Bürokratie-Wahnsinn: Wenn eine neue Lüftung sechs Behörden auf den Plan ruft

Küchen-Modernisierung im Bregenzer Hotel Messmer wurde zum Bürokratie-Albtraum: “Würde es heute wohl nicht mehr machen”, so Hotelchef Martin Haim (37).
Bregenz Martin Haim hat genug von ausufernder Bürokratie. Formulare, immer neue Auflagen und Vorschriften zehren an den Nerven des 37-jährigen Hoteliers. “Egal, was du machen willst, es ist immer mit einem unnötigen Aufwand verbunden”, ärgert sich der Bregenzer. Es gebe kaum einen Tag, an dem er von bürokratischen Hürden verschont bleibe.
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An seinem Arbeitsplatz, einem Büroraum unmittelbar hinter der schicken Rezeption des 4-Sterne-Hotel Messmer in der Bregenzer Innenstadt, türmen sich die Akten. Dabei hat er die meisten ohnedies digital abgelegt. Unzählige Gutachten, Schreiben und Bewilligungen haben sich alleine für die Erneuerung einer Lüftungsanlage in der Hotelküche angesammelt. Sie dokumentieren den Bürokratie-Irrsinn, der den Wirtschaftsstandort Vorarlberg lähmt und den Menschen immer mehr zusetzt. Martin Haim öffnet ein PDF-Dokument nach dem anderen. Sie alle sind Teil eines Genehmigungsverfahrens für “ein eigentlich recht einfaches Projekt”, wie der Unternehmer sagt. Hätte er gewusst, was auf ihn zukommt, wäre es wohl bei der alten Lüftung geblieben.

Die Anlage habe auch noch einwandfrei funktioniert, erinnert sich Haim zurück. “Aber sie war in die Jahre gekommen und wir wollten es unseren Mitarbeitern in der Küche etwas angenehmer machen”. Das war 2023. Die Lüftungsanlage sollte mit der Erneuerung zudem um ein paar Meter versetzt werden. Ein Ansinnen, das den Verwaltungsapparat erst so richtig in Bewegung versetzt hat, wie sich später herausstellen sollte. Abteilung Maschinen- und Elektrotechnik des Landes, Arbeitsinspektorat, Brandverhütungsstelle, Umwelt und Lebensmittelsicherheit, Wirtschaft und Umweltschutz der Bezirkshauptmannschaft: Die Liste ließe sich fast beliebig verlängern. Jedenfalls seien es ein halbes Dutzend Behörden gewesen, die schließlich Teil des Verfahrens waren. Ein Gutachten um das andere ist dadurch notwendig geworden.

Die Schilderungen des Hoteliers erklären die Stimmung der heimischen Wirtschaft ziemlich gut. Eine Umfrage der Wirtschaftskammer unter Mitgliedern, die den VN vorliegt, zeichnet ein verheerendes Bild. Acht von zehn Vorarlberger Unternehmer sehen Bürokratie und regulatorische Anforderungen als größte Herausforderungen für die eigenen Betriebe. Vorarlberg ist längst kein Vorzeigeland mehr. Das Gegenteil ist der Fall. Der Amtsschimmel wiehert nirgendwo sonst so laut wie ganz im Westen. Und: Kein anderes Thema treibt Unternehmern derart die Sorgenfalten ins Gesicht. Auch das dokumentiert die Befragung.
Bürokratie zermürbt
Die ausufernde Bürokratie zermürbt. Wie sehr, zeigt das Beispiel von Martin Haim. “Die Ausführung des Fortluftrohres in einer dunklen und blendfreien Ausführung ist notwendig, um davon ausgehen zu können, dass das Rohr unauffällig in Erscheinung treten wird”, heißt es in einem Bescheid. Ja, das Ortsbild. Und? Der Umgebungsschall ist Thema eines anderen Gutachtens. Jedenfalls konnte die Klimaanlage nicht wie geplant an der Außenwand angebracht werden. Sie musste in den Keller, inklusive bodennaher Absaugung. Für den Fall, dass Kältemittel auskommt. Und überhaupt habe der Schallschutz 50.000 Euro verschlungen.

Aus einer vermeintlich überschaubaren Sanierungsmaßnahme in der Hotelküche ist ein 500.000 Euro teures Bauprojekt geworden. Baustart war im November 2023, Fertigstellung im Februar 2025. Und noch immer fehlt ein letzter Behördenstempel. Beinahe doppelt so teuer und viel länger als geplant, zieht der Messmer-Chef ein bitteres Fazit. “Wir würden das heute wohl nicht mehr machen und stattdessen die alte Lüftung, die noch funktionierte, drinnen lassen.”
Hemmschuh für Investitionen
Ein Haus, wie das Hotel Messmer in bester Bregenzer Innenstadtlage, müsse und wolle in Schuss gehalten werden. “Die Bürokratie macht es einem aber alles andere als leicht, ist vielmehr ein Hemmschuh für Investitionen”, so der Hotelier. Die markante rote Markise wird jedenfalls gehegt und gepflegt. Schließlich würde eine neue die Verantwortlichen der Stadt auf den Plan rufen. Auch dafür findet sich eine Vorschrift: cremefarben sollte sie sein. Das Ortsbild.