Warum Bauen wieder teurer wird

Höhere Material- und Lohnkosten: Dreijährige Phase mit gleichbleibenden Preisen vorbei.
SCHWARZACH. Die Wohnbaupreise gehen wieder nach oben: Nachdem sie 2021 und 2022 explodiert sind, hatten sie sich stabilisiert und sind drei Jahre lang sehr konstant um etwas mehr als ein Drittel höher geblieben als im Jahr 2020. Damit ist es jedoch vorbei: Heuer haben sie wieder angezogen. Das ist dem Index zu entnehmen, den die Statistik Austria für Österreich und die Bundesländer führt.

In Vorarlberg sind die Baupreise im zweiten Quartal dieses Jahres demnach um vier Prozent höher gewesen als im Jahresdurchschnitt 2025 und um ganze 40,4 Prozent höher als 2020. Anders ausgedrückt: Anstatt damals 100.000 Euro müssen Bauherren heute für ein vergleichbares Projekt 140.400 Euro bezahlen. Das ist auch mehr, als es der allgemeinen Teuerung entsprechen würde, die durch den Verbraucherpreis zum Ausdruck gebracht wird (rund 132.000 Euro).
Der jüngste Preisschub komme “von der Kostenseite her”, erklärt der Dornbirner Michael Klien, Wohnbauexperte am Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO: Die Baubranche könne nicht mehr anders, als gestiegene Kosten weiterzugeben, auch wenn die Marktlage schwierig sei, weil seit geraumer Zeit weniger gebaut wird als in Boomjahren der Vergangenheit.

Konkret führt Klien die Entwicklung auf Folgen des Irankrieges zurück, die auch Autofahrer zu spüren bekommen: “Öl ist teurer geworden, und das ist auf Baustellen und für einige Bauprodukte ein Kostenfaktor.” Immerhin: Klien geht davon aus, dass es nicht zu einer Explosion der Baupreise kommt wie vor vier, fünf Jahren. Diese hatte seinen Angaben zufolge vor allem auch damit zu tun, dass der Gaspreis damals durch die Decke ging. Das sei nun nicht der Fall. Noch besser: Man könne davon ausgehen, dass der gegenwärtige Anstieg nur vorübergehend sei, dass es lediglich einen “Buckel” gebe. Das würde bedeuten, dass Bauen in absehbarer Zeit nicht noch teurer wird, sondern dass sich die Preise wieder stabilisieren.
Hilmar Müller, Bau-Fachgruppengeschäftsführer in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, berichtet von zahlreichen Kostensteigerungen, die nun zu höheren Preisen geführt haben: Eisen und Stahl etwa hätten laut Großhandelsindex im Mai um 11,9 Prozent mehr gekostet als im vergangenen Jahr. Ein wesentlicher Faktor seien aber auch die Lohnkosten, die mit Kollektivvertragsabschlüssen zugenommen hätten: “Das ist gerade im Wohnbau relevant, weil ein erheblicher Teil der Herstellungskosten aus personalintensiven Leistungen besteht.” Genauer: Es handle sich um mehr als 50 Prozent.

“Wir kämpfen mit stark gestiegenen Lohnkosten, höheren Kollektivvertragsabschlüssen und dem nach wie vor bestehenden Fachkräftemangel”, betont Wolfgang Müller, Landesstellenleiter des Wohnbauträgers “Swietelsky”, um auch zusätzliche Aspekte wie höhere Material- und Energiekosten zu bestätigen und weitere zu nennen: Zum einen seien die Qualitätsansprüche gerade in Vorarlberg sehr hoch, zum anderen gebe es immer mehr Auflagen, etwa in Bezug auf Nachhaltigkeit. Das nehme man ernst, damit beschäftige man sich intensiv, und dem entspreche man auch, so Müller. Damit würden aber auch höhere Aufwände einhergehen: “Wir werden laufend besser, aber eben nicht immer günstiger.”