So viel gibt ein Tagesgast in Vorarlberg aus

Studie mit interessanten Fakten: Deutsche nehmen längere Anreise in Kauf, Schweizer nicht. Ausgaben im Winter doppelt so hoch.
Dornbirn Wird über Tourismus gesprochen, richtet sich der Blick meist auf die Zahl der Nächtigungen. Eine neue Studie der Universität St. Gallen, beauftragt von Vorarlberg Tourismus, lenkt nun die Aufmerksamkeit auf eine bislang weniger beachtete Gruppe: die Tagestouristen.

7,5 Millionen Tagesausflügler
9,3 Millionen Nächtigungsgäste verzeichnet Vorarlberg jährlich. Hinzu kommen 7,5 Millionen Tagesgäste – 4,8 Millionen im Sommer und 2,7 Millionen im Winter. Als Tagesgäste gelten all jene, die touristische Angebote wie Bergbahnen, Bäder, Kunst- und Kulturangebote oder die Gastronomie nutzen, jedoch nicht vor Ort übernachten. Nicht erfasst ist der Nahbereich, etwa der Dornbirner, der auf den Karren fährt. “Tagesgäste standen bislang weniger im Fokus, daher wollten wir diese Gruppe genauer analysieren”, erklärt Wirtschaftslandesrat Marco Tittler.

Eine zentrale Erkenntnis der Studie: Rund die Hälfte der Tagesgäste sind Einheimische. 30 Prozent kommen aus Deutschland, 20 Prozent aus Liechtenstein oder der Schweiz. Insgesamt geben Tagesgäste rund 400 Millionen Euro pro Jahr aus – etwa ein Fünftel des gesamten Tourismusumsatzes von rund zwei Milliarden Euro im Jahr 2024. Auffällig ist der saisonale Unterschied: Während Tagesgäste im Sommer durchschnittlich 30 bis 40 Euro pro Person ausgeben, liegt der Wert im Winter mit 70 bis 80 Euro fast doppelt so hoch.

Als Datengrundlage der Studie dienten Besucherzahlen verschiedener Attraktionen, klassische Tourismusstatistiken sowie Verkehrszählungen, erläutert Studienautor Roland Scherer.

Interessant sind auch die Ergebnisse zur Anreisebereitschaft. Im Winter nehmen Tagesgäste längere Wege in Kauf als im Sommer – allerdings mit deutlichen Unterschieden je nach Herkunftsland. “Deutsche Tagesgäste akzeptieren im Sommer eine Anreisezeit von rund 80 Minuten, im Winter sogar 149 Minuten. Schweizer bevorzugen kürzere Distanzen – 43 Minuten im Sommer und etwa 90 Minuten im Winter”, betont Scherer. Ein Grund dafür sei das breite Angebot vergleichbarer Winterdestinationen in der Schweiz, insbesondere im Skibereich.

Eine klare Empfehlung der Studie lautet daher, den Fokus im Winter stärker auf den deutschen Tagesgast zu legen. “Marketingaktivitäten in Süddeutschland sind im Winter deutlich vielversprechender als am Schweizer Markt”, sagt Scherer. Im Sommer hingegen bleibe Vorarlberg auch für Schweizer Tagesgäste attraktiv.
Gäste gezielter ansprechen
Landestourismusdirektor Christian Schützinger kündigt an, die Herkunftsmärkte künftig gezielter anzusprechen. “Außerdem überlegen wir, die V-Card auf das gesamte Jahr auszudehnen.” Der Fokus liege klar auf der Wertschöpfung. “Wir wollen nicht die Besucherzahlen erhöhen, sondern jene Gäste gewinnen, die zusätzliche Freizeitangebote nutzen.” Große Potenziale sieht Schützinger dabei in Kombiangeboten – etwa Bergbahnfahrten in Verbindung mit einem Bergfrühstück.