Pfänder, Schauspiel und Natur

Lieblingsessen: Rustikales Brot mit Almbutter und viel Schnittlauch

Lebensmotto: Bleib neugierig und lerne