Dieser Fahrzeughersteller schaltet wieder einen Gang höher

Markt / 03.05.2026 • 14:40 Uhr
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Die Maßnahmen, die gesetzt wurden, sorgen für eine bessere Performance auf dem Trail als auch beim Unternehmen. FA/Dräger

Die vergangenen Jahre waren für das Harder Unternehmen alles andere als einfach. Nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen ist der Fahrradhersteller auf dem Weg in die richtige Spur.

Hard Zuletzt hatte der Harder Fahrradhersteller Simplon etliche Etappen mit großem Gegenwind zu kämpfen, die Pannen häuften sich sprichwörtlich und endeten im September 2024 mit einem “Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung”. Um das Unternehmen zu retten, war ein neuer Investor gesucht, der im Dezember 2024 gefunden war. Die neuen Eigentümer, SOL Capital, konnten mit ihrer Restrukturierungsexpertise punkten und machten sich denn auch gleich ans Werk. Erschwert wurde das nicht nur durch die eigene Schieflage, sondern durch den gleichzeitigen massiven Einbruch des Fahrradmarktes.

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In Hard sorgen gute Verkaufszahlen für volle Auslastung in der Produktion. FA

SOL Capital übernahm den zweitgrößten österreichischen Fahrradhersteller mit dem Plan, die bekannte Marke wieder ganz vorne im Starterfeld zu platzieren und an das Erbe der Gründer anzuschließen. Die Familie Hämmerle fertigte ab 1952 zuerst unter dem Markennamen “Falke” individuelle Räder, ab den 1960er-Jahren unter dem Markennamen Simplon, der sich an der hohen Qualität und dem guten Ruf der Schweizer Zweiräder orientierte.

Dieser Fahrzeughersteller schaltet wieder einen Gang höher
Simplon-Geschäftsführer Christoph Mannel sieht die Sanierung auf gutem Weg, aber “da sind wir noch lange nicht raus.” VN/Paulitsch

An Qualität und den guten Ruf der Marke knüpfen auch die neuen Eigentümer und Geschäftsführer Christoph Mannel, der selbst einen Anteil an der Sol Simplon Beteiligungs GmbH hält, an. Auch wenn die Sanierung “noch lange nicht abgeschlossen ist”, wie Mannel betont, greifen die Maßnahmen: So wurde das erst 2021 bezogene neue Firmendomizil inzwischen wieder verkauft, die Zahl der Mitarbeitenden wurde reduziert, ebenso die Zahl der Fahrradmodelle. “Wir haben versucht, die entstandenen Fettpolster wieder abzubauen”, so der Geschäftsführer. Für Aufregung bei Mitarbeitenden, Konsumentinnen und Konsumenten und in der Branche sorgte schließlich die Ankündigung, künftig einen Teil der Simplon-Bikes in der westrumänischen Stadt Temeswar zusammenzubauen.

70 zu 30 Prozent

Der Plan war, mehr Serienbikes in einer etwas niedrigeren Preisklasse, aber auf dem bekannt hohen Qualitätsniveau auf den Markt und vor allem “sichtbar” in den Handel zu bringen, um so den Verkauf anzukurbeln. Das ist zum Teil gelungen: “Wir haben mit einer Verteilung der Serienräder und der individuellen Bikes von 50 zu 50 gerechnet”, so Mannel im Gespräch mit den VN, doch es ist anders gekommen: “Nun fertigen wir rund 70 Prozent nach wie vor individuell”, freut sich der Geschäftsführer über diese Entwicklung. Viele Kunden nehmen die Möglichkeit der Individualisierung unserer Basic Bikes in Anspruch, wenn sie darauf aufmerksam gemacht werden.”

Dieser Fahrzeughersteller schaltet wieder einen Gang höher
Die Fahrradschmiede ist wieder zuhause: Das ursprüngliche Hauptquartier in Hard wurde langfristig angemietet und entsprechend der Ansprüche adaptiert. FA

Damit sind auch die 120 Mitarbeitenden in Hard im “alten neuen” Hauptstandort komplett ausgelastet. “Wir suchen sogar dringend Mitarbeitende in der Montage”, berichtet Mannel, “der Saisonstart war erfreulich, wir haben deutlich mehr Räder gebaut und verkauft als zuletzt.” Das liege zum einen am frühen Saisonstart, zum anderen aber auch daran, dass sich der Markt wieder belebt. Bei den Job-Bikes gebe es derzeit einen Wechsel – “jetzt geht die nächste Leasingsaison wieder los – auch sei der E-Bike-Markt trotz hoher Verkäufe noch nicht gesättigt. Dazu kommt der Trend zu Gravel-Bikes, der für neue Impulse sorge.

Händlernetz verdichtet

Heuer erwartet Mannel, dass insgesamt rund 15.000 Fahrräder abgesetzt werden können. Rund 10.000 davon werden in Hard zusammengebaut. Simplon hat auch das Händlernetz neu strukturiert. Das bedeutet z. B. in Vorarlberg fast eine Verdoppelung der Vertriebspartner. In der Schweiz wurde der Vertrieb mit Erfolg neu aufgestellt. Und in Hard wurden rund 100.000 Euro in den Gebäudeumbau und die Optimierung der Produktion investiert. Auch wenn das Sanierungsrennen “noch lange nicht” zu Ende ist, sei eines sicher: Simplon schaltet wieder einen Gang höher.