“Luft kennt keine Grenzen”: Weiterer Protest gegen das Rondo-Reststoffkraftwerk

In Schlins protestierten rund 80 Menschen gegen die geplante Müllverbrennungsanlage in Frastanz.
Schlins „Die Präsenz wirkt“, sagte Markus Brandtner. Mehrere Bürgerbewegungen, darunter S.O.S Walgau, organisierten eine friedliche Protestaktion vor dem Schlinser Gemeindeamt. Dort fand am Donnerstag eine Informationsveranstaltung für die Walgauer Bürgermeister zur geplanten Müllverbrennungsanlage (Reststoffkraftwerk) der Rondo Ganahl AG statt.


Die Bürger wollten ihren Unmut über die geplante Müllverbrennungsanlage sichtbar machen und ein Zeichen setzen, indem sie symbolisch eine Drachenschnur festhielten. So entstehe eine sichtbare Verbindung zwischen den Menschen im Walgau und im Rheintal, die sich für den Schutz ihres Lebensraums einsetzen. Die Petition gegen die geplante Müllverbrennungsanlage, die Rondo Ganahl als Reststoffkraftwerk bezeichnet, haben bereits mehr als 2800 Menschen unterschrieben. Derzeit läuft das UVP-Verfahren.


Der Schutz von Luft, Wasser, Boden und Gesundheit soll laut den Initiatoren über den betriebswirtschaftlichen Interessen einer Firma stehen. „Eine Müllverbrennungsanlage hat nichts mit Energieautonomie zu tun“, sagte Initiatorin Manuela Zech. Die zu verbrennende Abfallmenge von 82.000 Tonnen pro Jahr stehe im Widerspruch zu den 122.000 Tonnen im UVP-Antrag. Es sei „ökonomisch nicht sinnvoll“, diese Anlage nur zu zwei Dritteln auszulasten. „Die sind nicht ehrlich in ihren Aussagen“, lautete ihr Vorwurf.



Kritisiert wird, dass innerhalb von zwölf Kilometern Luftlinie eine zweite Anlage mit niedrigerem Standard bei Betriebstemperatur, Filtertechnik und Errichtungskosten als jene in Buchs betrieben werden soll. Zech ist überzeugt, dass eine zweite Anlage nicht zur Diskussion stünde, läge eine vergleichbare bereits in Vorarlberg. Doch Luft kenne keine Ländergrenzen, die Politiker dagegen schon.

Auswirkungen über Ländergrenzen hinweg
Das Projekt bewegt viele Menschen überregional, „weil die möglichen schädlichen Auswirkungen über die Gemeinde- und Ländergrenzen hinweg wirken können“, so die Initiatoren. „Aus kumulativer Sicht betrifft es ganz Vorarlberg, wenn eine Anlage mit der dreifachen Kapazität des heimischen Abfallvolumens geplant ist.“

Othmar Mäser aus Göfis protestierte ebenfalls: „Der Standort ist für eine Abfallverbrennungsanlage nicht geeignet.“ Im Talkessel herrsche häufig eine Inversionswetterlage, das heißt, die Schadstoffe sammeln sich im Kaltluftsee am Talboden. Langfristig befürchtet Mäser eine Ablagerung der Schadstoffe auf landwirtschaftlichen Flächen und in den Gärten. Er rechnet mit einer überproportionalen Konzentration der Schadstoffe in Früchten und im Grundwasser sowie mit „negativen gesundheitlichen Auswirkungen“.

Volle Auslastung nötig
Mit der Petition wollen die Initiatoren den Ball in die Hände der Politik spielen, erklärte David Kessler von S.O.S Walgau. Die Anlage in Buchs verbrenne bereits Vorarlberger Müll und sei für die gesamte Region ausreichend. Da Müllverbrennungsanlagen rund um die Uhr laufen müssen, müssten Rondo und die KVA Buchs laut Kessler Müll aus dem Ausland importieren. „Die Anlage muss komplett ausgelastet werden, damit sie Gewinn abwirft“, erklärte Kessler. Bei der Anlage der Firma Rondo Ganahl würden nach seinen Informationen nur zehn Prozent firmeneigener Müll verbrannt, der Rest müsste mit Lkw angeliefert werden. „Die Firma will große Gewinne machen, aber die Bürger haben nur Nachteile davon.“

Walter Reutz aus Satteins betonte, dass das Projekt ein Rückschritt für die ganze Region sei. „Die Bürgermeister haben Verantwortung für uns und müssen für uns einstehen.“ Die Lösung müsse immer im Sinne der Bevölkerung sein.