Kommt nun doch Dynamik in die Pensionsdebatte?

Michael Grahammer über Antrittsalter und Notwendigkeit von privater und betrieblicher Vorsorge.
Kommt nun doch Dynamik in die Pensionsdebatte?
Verschiedene Wortmeldungen der letzten Wochen deuten zumindest in diese Richtung; und Zeit wäre es. Die ÖVP wünscht sich (schon länger) die KESt-Befreiung für Wertpapiere nach einer langen Behaltefrist und wird dabei von den Neos unterstützt. Und die Vorsitzende des Seniorenbundes kann sich nun doch eine Erhöhung des Antrittsalters vorstellen. Dass eine Seniorenvertreterin kein Problem damit hat, wenn Berufstätige ihre Rente später antreten, überrascht zwar nicht, war bisher aber auch nicht selbstverständlich. Und der Tiroler Landeshauptmann fordert gar, dass der Ruhestand erst nach 45 Beschäftigungsjahren angetreten werden kann. Neue Töne also …
Was wäre also zu tun?
Vor allen anderen Themen sollte eine Angleichung des effektiven Pensionsantrittsalters, gemessen an der Lebenserwartung und den Beitragsjahren, über alle Berufsgruppen hinweg umgesetzt werden. Auch Kindererziehung muss mit berücksichtigt werden. Unfair und leistungsfeindlich ist im Übrigen die schleichende Schlechterstellung höherer ASVG-Pensionen durch die Valorisierung unterhalb der Inflationsrate. Denn wer einmal in Rente ist, hat kaum eine Möglichkeit, auf ein sinkendes Einkommen zu reagieren. Dass das Antrittsalter und die Höhe der Pension an die durchschnittliche Lebenserwartung gekoppelt sein sollten, ist eigentlich nur logisch; alles andere geht zulasten unserer Kinder und Enkel.
Und das reicht?
Nein. Auch die betriebliche Vorsorge muss für Arbeitgeber attraktiver werden und die private Vorsorge – zumindest innerhalb vernünftiger betragsmäßiger Grenzen – durch Anreize gefördert werden. Sie kann (und soll) aus Wertpapieren bestehen, sie kann aber auch in Form von Wohnungseigentum aufgebaut werden. Im Moment passiert aber das genaue Gegenteil: Wir erschweren Familien den Erwerb von Wohnungseigentum, wir besteuern den Aufbau der privaten Pensionsvorsorge in Form von Wertpapieren und wir sprechen den Menschen überhaupt die Fähigkeit zu eigenverantwortlichen Entscheidungen in der Veranlagung ab. Die Politik erwartet also ernsthaft, dass ihr die Menschen in der Sicherung ihrer finanziellen Vorsorge mehr vertrauen als sich selbst? In Anbetracht der Staatsfinanzen schon sehr verwegen …