Industriestrompreis und Lohnsteuer: “Für manche Betriebe tickt die Uhr bereits”

Unternehmerin und JW-Bundesvorsitzende Verena Eugster über dringend notwendige Rahmenbedingungen.
Die österreichische Bundesregierung war diese Woche auf Klausur, als erste Maßnahme wurde der “Industriestrompreis” präsentiert. Wie bewerten Sie diesen Schritt?
Die Realität ist: Die Unsicherheit lässt nicht nach, und die Anstrengungen der letzten Jahre hinterlassen spürbar eine gewisse Müdigkeit. Das ist menschlich – aber im Unternehmertum darf Stillstand keine Option sein. Steigende US-Importzölle, massiver Wettbewerbsdruck aus China und die anhaltende Schwäche der deutschen Industrie setzen den Standort Österreich massiv unter Druck. Die Energiepreise sind dabei längst kein Randthema mehr, sondern eine knallharte Standortfrage. Umso wichtiger sind jetzt wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen, um unsere Industrie international konkurrenzfähig zu halten. Der angekündigte Industriestrompreis ist ein klares Signal, schafft dringend benötigte Planungssicherheit und sorgt für fairere Wettbewerbsbedingungen.
Die Bundesregierung hat diese Woche ihre Industriestrategie präsentiert. Welche Chancen und Möglichkeiten ergeben sich daraus für junge Unternehmen?
Die präsentierten Eckpunkte sind ein wichtiges Bekenntnis zum Standort Österreich. Für Unternehmen zählen aber weniger Strategiepapiere als konkrete und verlässliche Rahmenbedingungen: Für Betriebe zählt nicht das Papier, sondern das, was am Ende des Tages ankommt. Entscheidend wird daher sein, was tatsächlich beschlossen wird und ob es in der Praxis Wirkung entfalten kann. Mit der Schwerpunktsetzung in klar definierten Zukunftsfeldern schafft die Industriestrategie große Chancen für mutige Jungunternehmer:innen. Damit diese jungen Unternehmen aber erfolgreich sein können, muss der rot-weiß-rote Dachfonds rasch umgesetzt werden. Er ist eine wichtige Ergänzung zur Industriestrategie, um heimische Start-ups in Schlüsseltechnologien beim Skalieren zu unterstützen – und um sicherzustellen, dass diese Unternehmen auch in Österreich wachsen und bleiben.
Die Bundesregierung hat auch ein Bekenntnis zur Senkung der Lohnnebenkosten bis zur Mitte der Legislaturperiode abgegeben. Was bedeutet das für den Wirtschaftsstandort?
Für viele Betriebe ist Arbeit in Österreich schlicht zu teuer geworden. Die Senkung der Lohnnebenkosten ist daher ein längst überfälliger Impuls für den Standort. Diese Forderung steht seit Jahren im Raum – jetzt gibt es zumindest ein klares Bekenntnis. Entscheidend ist aber die Umsetzung. Für manche Betriebe tickt die Uhr bereits. Die Senkung der Lohnnebenkosten ist dringend notwendig, um zu verhindern, dass Unternehmen abwandern oder im schlimmsten Fall schließen müssen. Entlastung darf nicht auf die lange Bank geschoben werden – sie muss jetzt kommen und schnell umgesetzt werden.