Trotz Wirtschaftskrise: Deshalb wagt Alexander Keckeis Unternehmensgründung

Vorarlberg verzeichnet 2023 ein deutliches Plus bei den Unternehmens-Neugründungen.
Feldkirch Die vergangenen Jahre waren fürwahr nicht das richtige Umfeld, um langfristig die Zukunft zu planen. Schaut man auf diverse Umfragen in der Wirtschaft und in der Bevölkerung, so waren die Stimmung und die Bedingungen nicht so, dass man Visionen entwickelt. Umso höher ist es einzuschätzen, dass im vergangenen Jahr 1329 Unternehmen in Vorarlberg gegründet wurden – sechs Prozent mehr als im vergangenen Jahr und überhaupt der zweitbeste Wert seit Beginn der Erhebungen seit dem Jahr 1992.

Erfreulich: Über die Hälfte der neuen Unternehmer sind übrigens Unternehmerinnen. Nach Branchen: Traditonell sind im Handwerk und Gewerbe in Vorarlberg wie in ganz Österreich mit Abstand die gründundgsfreudigsten Personen zuhause, auf Platz zwei finden sich Händlerinnen und Händler. Die Motive für den Schritt in die Selbstständigkeit haben sich über die Jahre nicht verändert. „Die Hauptmotive für die Selbstständigkeit waren vergangenes Jahr neben ‚lieber sein eigener Chef sein zu wollen‘ auch die ‚flexible Zeit- und Lebensgestaltung‘ sowie ‚mehr Verantwortung tragen zu wollen‘”, so der junge Unternehmer Keckeis. Tatsächlich zählt für 71 Prozent der Vorarlberger Neugründenden ‚sein eigener Chef sein zu wollen‘ zum stärksten Gründungsmotiv. Für genauso viele – ebenfalls 71 Prozent – ist die ‚flexible Zeit- und Lebensgestaltung’ ein Grund für die Selbstständigkeit, so Matthias Frieß, Leiter des Gründerservice der Wirtschaftskammer Vorarlberg.
“Logischer Schritt”
Genau das ist auch die Motivation für Alexander Keckeis, der Meister in Gas-, Sanitär- und Heizungstechnik, der sich im vergangenen Jahr im Anschluss an seine Gründungsberatung beim Gründerservice selbstständig gemacht hat. Er sagt: „Als Sanitärtechniker wagte ich den Sprung in die Selbstständigkeit, um meine Leidenschaft für das Handwerk ausleben und kundenorientierten Service anbieten zu können. Ich wollte immer schon mein eigener Chef sein, nach der Meisterprüfung war das der nächste logische Schritt.“
Es gibt natürlich Gründerinnen und Gründer, die ohne weitere Beratungen zur Firmengründung schreiten, doch 1144 Interessierte nahmen eine umfassende Gründungsberatung in Form von Workshops oder individueller Beratungen in Anspruch, zieht mit der Veröffentlichung der Gründerzahlen auch das Gründerservice der Wirtschaftskammer Vorarlberg Bilanz über ihre Tätigkeit im Jahr 2023.

Wirtschaftskammer-Präsident Wilfried Hopfner zeigt sich erfreut über die hohe Zahl an neuen Wirtschaftstreibenden, doch auch er schaut in die Zukunft. „Damit sich das Gründen in Vorarlberg weiterhin auf diesem Niveau hält, müssen wir aber auch konsequent bei den Gründungs-Hindernissen ansetzen“, sagt der Kammer-Chef, und Gründerservice-Leiter Frieß konkretisiert: „Zu den größten Herausforderungen bei Neugründungen zählen für gut ein Drittel der Befragten nicht nur Themen wie die Sozialversicherung, Steuern und Abgaben, sondern für weitere 25 Prozent auch die allgemeinen rechtlichen Hürden und die dazugehörigen Amtswege.“

Hürden- und Bürokratieabbau, steuerliche Entlastung, attraktive Arbeitsmarktbedingungen sowie ein noch besserer Zugang zu Informationen, Netzwerken und eine kompetente Servicierung stehen auf der To-do-Liste der Unternehmervertretung, die sie teils von der Regierung einfordert, teils aber auch selbst umsetzen will. Heutzutage ein Muss sei es, die Digitalisierung weiter voranzutreiben, durch welche die Behördenwege raschere und transparentere Gründungen ermöglichen sollen. Österreichweit wurden im vergangenen Jahr neue 36.380 Firmen gegründet.