“Herr Fulterer hat mir ein extrem gut bestelltes Haus übergeben”

Tiroler Unternehmer, der Vorarlberger Weltmarktführer übernommen hat, über die weitere Zukunft des Lustenauer Hightech-Unternehmens.
Lustenau “Herr Fulterer hat mir ein extrem gut bestelltes Haus übergeben”, freut sich Günter Höfert, “das ist für mich ein echter Glücksfall”. Der Tiroler Unternehmer spricht vom Vorarlberger Weltmarkt- und Technologieführer Fulterer AG & Co KG, der in seiner Nische seit Jahren die Spitze definiert. Das 1956 von Karl Fulterer gegründete Unternehmen produziert Schubladenauszugsysteme für höchste Belastungen, für die speziellen Anforderungen verschiedener Branchen und natürlich solche, die maßgeschneidert sind. Höfert hat, wie die VN Anfang März berichtet haben, das Familienunternehmen übernommen und führt es zusammen mit CFO Markus Bösch in die Zukunft.

Ein Glücksfall sei für ihn auch, dass Bösch an seiner Seite in der Geschäftsführung sei. Bösch, der seit 25 Jahren im Unternehmen tätig ist, sei der Garant, dass es so erfolgreich weitergeht wie bisher, ist der Tiroler überzeugt. Höfert ist in Tirol ein bekannter Unternehmer, der in seiner früheren Funktion als Geschäftsführer des Präzisionsmechanik-Unternehmens Sistro bzw. später Swacrit Systems GmbH den E-Zigaretten-Produzenten Von Erl gründete und erfolgreich weiterverkaufte. Als Investor möchte er nicht wahrgenommen werden, sagt er im Gespräch mit den VN, er sehe sich selbst als Unternehmer, “deshalb bin ich auch in der Geschäftsführung”. Vorarlbergs starke Industrie und ihre Innovationskraft habe ihn schon länger interessiert, “ich habe immer wieder nach Vorarlberg geschielt”, der Einstieg bei Fulterer sei jetzt der schon erwähnte “Glücksfall” für ihn.
“Premium ist unser Anspruch”
Die Firma Fulterer hat in ihrer Nische den Anspruch, den Premium-Bereich abzudecken – die Produktion von hochstabilen Auszugssystemen für die Industrie, die Großgastronomie und alle Bereiche, in welchen solche Auszugssysteme benötigt werden, wird durch Qualität, die jährlich durch den TÜV auditiert wird, und Innovationen auf neuestem Stand gehalten. Die Grundlage dafür, so Bösch und Höfert, seien die rund 200 oft langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihre Expertise. Auch in Zukunft werde man selbst vor Ort ausbilden, “das Interesse an der Lehre bei uns ist sehr groß, weil wir eine Universalausbildung anbieten können”, betont Markus Bösch.
Die Produkte, die ausschließlich an den Standorten Lustenau und St. Margrethen gefertigt werden, sind weltweit in über 50 Ländern in Verwendung. Für heuer ist die Eröffnung von zwei neuen Niederlassungen geplant: in Kanada und in Indien, wo man große Chancen sehe. Denn wachsen könne man nicht am Heimatmarkt oder in Europa, sondern nur am internationalen Markt, betont Höfert. Sorgen macht ihm die Situation an einem der stärksten Absatzmärkte von Fulterer, den USA. Er hoffe auf eine Beruhigung der Lage, andererseits sei auch die Eröffnung einer Niederlassung in Kanada eine Folge der Unsicherheit. “Wir wollen Kanada nicht mehr über den Umweg USA beliefern”. Vom Mercosur-Abkommen hingegen profitiere das Unternehmen, “Brasilien ist für unsere Firma ein Markt, der sich sehr gut entwickelt”.

Neben den geografischen Schwerpunkten wolle man auch zusätzliche Geschäftsfelder bearbeiten, erklärt Höfert und nennt Unternehmen in der Automatisierungs- und Medizintechnik sowie Firmen mit Reinräumen als potenzielle Kundinnen und Kunden, die man anspreche. Während für die Fertigung gerade eine Millioneninvestition in den Maschinenpark inklusive Gebäudeerweiterung erfolgt ist, treibe man die Digitalisierung in allen anderen Bereichen voran, um die Effizienz im Unternehmen zu erhöhen. Im vergangenen Geschäftsjahr 2024/25 hat das Unternehmen einen Umsatz von knapp 50 Millionen Euro gemacht.