“Der Konkurrenzdruck unter den Bewerbenden steigt”

Markt / 24.03.2026 • 14:31 Uhr
"Der Konkurrenzdruck unter den Bewerbenden steigt"

FHV-Personalbarometer zeigt bei Vorarlberger Unternehmen verhaltenes Bild bei Neueinstellungen.

Dornbirn Wie blicken Vorarlbergs Personalverantwortliche auf den Arbeitsmarkt? Wie viele Neueinstellungen planen sie und welche Rolle spielt künstliche Intelligenz? Diesen Fragen ist Hannes Tschütscher, Dozent für Personalmanagement und Arbeitspsychologie an der
Fachhochschule Vorarlberg, für sein diesjähriges Personalbarometer nachgegangen. Befragt wurden dafür mehr als 100 mittlere und größere Vorarlberger Unternehmen. “Die Ergebnisse zeichnen ein eher verhaltenes Bild”, betont Tschütscher gegenüber den VN:

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Hannes Tschütscher, Dozent für Personalmanagement und Arbeitspsychologie an der
Fachhochschule Vorarlberg.FHV

Wie ist die Stimmung unter den Personalverantwortlichen in Vorarlberg derzeit?

Tschütscher: Rund ein Drittel der Personalverantwortlichen rechnet damit, dass die Anzahl an Neuanstellungen in ihrem Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten weiter zurückgehen wird. Etwa die Hälfte geht davon aus, dass die Einstellungszahlen stabil bleiben, und nur jedes siebte Unternehmen erwartet eine Zunahme der Beschäftigungszahlen. Dies ist insofern kritisch, als die offenen Stellen in Vorarlberg bereits seit 2022 rückläufig sind. Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass die Unternehmen derzeit vorsichtig planen und ihre Personalstrategie stark an der unsicheren konjunkturellen Entwicklung ausrichten. Von einer erhofften Trendwende am Arbeitsmarkt kann daher leider noch nicht die Rede sein.

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Was bedeutet das konkret für Arbeitssuchende in der Region?

Tschütscher: Neben den eher zurückhaltenden Erwartungen der Unternehmen berichten fast die Hälfte der befragten Personalverantwortlichen, dass sich derzeit mehr geeignete Kandidaten auf offene Stellen bewerben als noch vor rund zwölf Monaten. Demgegenüber stehen nur 7 Prozent der Unternehmen, die einen Rückgang geeigneter Bewerbungen festgestellt haben. Für Arbeitssuchende bedeutet das in vielen Fällen eine spürbar intensivere Wettbewerbssituation. Wenn Unternehmen vorsichtiger neue Stellen ausschreiben und gleichzeitig mehr qualifizierte Personen auf offene Positionen treffen, steigt der Konkurrenzdruck unter den Bewerbenden. Gerade bei attraktiven Positionen können Unternehmen derzeit häufiger aus einer größeren Zahl geeigneter Kandidaten auswählen.

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Welche Auswirkungen hat künstliche Intelligenz auf den Arbeitsmarkt? Was zeigen die Ergebnisse?

Tschütscher: Künstliche Intelligenz ist inzwischen in vielen Unternehmen angekommen. Ein Großteil der Befragten setzt bereits KI-Systeme ein oder plant deren Einführung. Gleichzeitig zeigen die Daten bislang kaum negative Beschäftigungseffekte. Nur rund 6 Prozent der Unternehmen geben an, im Zusammenhang mit KI einzelne Personaleinsparungen realisiert zu haben. Demgegenüber berichten 18 Prozent, dass im Zuge der Einführung von KI neue Stellen geschaffen wurden. Der Effekt scheint daher eher mit organisatorischen Anpassungen und neuen Rollenprofilen verbunden zu sein als mit einem unmittelbaren Abbau von Arbeitsplätzen.

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Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz in den Personalabteilungen selbst?

Tschütscher: In den HR-Abteilungen vieler Firmen spielt KI noch eine vergleichsweise geringe Rolle. Anwendungen wie Chatbots zur Kommunikation mit Bewerbenden auf Karriereseiten werden nur vereinzelt eingesetzt. Auch die Nutzung von KI zur Unterstützung bei der Vorauswahl von Bewerbungen ist überschaubar. Das hängt auch mit der Skepsis vieler Personalverantwortlicher zusammen: Etwas mehr als die Hälfte steht der Nutzung von künstlicher Intelligenz zur Unterstützung von Selektionsentscheidungen kritisch gegenüber. Fragen der Fairness, Transparenz und Diskriminierungsrisiken scheinen eine Rolle zu spielen.