Deshalb verkauft bekannte Vorarlberger Firma ihr Hauptquartier

Markt / 07.07.2025 • 15:10 Uhr
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Der frühere österreichische Hauptsitz eines Haushaltsgeräteherstellers ist dem Nachnutzer zu groß – er soll jetzt einen neuen Eigentümer finden. FA/Remax

Die vergangenen Jahre waren für das lange Zeit erfolgsverwöhnte Unternehmen nicht einfach. Der Firmensitz, der erst seit vier Jahren genutzt wird, ist zu groß, außerdem sei der Verkauf im Sinne der Sanierung sinnvoll, so der Firmenchef.

Hard Im Herbst 2024 schien es, dass die Erfolgsgeschichte eines Vorarlberger Vorzeigeunternehmens zu Ende geht. Der Harder Bike-Spezialist Simplon, 1961 gegründet, war mit über 40 Millionen Euro verschuldet. Die Schließung drohte. Nach penibler Prüfung der Bücher übernahm der österreichische Finanzinvestor SOL Capital Management den Fahrradbauer – mit einer Kapitalspritze sowie einem klaren Bekenntnis zum Standort. Derzeit will der Investor das Unternehmen wieder fit machen, um es in fünf bis sechs Jahren wieder zu verkaufen.

Fitnessprogramm für Firma

Zum wirtschaftlichen Fitnessprogramm zählt neben einem attraktiven Angebot an Premiumfahrrädern auch eine Optimierung der Kostenstruktur des Unternehmens, das Österreichs zweitgrößter Fahrradhersteller ist. Diese Optimierung trifft jetzt das Hauptquartier in Hard. Erst 2021 wurde die gesamte Betriebsliegenschaft des Haushaltsgeräteherstellers Vorwerk Österreich nach dessen Rückzug aus Hard gekauft, um neben der 100 Meter Luftlinie entfernten Produktion Platz für Verwaltung, Entwicklung, Lagerräumlichkeiten und ein Experience Center unterzubringen.

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Der Fahrradhersteller Simplon hat den Gebäudekomplex im Jahr 2021 gekauft. Im Zuge der Sanierung und weil das Gebäude nur zu einem Viertel genutzt wird, steht es zum Verkauf. Fa/remax

Nun steht die Liegenschaft mit allem Drum und Dran zum Verkauf, wie Geschäftsführer Christoph Mannel auf VN-Anfrage bestätigt. Das Gebäude auf einem 3857 Quadratmeter großen Grundstück bietet rund 1000 Quadratmeter Bürofläche mit einem modernen Schauraum und über 1150 Quadratmeter Lagerflächen. Nicht unwesentlich: Auf dem Gelände, das sowohl Richtung Schweiz als auch Richtung Rheintalautobahn gut erschlossen ist, befinden sich 41 Parkplätze, außerdem seien bereits Studien für Um-, Zu- und Erweiterungsbauten vorhanden. Nicht unwesentlich auch die Tatsache, dass das Gebäude klimatisiert ist.

Deshalb verkauft bekannte Vorarlberger Firma ihr Hauptquartier
Simplon-CEO Christoph Mannel hat auch das großzügige Experience Center in Hard aufgelöst: Das mache ohne Verkauf keinen Sinn. Aber man wolle den Händlern keine Konkurrenz machen. VN/RP

“Wir bleiben in Hard”, weist Mannel alle möglichen Vermutungen ab. Das Gebäude, das nun zum Verkauf steht, sei nicht ausgelastet gewesen, “es ist zu drei Viertel leergestanden”, auch weil das großzügige Experience Center im Erdgeschoß geschlossen wurde. “Der Showroom und eben das Testzentrum würden nur Sinn machen, wenn wir dort auch Räder verkaufen”, so der CEO, “doch da wollen wir unsere Händler nicht konkurrenzieren.” Die Mitarbeiter, die bislang im Vorwerk-Gebäude arbeiteten, sind wieder zurück ins ursprüngliche Hauptgebäude am Oberen Achdamm gesiedelt, wo auch die Produktion untergebracht ist. Dort sei es zwar enger, aber andererseits sei auch der Kontakt mit der Produktion gegeben, informiert er. Und auch wenn man im neuen alten Firmensitz Miete an die frühere Eigentümerfamilie zahle, sei der Verkauf im Sinne der Sanierung die richtige Maßnahme.

Deshalb verkauft bekannte Vorarlberger Firma ihr Hauptquartier
Produktion, Entwicklung, Verwaltung und Marketing rücken im bisherigen Simplon-Gebäude am Oberen Achdamm in Hard wieder zusammen. VN/Paulitsch

Im Sinne der Sanierung ist auch die Modellpolitik der Harder. Bei der eben stattgefundenen Branchenmesse Eurobike war das Interesse an den Bikes aus Hard groß, die Gespräche mit den Händlern seien positiv gewesen und auch aktuell gebe es erste Erfolge, fasst Mannel die Geschäftslage in einer schwierigen Zeit zusammen. Am meisten nachgefragt sind derzeit Gravelbikes, nachdem auch Rennräder wieder angezogen haben, berichtet er. “Wir erzeugen alle unsere Räder in Vorarlberg”, regt er außerdem Vorarlberger Interessenten an, ein Qualitätsprodukt aus der Region zu kaufen.