Bienen und Heuschrecken auf der Piste

Professorin Ulrike Pröbstl-Haider sieht am Berg große Chancen für Biodiversität.
Schwarzach Je weiter entfernt man von den Bergen wohne, desto dramatischer beurteile man, wie diese im Sommer aussehen, sagt Professorin Ulrike Pröbstl-Haider von der Universität für Bodenkultur Wien. Sie beschäftigt sich mit naturnahem Tourismus und sprach dazu gestern auch bei der Tagung der Vorarlberger Seilbahnen in Rankweil. Dabei sei die Wirklichkeit eine andere. Gerade wenn es am Berg ein Skigebiet gebe, habe man bessere Möglichkeiten, Flora und Fauna positiv zu beeinflussen. „Landwirte bekommen von den Bergbahnen Entschädigungszahlungen. Dadurch sind sie nicht gezwungen, das Letzte aus der Fläche herauszuholen.“
40 Arten pro Quadratmeter
Hinsichtlich Artenvielfalt würden vor allem der Verzicht aufs Düngen und das spätere Mähen große Wirkung zeigen. Außerdem sei es besser, das Vieh später auf die Alm zu lassen, weil technisch erzeugter Schnee langsamer schmilzt. Dieses Bewusstsein müsse man stärken. „Dann sind gut 40 Arten pro Quadratmeter möglich“, sagt Pröbstl-Haider, die bereits viele Studien in dem Bereich begleitet hat.
Eine ging etwa der Frage nach, wie viele Wildbienen und Heuschrecken auf einer Skipiste, die im Winter beschneit wird, beheimatet sind. „Die Biologen meinten, sie würden nichts finden. Aber es stellte sich heraus, dass dort sogar Heuschrecken lebten, die man für ausgestorben hielt. Vielerorts ist die Welt also noch in Ordnung beziehungsweise hat man die Möglichkeit, sie in Ordnung zu bringen.“
Bewegliche Branche
Faszinierend findet die Professorin, dass der Tourismus im Vergleich zu anderen Branchen oder der Politik sehr schnell reagiere. „Sie setzen Initiativen rasch um, und die Gäste haben das im Blick.“ Denn Artenvielfalt sei wahrnehmbar, und darin würden viele Chancen liegen.
Einen großen Hebel hinsichtlich Klima sieht sie übrigens in der Anreise. 80 Prozent der Emissionen – gerechnet an einem Urlaubstag – würden in diesem Bereich verursacht. „Zehn Prozent macht das Hotel aus, zehn Prozent die Bergbahnen inklusive Beschneiung. Wenn man also an entsprechenden Mobilitätsprodukten arbeitet, die interessant sind, wird das auch angenommen. Denn gerade in Städten haben viele Menschen gar kein Auto mehr.“ VN-reh