“Wir reden kaum noch über Versicherungen, wir reden immer mehr über Risiko”

Von den zehn größten Gefahren für die Wirtschaft sind lediglich zwei versicherbar. Deshalb werde Risikoberatung immer wichtiger, sagen die österreichischen Vertreter eines der größten Risiko- und Versicherungsberatungsunternehmen.
Schwarzach Die Herausforderungen für Unternehmen – kleine wie große – nehmen weiter zu, das zeigt der neue Aon Global Risk Management Survey, der übrigens erstmals auch eine eigene Österreich-Auswertung hat. Ein Unternehmen gegen die vielfältigen Gefahren – die österreichischen Umfrageergebnisse unterscheiden sich nicht wesentlich von jenen in anderen Ländern – zu wappnen, ist schwierig, viele davon kann man einfach nicht versichern, wie der Geschäftsführer von Aon Österreich, Harald Luchs, im Gespräch mit den VN betont. Die Tätigkeit des weltweit tätigen Unternehmens, das im Versicherungswesen und im Risikomanagement tätig ist, verschiebe sich deshalb immer mehr in Richtung Risikoberatung. Aon beschäftigt weltweit nach eigenen Angaben 50 000 Mitarbeitende, in Österreich rund 350, der Vorarlberger Standort, im Campus V situiert, beschäftigt 14 Mitarbeiter. Seit rund fünf Monaten ist Philipp Nemetz Regional Manager für das Bundesland Vorarlberg.

Nicht überraschend sehen die Unternehmen und Kunden von Aon als absolut größtes Risiko wie schon vor zwei Jahren (der Bericht erscheint alle zwei Jahre) die Cyberkriminalität, gefolgt von Betriebsunterbrechungen, aus welchen Gründen auch immer. “Wir reden kaum über Versicherungen, sondern beraten unsere Kunden immer mehr bei der Abwehr der größten Risiken”, betont Luchs. Die Bedrohung durch Cyberkriminalität habe sich zu einem hochprofessionellen Geschäftsmodell entwickelt, das durch neue Technologien weiter verstärkt werde, wie man am Beispiel Rhomberg in Vorarlberg gerade wieder gesehen habe. Das zeige sich auch in der Tätigkeit von Aon. “Wir verfügen als weltweit tätiges Unternehmen über eine große Expertise in allen Bereichen, die von Unternehmen als Gefahren genannt werden.”
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Nach der Cybergefahr fürchten sich die Firmen in Österreich vor Betriebsunterbrechungen, die in Zeiten der globalen politischen Unwägbarkeiten, aber auch des Klimawandels schnell für eine Krise volkswirtschaftlich wie in den Firmen sorgen können. Dass auch die Angst vor dem Scheitern von Großprojekten ganz oben in der Liste der Top-Risiken aufscheint, sei ein Zeichen von Pessimismus, der in Europa übrigens deutlich stärker sei als in anderen Weltregionen. Das dürfte auch mit der in Europa und Österreich besonders drückenden Bürokratie zusammenhängen, die von den Unternehmen in der “Hitparade” der größten Gefahren ebenfalls ganz weit vorne ist. “Wir regulieren uns zu Tode”, resümieren Luchs und Nemetz das Ergebnis, “das fällt uns auf den Kopf”, denn etliche der weiteren Risiken, die Unternehmern Sorgen bereiten, hängen unmittelbar mit der schwindenden Konkurrenzfähigkeit zusammen. Von den zehn Top-Risiken, die Österreichs Manager orten, sind das der “zunehmende Wettbewerb”, die “Konjunkturabschwächung”, der “Ausfall der Lieferketten und Vertriebswege”, “der Mangel an Arbeitskräften” und das “Vertragspartner-Kreditrisiko”.
Nur zwei von zehn
Von den zehn meistgefürchteten Risiken sind übrigens acht nicht versicherbar, informiert Vorarlberg-Standortchef Philipp Nemetz und kommt damit auf den Wandel in der Geschäftstätigkeit zurück. “Was viele Unternehmen heute brauchen, ist eine echte Risiko-Beratung durch unsere Experten”, berichtet er über seine Erfahrungen, deshalb habe man das Risikomanagement bei Aon um 100 Prozent aufgestockt. Ziel sei es, dass die Firmen handlungsfähig bleiben, wenn etwas passiert. Zu den Betriebsunterbrechungen zählen übrigens Naturkatastrophen, die in unseren Breitengraden zunehmen. Dass es nach wie vor keine Lösung gebe, wie man mit den zunehmenden Schäden volkswirtschaftlich verfahren wolle, liege an der Politik, stellt Luchs fest. Dabei gebe es bereits funktionierende Modelle von Solidarversicherungen.