Auswirkungen des Iran-Krieges auf Europas Wirtschaft und Zinsen

Markt / 13.03.2026 • 08:59 Uhr
Auswirkungen des Iran-Krieges auf Europas Wirtschaft und Zinsen
BDO Treuhand GmbH

Michael Grahammer (BDO) gibt einen Überblick über wichtige Fragen im Rahmen des Konflikts.

Welche wirtschaftlichen Folgen hat der Iran-Krieg für Europa?

Aus heutiger Sicht sind die Auswirkungen auf Europa und damit uns alle noch schwer zu greifen. Wie stark und wie nachhaltig wir die Konsequenzen dieser brisanten Auseinandersetzung spüren werden, hängt sehr von der Dauer des Krieges ab. Auch wenn die Versorgungssicherheit nicht unmittelbar bedroht ist, steigt mit jedem zusätzlichen Tag, an dem kein Öl und Gas aus der Region am Persischen Golf fließen, die Gefahr, dass höhere Energiepreise erneut die Produktionskosten und in weiterer Folge die Löhne anheizen. Sollte das tatsächlich eintreten, ist die Regierung gefordert, diesmal nicht die Symptome durch teure Geschenke zu lindern, sondern die Ursache der Preisspirale zu bekämpfen.

Und längerfristig …?

Österreich hat selbst kein Öl und nur geringe Gasreserven. Wir sind also bei fossilen Brennstoffen zumindest zum Teil von recht unzuverlässigen Partnern abhängig; und selbst wenn die Versorgung gesichert ist, beeinflusst jeder Konflikt die Rohstoffpreise und damit wiederum unseren eigenen Wohlstand. Daher ist die Reduktion der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen in der Industrie, aber auch der Mobilität, wesentlich mehr als nur grünes Gedankengut. Im Gegenteil – der Krieg zeigt uns deutlich, dass die Dekarbonisierung für Europa ein Grundbedürfnis ist. Wenn wir nicht weiterhin zu Statisten der Weltpolitik degradiert werden wollen, müssen wir die Abhängigkeit von Öl und Gas in Europa massiv verringern.

Und was passiert mit den Zinsen?

Steigende Preise gefährden die Stabilität einer Währung und untergraben die Wettbewerbsfähigkeit. Gerade in Österreich werden uns die Auswirkungen der Inflation deutlich vor Augen geführt. Daher gilt es natürlich, die Lohn-Preis-Spirale schon frühzeitig zu bekämpfen. Allerdings unterscheidet sich die aktuelle Situation deutlich vom letzten Preisanstieg, der durch die lange Zeit zu niedrigen Zinsen und die großzügigen Staatsausgaben zur Linderung der hohen Energiepreise und COVID-Effekte verursacht wurde. Die Preise steigen diesmal ja nicht wegen der hohen Nachfrage, sondern nur aufgrund höherer Rohstoffpreise. Höhere Zinsen würden daher die ohnehin schwache Wirtschaftsleistung zusätzlich unter Druck setzen und sind definitiv der falsche Weg in diesem Umfeld. Ob das die Währungshüter aber auch so sehen, bleibt abzuwarten …