“Wir sind so unglaublich langsam”

Markt / 31.05.2026 • 12:52 Uhr
"Wir sind so unglaublich langsam"
KI hinzufügen: Die Firmen investieren in die KI – nun geht es darum, sie umzusetzen. Und: Man muss die Menschen mitnehmen, sagt “die Füchsin”.

Was macht die Künstliche Intelligenz mit den Menschen, was mit der Arbeitswelt und der Gesellschaft? Monika Fuchs, Beraterin mit langjähriger Erfahrung im Personalbereich, sieht die Chancen, mahnt aber zur kritischen Beurteilung.

Schwarzach Papst Leo XIV. hat seine erste Enzyklika der Künstlichen Intelligenz (KI) gewidmet, er sieht in der digitalen Wirtschaft und dem Einsatz von KI erhebliche Risiken für Menschenwürde und soziale Gerechtigkeit. Hinter scheinbar “immateriellen” KI-Systemen stehe eine Kette von Ausbeutung und Abhängigkeit, betont der Papst. “Nichts ist in der Welt der KI immateriell oder magisch”, heißt es in der Enzyklika. Jede digitale Leistung beruhe auf der oft unsichtbaren Arbeit von Millionen Menschen.

Kritischer Blick notwendig

Zu einem kritischen Blick auf die KI rät auch Monika Fuchs – oder: “Die Füchsin”, wie sie sich selbst auf ihrer Homepage bezeichnet. Sie beleuchtete beim AMS Business Dialog bei Heron die Veränderungen der Arbeitswelt zwischen technologischen Entwicklungen, neuen Kompetenzanforderungen und gesellschaftlichem Wandel und stellt die Frage in den Mittelpunkt, wie Unternehmen und Führungskräfte Menschen in Zeiten des Umbruchs stärken und Orientierung geben können.

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Monika Fuchs, seit 20 Jahren im Personalmanagement erfahren und eine Pionierin im Einsatz von KI in diesem Bereich, rät Unternehmen: “Wichtig ist, dass die Veränderung von oben nach unten kommuniziert wird” FA

Die “AI in HR”-Expertin, die 20 Jahren internationale Erfahrung im HR- und General-Management mitbringt, mahnt an, dass bei allen Möglichkeiten, welche die KI mit sich bringt, immer der Mensch im Fokus bleiben müsse. Dass man das neue Instrument aber nutzen muss, sei notwendig und eine Chance: Allein die Demografie und die geänderten Werte verlangen das. “Die Menschen werden weniger”, so Fuchs im VN-Gespräch, die Geburten gehen zurück, die Zuwanderung ist begrenzt, der Wertewandel mit der Hinwendung zur Work-Life-Balance tue ebenfalls das Seine dazu. Und anders als frühere Generationen sei die aktuelle im Wohlstand aufgewachsen, was auch zu einer Veränderung der Arbeitswelt – Stichwort “Work-Life-Balance” – führe.

Atemberaubendes Tempo

Das Tempo, mit dem KI in Wirtschaft und Gesellschaft Einzug gehalten habe, sei dennoch atemberaubend. Auch wenn die Möglichkeiten, wie sie eingesetzt werden könne, in den Chefetagen zwar angekommen, aber noch lange nicht in den Köpfen bzw. wirtschaftlichen Prozessen verankert seien. Dass dadurch Arbeit, Produkte, Wertschöpfung verbessert werden, sehe sie bei sich selbst: Es geht um bessere Qualität und sie könne dadurch auch ihre Vorträge verbessern.”

"Wir sind so unglaublich langsam"
Europäischer Hoffnungsträger im KI-Bereich: Mistral, so Fuchs, sei eine sehr gute europäische Alternative zu ChatGPT & Co., die man verstärkt einsetzen könne. AFP

Die künstliche Intelligenz werde zu Organisationsänderungen führen, die sogar im Organigramm sichtbar werden. “Wichtig ist, dass die Veränderung von oben nach unten kommuniziert wird”, rät sie Managern, “die Mitarbeiter müssen verstehen, was die KI kann, dann braucht es Konzepte, wie man die Mitarbeitenden abholt, um das Potenzial auszuschöpfen.” Führungskräfte müssen dabei menschenzentriert agieren, es brauche Ausbildung, Zeit und ein gutes Changemanagement. Dass die Aufgabe nicht leicht ist, sieht die HR-Expertin. Die multiplen Herausforderungen der letzten Jahre – vom Wertewandel über Technologie bis zur Geopolitik – haben auch in den Chefetagen Spuren hinterlassen: “Auch die Führungskräfte sind müde”, deshalb müsse man das Thema sehr überlegt angehen, um die Menschen besser zu verstehen und mitzunehmen.

Bildungssystem anpassen

Europa insgesamt müsse das Thema proaktiv angehen, sagt Fuchs. Gerade in den obersten Politetagen müsse der Wecker klingeln – “wir sind ja so unglaublich langsam”. Da muss Europa an sich arbeiten, es gebe gute Programme wie “Mistral”, die es verstärkt einzusetzen gelte. In die Gänge komme man, wenn man den Hebel ganz früh ansetzt, nämlich beim Bildungssystem, die Lehrpläne müssen adaptiert werden.”

Denn es geht um viel: Die Berufswelt wird eine andere – “Einsteigerjobs fallen weg, auch die Ferialjobs werden weniger”, so Fuchs, “eigentlich braucht die Wirtschaft Mitarbeiter, die schon hohe Fähigkeiten haben.” Man müsse alle mitnehmen, dann könne man auch positiv in die Zukunft schauen”, ist so Fuchs.