Optimismus ist einer der treibenden Faktoren für eine gute Wirtschaftslage

Verhaltensökonom und Bestsellerautor Matthias Sutter darüber, wie die Sportereignisse, z. B. die laufende Fußball-WM, auf Menschen und Wirtschaft ausstrahlen.
Derzeit bannt die Fußball-WM die Menschen vor dem Bildschirm: Was machen solche Ereignisse, wie wirken sie in einer derzeit von Krisen geprägten Welt?
Sportgroßereignisse haben vielfach eine verbindende Wirkung, ob das beim Public Viewing, beim gemeinsamen Schauen mit Freunden oder zu Hause ist. Fußball hat dabei eine herausragende Bedeutung, weil sich so viele Menschen dafür interessieren. Die Konzentration auf die aktuelle Fußball-WM drängt zumindest für einige Zeit die anderen Nachrichten bzw. Krisen in den Hintergrund. Das ist gar nicht schlecht, weil ein ständiges Leben im Krisenmodus psychologisch anstrengend ist.
Wirken sich solche Veranstaltungen tatsächlich auf die Wirtschaft und die Stimmungslage der Menschen aus?
Ja. Insbesondere nach Siegen der eigenen Mannschaft sind Menschen in der Regel optimistischer gestimmt und fühlen ein stärkeres Zusammengehörigkeitsgefühl. Optimismus ist aber einer der treibenden Faktoren für eine gute Wirtschaftslage, weil er aufgrund des Glaubens, dass es aufwärtsgeht, zu mehr Investitionen und Einstellungen führt. Ein Gefühl der Zusammengehörigkeit wiederum erhöht die Kooperationsbereitschaft untereinander, wie ich etwa im Buch “Gemeinsam stark” (mit Martin Kocher) ausführlicher erkläre.
Und wie wird das von den Menschen aufgenommen, wenn, wie gerade geschehen, Politiker die Regeln brechen?
Das ist ein – noch dazu vollkommen unnötiger – Vertrauensbruch, der ja nicht nur auf den Fußball abfärbt, sondern auch auf die Einstellung gegenüber Politikern und Funktionären. Ein Vertrauensverlust wiederum ist wirtschaftlich nachteilig, weil durch Vertrauen vieles leichter geht und mit weniger Kontroll- und Prüfaufwand verbunden ist. Trump und Infantino haben also sicher niemandem geholfen, nicht einmal der US-amerikanischen Fußballmannschaft, die gegen Belgien ausgeschieden ist, trotz der Aufhebung der Sperre wegen einer roten Karte.