Raiffeisen Vorarlberg stabil: Trotz steigender Insolvenzen kaum Kreditausfälle

Gesunkenes Zinsniveau belastet die Erträge. Kosteneffizienz und rückläufige Risikokosten wirken dem entgegen.
Bregenz Die größte Bank Vorarlbergs hat sich im vergangenen Geschäftsjahr stabil entwickelt. “Wir sind zufrieden, auch wenn die Rahmenbedingungen für unsere Kunden und uns herausfordernd waren”, sagt Vorstandsvorsitzender Michael Alge.
“Sind gut aufgestellt”
Das niedrigere Zinsniveau belastete das Betriebsergebnis der Vorarlberger Raiffeisenbanken, das auf 163,1 Millionen Euro zurückging. Da gleichzeitig Kosten gesenkt und Risikokosten reduziert werden konnten, ergab sich am Ende ein Jahresüberschuss von 112,9 Millionen Euro – rund 100.000 Euro weniger als im Jahr zuvor. “Wir sind gut aufgestellt”, betont Alge.

Das Neukreditvolumen stieg um 16,7 Prozent auf 1,573 Milliarden Euro, bleibt jedoch noch unter dem Niveau von 2022, als 1,9 Milliarden Euro erreicht wurden. Auf den privaten Wohnbau entfielen davon 394 Millionen Euro. Gleichzeitig legten die Kundeneinlagen um 3,3 Prozent auf 8,85 Milliarden Euro zu. Besonders stark entwickelte sich die Nachfrage nach Wertpapieren mit einem Plus von 8,9 Prozent. Das verwaltete Kundenvermögen belief sich 2025 insgesamt auf 12,3 Milliarden Euro (2024: 11,74 Milliarden Euro).

Die Raiffeisen Landesbank (RLB), die gemeinsam mit 15 selbstständigen Raiffeisenbanken die Raiffeisen Bankengruppe Vorarlberg bildet, erreichte 2025 laut Vorstand Thomas Nussbaumer ein Betriebsergebnis von 25,2 Millionen Euro (2024: 28,2 Millionen). Das EGT betrug 25,1 Millionen Euro (2024: 11,9 Millionen), aus dem ein Jahresüberschuss in Höhe von 18,8 Millionen Euro (2024: 9,3 Millionen) resultierte.
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Entgegen der Erwartung, dass die wirtschaftlich angespannte Lage und steigende Insolvenzen zu mehr Kreditausfällen führen würden, habe sich dieses Szenario nicht bewahrheitet. 2025 habe es keine wesentlichen Ausfälle gegeben. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 mussten Wertberichtigungen im Ausmaß von 19 Millionen Euro vorgenommen werden – bei Forderungen an Kunden von 10,24 Milliarden Euro.

Man könne sich zwar nicht von der weltweiten Konjunktur abkoppeln, wolle aber zumindest regional einen Beitrag leisten, so die einhellige Haltung bei Raiffeisen. Neben der klassischen Kreditvergabe – für unter 40-Jährige wird etwa ein Wohnbaukredit mit Zinsrabatt und fixen Zinsen angeboten – tritt die Bank auch selbst als Bauherr auf.

“Der Neubau tut sich schwer, gleichzeitig kommen zu wenige Mietwohnungen auf den Markt”, sagt Vorstand Manfred Miglar. Heuer übergibt Raiffeisen deshalb 37 neue Mietwohnungen in Altach, 26 in Feldkirch-Altenstadt sowie 61 in Bregenz an Mieter.
Beim Angebot setzen die Raiffeisenbanken weiterhin auf ein hybrides Modell aus digitalem Banking und persönlicher Beratung. 2025 wurden in Vorarlberg 33,2 Millionen Logins im Internetbanking gezählt (+2 Prozent). Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach persönlicher Beratung hoch: Im vergangenen Jahr wurden 118.500 Gespräche in den Filialen geführt.

Der Blick auf das laufende Geschäftsjahr ist weiterhin von Unsicherheit geprägt. Geopolitische Spannungen und steigende Energiepreise belasten ebenso wie stagnierende Wirtschaftsprognosen für Österreich.
Lanze für den Kapitalmarkt
Vor diesem Hintergrund spricht Vorstandsvorsitzender Michael Alge ein klares Plädoyer für den Kapitalmarkt aus. Noch immer würden sich zu wenige Menschen in Form von Aktien oder Fonds engagieren. “Der Zinseszinseffekt ist ein Weltwunder. Er hat eine enorme Kraft, auch bei kleinen Beträgen, und kann langfristig die finanzielle Unabhängigkeit im Alter sichern.”

Die Raiffeisen Bankengruppe hat nach eigenen Angaben über 240.000 Privat- und 20.000 Firmenkunden. Die Mitarbeiterzahl nahm im vergangenen Jahr von 1530 auf 1543 Personen leicht zu.