Lohntransparenz: Der Preis der guten Absicht

Europa hat offenbar nichts gelernt. Während China schneller wird, die USA investieren und andere Regionen um Märkte kämpfen, beschäftigt sich Brüssel mit der nächsten Richtlinie: Lohntransparenz. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit klingt richtig. Aber gute Überschriften ersetzen keine gute Politik. Österreich muss diese EU-Richtlinie heuer umsetzen. Unternehmen sollen Löhne vergleichbar machen. Auf dem Papier klingt das nach Fairness. In der Praxis klingt das wieder nach noch mehr Bürokratie, Aufwand und Misstrauen.
Dabei ist Österreich kein rechtsfreier Raum. Wir haben eine Kollektivvertragsabdeckung von über 97 Prozent. Mindestgehälter und Einstufungen sind längst geregelt. Warum braucht es schon wieder einen neuen Eingriff? Ja, es gibt Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen. Das muss man ernst nehmen. Aber man muss ehrlich fragen, woher sie kommen. Teilzeit, Berufsunterbrechungen, Branchenwahl, Führung und Kinderbetreuung spielen eine Rolle. Wer wirklich etwas ändern möchte, muss dort ansetzen. Nicht beim nächsten Berichtspflichten-Paket. Wir brauchen mehr Kinderbetreuung und bessere Rahmenbedingungen, damit Frauen früher und leichter ins Arbeitsleben zurückkehren können. Das schafft Chancen. Eine Richtlinie schafft Papier.
Brüssel wählt aber wieder den einfachen Weg: mehr Transparenz, mehr Pflichten, mehr Kontrolle. Damit entsteht nicht automatisch Gerechtigkeit. Es entsteht Raum für Neid, Streit und Verteuerung. Löhne hängen von Leistung, Verantwortung, Erfahrung, Risiko und Verhandlung ab. Unterschiede wird es immer geben. Entscheidend ist, ob alle faire Chancen haben.
Europa steht wirtschaftlich nicht auf der Überholspur. Energie ist teuer, Bürokratie wächst, Investitionen fehlen, die Industrie wandert ab. Gleichzeitig steigen die Lohnkosten. Genau jetzt schafft Europa die nächste Belastung. Unverständlich ist, dass Unternehmervertreter oft erst laut werden, wenn eine EU-Richtlinie national umgesetzt wird. Dann ist der Zug meist abgefahren. Der Kampf beginnt früher – in Brüssel. Dort müsste man solche Ideen im Keim ersticken. Vielleicht arbeitet Brüssel schon an der nächsten Idee. Wenn wir bei CO₂ über Importabgaben die Welt verbessern wollen, warum dann nicht bald auch bei Löhnen? Dann kommt vielleicht eine Abgabe auf Produkte, die unter anderen Lohnniveaus hergestellt wurden. Klingt moralisch gut. Die Folge: teurere Importe, mehr Bürokratie, weniger Wettbewerbsfähigkeit.
Die Welt produziert. Europa prüft. Am Ende haben wir perfekte Transparenz – aber weniger Firmen, die noch Löhne zahlen können.