Markus Comploj: “Ein Schuss ins Knie und eine reine Standortgefährdung”

Markt / 27.02.2026 • 10:01 Uhr
Markus Comploj: "Ein Schuss ins Knie und eine reine Standortgefährdung"
Markus Comploj ist CEO von Getzner, Mutter & Cie. und Sprecher der Vorarlberger Industrie. FA/Hagen

Die VN fragen den Unternehmer und Sprecher der Vorarlberger Industrie, Markus Comploj: Drei Antworten zu Forschung und Innovation, zur Bürokratie und zur Lehrlingsausbildung.

Sie haben immer wieder die Umsetzung des Paktes für Forschung, Technologie und Innovation (FTI-Pakt) gefordert. Jetzt soll es kommen, ein erster guter Schritt?

Ja, denn unser Industriestandort braucht eine starke Forschung, die in den Betrieben wirkt und Innovationen rasch in marktreife Angebote umsetzt. Daher kommt dem Zusammenspiel von Grundlagen- und angewandter Forschung eine entscheidende Bedeutung zu. Daneben braucht es allerdings auch konsequenten Bürokratieabbau, wettbewerbsfähige Energie- und Standortkosten sowie investitionsfreundliche Rahmenbedingungen.

Auch wenn Bürokratie nicht nur hausgemacht ist – was kann, was muss im Bundesland konkret geändert werden?

Ein ganz konkreter Aspekt wurde ja beim Standortgespräch zwischen Land und Wirtschaftskammer aufgeworfen, nämlich die Schwerpunktsetzungen in den Bezirkshauptmannschaften. Eine solche Konzentration und Kompetenzbündelung von unterschiedlichen Verfahren bei jeweils einer BH erscheint uns für eine Beschleunigung und Verbesserung der Verfahren ganz wesentlich und bringt zentrale Vorteile, sowohl organisatorisch als auch für Unternehmen, Bürger:innen und Politik. Daher: Umsetzen!

Zuletzt hat Gewerkschaftschef Reinhold Binder mit einer “Strafsteuer” für nicht ausbildende Betriebe und härteren KV-Verhandlungen aufhorchen lassen. Was ist aus Ihrer Sicht falsch daran?

So ziemlich alles, denn es ist absurd, Unternehmen, die aus objektiven Gründen derzeit nicht ausbilden können, auch noch bestrafen zu wollen. Eine Strafsteuer wird keinen einzigen zusätzlichen Lehrling schaffen. Im Gegenteil, sie gefährdet Ausbildungsplätze und trifft insbesondere kleine und mittlere Betriebe ins Mark. Zudem bleibt die wirtschaftliche Lage, besonders der Industrie in Österreich, extrem angespannt. Jetzt ein härteres Feilschen bei den KV-Verhandlungen anzudrohen, sei ein Schuss ins Knie und eine reine Standortgefährdung.

Grüße