“Raus aus der Schmuddelecke” – Bau von neuem Quartier rückt in Reichweite

Nach mehreren Jahren Verzögerung nimmt eines der wichtigsten städtebaulichen Projekte in Bregenz jetzt Fahrt auf. Der Fahrplan steht – im ersten Gebäude wird bereits ab November “geturnt”.
Bregenz, Dornbirn Als “Innovationsquartier” bezeichnete der Projektentwickler Prisma 2022 ein gemeinsam mit der Firma Siemens geplantes Quartier am Standort Arlbergstraße/Josef-Huter-Straße am Rande eines exklusiven Wohngebiets der Landeshauptstadt. Es war und ist immer noch “Entwicklungsgebiet”, denn seit vier Jahren ist an der Kreuzung nicht viel passiert außer dem Siemens/KHBG-Skandal, der nach wie vor nicht aufgearbeitet ist. Gebaut wurde jedenfalls nicht, obwohl bereits im Jahr 2023 das Ergebnis eines von Prisma ausgeschriebenen Architekturwettbewerbs vorliegt. Grund dafür waren weniger wirtschaftliche Gründe als die Entscheidungen der Gestaltungsbeiräte der Stadt und des Landes, die mit der Höhe nicht zufrieden waren. Der Landesgestaltungsbeirat empfahl die Durchführung einer städtebaulichen Studie durch ein vom Projektbetreiber unabhängiges Architekturbüro in der Schweiz. Das änderte auch nicht viel, außer dass es die Kosten in die Höhe trieb.
Projekt nimmt Fahrt auf
Erst nach der Neuorganisation der zuständigen kommunalen Stadtplanung hat das Projekt wie auch andere Pläne in der Landeshauptstadt Fahrt aufgenommen. Jetzt gibt es einen konkreten Zeitplan, um das “Brevue”getaufte Projekt in die Gänge zu bringen. Der Vorentwurf für das Quartier ist abgeschlossen, informieren Architekt Carlo Baumschlager und Bauherr Bernhard Ölz im Gespräch mit den VN. “In den kommenden Wochen werden die Pläne weiterentwickelt und mit Politik und Gremien abgestimmt”, informiert Ölz über den Zeitplan. “Nach aktuellem Stand ist die Baueingabe für November 2026 vorgesehen, der Baustart für Mitte 2027 und die Fertigstellung für das erste Halbjahr 2029.” Investiert werden 28 Millionen Euro.

Der Entwurf des Architekturbüros Baumschlager Hutter Partners greift die Qualitäten des Grundstücks auf – Zentralität, Ausblick, Ruhe und Grün. Geplant sind zwei unterschiedlich hohe Baukörper: einer zum Bodensee hin orientiert und höher, um die Aussichtslage zu nutzen, der andere niedriger und dem angrenzenden städtischen Böckle-Park zugewandt. Damit werde ein Juwel, das heute vielen Menschen gar nicht bekannt ist, ins Licht gerückt.
Eine Vielzahl der 45 projektierten Wohnungen werde einen Blick auf den See und die umliegende Berglandschaft bieten. Vorgesehen ist ein breit gefächertes Angebot an Eigentumswohnungen für unterschiedliche Lebensphasen, von Singles über junge Familien bis zu Pensionisten. Ebenso präge Nachhaltigkeit den Entwurf, so auch eine energieeffiziente Bauweise, die im Betrieb Ressourcen und Kosten schont, betont der Projektverantwortliche bei Prisma, Nikolaus Ess.
Großes Interesse
Die Anlage sei zwar noch nicht im Verkauf, es gebe aber bereits viele Anfragen für die Wohnungen, berichtet Ess. Der Name “Brevue” für das Quartier setzt sich aus zwei Wörtern zusammen: aus Bregenz und “vue” (französisch für Aussicht). Das Vue beziehe sich auf die Aussicht, die man von den künftigen Wohnungen auf Bodensee und Berge habe, erklärt Prisma-Chef Ölz, der nach vier Jahren der Planung nun aufatmet.

Was aus dem Projekt allerdings nicht mehr wird, ist ein Innovationszentrum. Nun wolle man einen Schwerpunkt auf Gesundheit setzen, so Ölz. Ergänzt werde das Wohnen durch Gewerbeflächen, die vorrangig für die Gesundheitsversorgung wie Arzt- und Physiotherapiepraxen vorgesehen seien. Ein erster Schritt ist bereits gesetzt. Wie die VN berichteten, eröffnet purfitness Anfang November seinen neuen Flagship-Club auf insgesamt 1900 Quadratmetern. Das Fitnessunternehmen übersiedelt damit aus der Rathausstraße an die Josef-Huter-Straße. Und Architekt Baumschlager wird konkret: “Durch die Realisierung des Projektes holen wir das Gelände aus der Schmuddelecke.”