Umweltschutz will Beton statt Schotter: Wenn ein Parkplatz zum Bürokratiefall wird

Markt / 13.03.2026 • 10:18 Uhr
Umweltschutz will Beton statt Schotter: Wenn ein Parkplatz zum Bürokratiefall wird

300.000 Euro für einen Parkplatz: IMA Schelling-CEO Maximilian Lehner sieht den Produktionsstandort zunehmend ausgebremst – und übt scharfe Kritik an überbordenden Auflagen.

Schwarzach Den Schotterparkplatz vor dem Standort von IMA Schelling in Schwarzach gibt es schon seit Jahrzehnten. Nun aber soll sein Erscheinungsbild geändert werden. “Er muss zubetoniert werden, weil er anscheinend Staub aufwirbelt. Das kostet uns 300.000 Euro”, berichtet Vorstandsvorsitzender Maximilian Lehner. Weshalb das nach all den Jahren nun passieren muss? Neue Umweltauflagen. “Dass der Staat bzw. Behörden bei einem Parkplatz mitreden, ist für mich eine Einmischung, die niemand braucht.”

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Der Schotterparkplatz vor dem Firmengebäude muss bald zubetoniert werden.Roland Paulitsch

Auflagen überbordend

Umweltschutz bis zu einem gewissen Maß sei laut Lehner in Ordnung. Doch während die Auflagen in diesem Bereich früher Sinn gemacht hätten, seien sie inzwischen überbordend. “Es scheint fast so, als suche man ständig nach neuen Regeln.”

Bürokratie – oder vielmehr die damit verbundenen Hürden – nimmt deutlich zu und ist auch für den international tätigen Maschinen- und Anlagenspezialisten mit rund 2000 Mitarbeitern ein großes Thema. Sie kommt von der EU, aus Österreich und aus Vorarlberg. “In Summe ist das dann einfach zu viel”, sagt der Vorstandschef und nennt ein weiteres Beispiel: “Vor mehr als zwei Jahren haben wir einen Plan zum Ausbau unseres Standorts eingereicht und bis heute keine Bewilligung erhalten. Jetzt braucht es Probebohrungen. Für den Moment haben wir das Vorhaben jedenfalls auf Eis gelegt.”

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Maximilian Lehner hinterfragt bei vielen Regelungen die Sinnhaftigkeit.Roland Paulitsch

15 Personen damit beschäftigt

Auch wenn bei IMA Schelling das Thema Bürokratie in verschiedenen Abteilungen angesiedelt ist, seien in Summe umgerechnet 15 Personen vollständig damit beschäftigt. Das weitaus größere Problem sei aber, dass die schlauen Köpfe im Unternehmen für die wirklich wichtigen Aufgaben immer weniger Zeit hätten.

Die meiste Arbeit habe im vergangenen Jahr das europäische Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz verursacht. “Das hat unseren Einkauf vor große Herausforderungen gestellt. Man sieht einfach die Diskrepanz zwischen dem, was der Gesetzgeber will, und dem, was in der Realität möglich ist. Leider wird oft nicht durchdacht, was eine Regelung in der Praxis bedeutet.”

IMA Schelling
Der Standort von IMA Schelling in Schwarzach. imaschelling

Dabei werde der Druck, dem man als international agierendes Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau ausgesetzt sei, immer größer. “Gegenüber chinesischen Herstellern können wir uns zwar technologisch abheben, aber die Lücke schließt sich zunehmend. Und während in China der Drang zur Effizienz gilt und Unternehmen kostenseitig deutlich schlanker sind, geht es bei uns genau in die andere Richtung. Hier herrscht eher die Meinung, dass die Firmen ohnehin bleiben.”

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Die Bedeutung der Industrie für den Wohlstand in unserem Land sei vielen nicht bewusst. Dabei tue sich der Produktionsstandort Österreich mittlerweile wirklich schwer. “Wir kämpfen darum, wettbewerbsfähig zu bleiben. Das liegt aber nicht an den Menschen oder am Know-how, sondern an der Gemengelage aus Nebenkosten und Bürokratie”, sagt Lehner.

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Maximilian Lehner sieht in Italien pragmatischere Ansätze.Roland Paulitsch

Acht Millionen Euro im Jahr

Wie viel Geld Bürokratie kostet, zeigt eine Auswertung des VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau). Demnach liegen die Bürokratiekosten für Unternehmen bei 1,5 bis 3 Prozent des Umsatzes. “Wenn wir von zwei Prozent ausgehen, bedeutet das für uns fast acht Millionen Euro im Jahr, die wir entweder verlieren oder von Kunden zusätzlich verlangen müssen”, verdeutlicht Lehner.

In Italien, wo IMA Schelling an zwei Unternehmen beteiligt ist, seien die Hürden zwar ähnlich – allerdings mit einem großen Unterschied: Die Umsetzung von EU-Richtlinien in nationales Recht sei deutlich pragmatischer. Außerdem sei die Kostenstruktur insgesamt niedriger.

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Mehr lokale Entscheidungsgewalt

Die unter der Leitung von Staatssekretär Sepp Schellhorn stehende Stelle für Entbürokratisierungs- und Deregulierungsanliegen bewertet Lehner daher bestenfalls als gut gemeint. “Es geht fast gar nicht darum, Regeln abzuschaffen, sondern nur um Beschleunigung. Das zieht wieder zusätzliches Personal und Sachverständige nach sich und ändert fast nichts. Wir brauchen insgesamt aber deutlich weniger Regelungen und mehr lokale Entscheidungsgewalt.” Denn auf lokaler Ebene funktioniere vieles gut. “Mit der Gemeinde haben wir eine sehr gute Gesprächsbasis, weil wir dieselben Ziele verfolgen. Aber oft sind auch ihr leider die Hände gebunden.”

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