Börsentipp: Powell geht – bleibt die Fed stabil?

Benjamin Meier, Leiter Vermögensverwaltung der Volksbank Vorarlberg, über die US-Notenbank.
Dornbirn Gestern endete die Amtszeit von Jerome Powell als Chef der US-amerikanischen Zentralbank Fed, doch anders als üblich bleibt Powell als Gouverneur der Fed erhalten und ist damit weiterhin stimmberechtigt im Offenmarktausschuss, welcher die Zinsen in den USA festlegt. In der mehr als 100-jährigen Geschichte der wichtigsten Zentralbank der Welt ist ein solcher Schritt bisher nur einmal vorgekommen. Dieser ungewöhnliche Schritt ist von Powell jedoch bewusst gewählt, denn er versteht sich als Absicherung gegen den zunehmenden politischen Druck aus dem Weißen Haus und dient zur Wahrung der politischen Unabhängigkeit der Fed.
Präsident Donald Trump setzte die Unabhängigkeit der Fed in den letzten Monaten nämlich offen unter Druck. Mit Kevin Warsh nominierte er einen Nachfolger, der dem “MAGA”-Lager nähersteht als sein Vorgänger. Warsh steht für einen deutlichen Stilwechsel und plant beispielsweise, die Forward Guidance abzuschaffen. Gleichzeitig ist Warsh kein eindeutiger Handlanger des Präsidenten. Sein Wille, die Bilanz der US-Notenbank zu straffen, widerspricht beispielsweise Trumps Wunsch einer lockereren Geldpolitik. Ebenfalls verfügt Kevin Warsh über die notwendige Erfahrung für den Posten und er beteuerte während der Anhörung im Bankenausschuss auch, dass ihm die Unabhängigkeit der Notenbank alles bedeute.
Für die Märkte heißt dies, dass Powells Abgang kein Stabilitätsbruch darstellt, denn kurzfristig überwiegen personelle und institutionelle Kontinuität – auch dank Powells Verbleib im Gremium. Entscheidend wird aber mittel- und langfristig sein, ob es der Fed gelingt, ihre Unabhängigkeit gegen politischen Einfluss zu verteidigen. Die Antwort auf diese Frage entscheidet nicht nur über die Glaubwürdigkeit der Notenbank, sondern auch über Vertrauen in Dollar, Anleihemärkte und die globale Finanzstabilität.