24-Stunden-Betreuung in Vorarlberg vor großen Herausforderungen

Markt / 30.08.2026 • 13:12 Uhr
24-Stunden-Betreuung in Vorarlberg vor großen Herausforderungen
Kein leichtes Zusammenspiel und doch muss es funktionieren – die 24-Stunden-Betreuung zuhause.Symbolfoto/APA

Zahl der Menschen, die im Alter zuhause betreut werden, steigt: Doch Betreuerinnen und Betreuer zu finden wird schwieriger, sagen scheidender und neuer Geschäftsführer der größten Betreuungsagentur.

Rankweil, Schwechat Die Menschen werden immer älter, und die Älteren werden mehr – gerade gehen die sogenannten Babyboomer in Pension. Das ist die demografische Generation, die in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs in den 50er- bis Mitte der 60er-Jahre geboren ist. Und die vielleicht noch nicht jetzt, aber absehbar mehr Betreuung braucht. Vor allem, wenn sie daheim alt werden wollen. Der Bedarf an 24-Stunden-Betreuung wird also auch in Vorarlberg zunehmen.

“Es wird ein Riesenloch geben”

“Es wird bei den Mitarbeitern in der Seniorenpflege ein Riesenloch geben – sowohl zuhause wie stationär”, warnt Jürgen Schuster. Der Rankweiler ist seit zwölf Jahren Regionalleiter der größten privaten Agentur für 24-Stunden-Betreuung in Vorarlberg, der Firma cura domo – und er ist ein Babyboomer. Am 1. September übergibt er seine Agenden an Daniel Duelli. Im Gespräch mit den VN erklären Schuster und Duelli, welche Herausforderungen in der Seniorenpflege gemeistert werden müssen und mit welchen Mitteln die Agentur cura domo, an der übrigens die Uniqa Versicherung beteiligt ist, sich dafür rüstet. “Wir haben österreichweit 2500 Betreuerinnen und Betreuer im Auswahlpool”, erklärt Duelli. Doch die Zahl der Mitarbeiter aus den bisherigen Herkunftsländern versiegt, denn in Ungarn, Rumänien, Polen und Bulgarien gebe es inzwischen attraktivere Löhne und Arbeitsplätze, und das befreie viele potenzielle Personen vom Zwang, im Ausland zu arbeiten. Eine Möglichkeit, die Lücke zu füllen, sei z. B., Betreuende in der Ukraine, Serbien, Bosnien oder Moldawien für die Betreuung in Vorarlberg zu interessieren, so die beiden Betreuungsspezialisten.

24-Stunden-Betreuung in Vorarlberg vor großen Herausforderungen
Jürgen Schuster (li.) hat Cura Domo in Vorarlberg entwickelt und geführt, ab 1. September übernimmt Daniel Duelli die Regionalleitung.VN/Paulitsch

Dass der Job hart ist, ist bekannt. Denn es sind 24 Stunden am Tag und das über einen längeren Zeitraum, in dem vorwiegend Frauen alte und oft kranke Menschen betreuen. Dafür brauchen auch die Betreuerinnen Betreuung. Dass das nicht nur Worte seien, sondern Taten gesetzt werden, ist überprüft. “Als eines der wenigen Unternehmen in der Branche haben wir uns der sehr strengen ‚ÖQZ24‘-Zertifizierung unterworfen.” Für die Betreuerinnen und Betreuer gibt es ein Team, das in der jeweiligen Muttersprache zur Verfügung stehe, wenn es Fragen oder Probleme gebe. “Die Mitglieder des Teams sind auch fachlich ausgebildet”, und sie stehen selbstverständlich auch den Kunden, also den betreuten Personen bzw. ihren Familien, zur Verfügung. “Sechs diplomierte Krankenschwestern führen außerdem bei den Betreuten regelmäßig Visiten durch.” Der Transfer zwischen Heimatland der Betreuerinnen und Betreuer sei mit einem eigenen Bustransfer und in enger Zusammenarbeit mit den ÖBB ebenfalls gut aufgegleist.

Größte private Agentur im Land

Die Reisetätigkeit ins westlichste Bundesland ist beträchtlich. “Vorarlberg ist mit aktuell 315 Betreuungen das größte Bundesland unter den Cura-Domo-Standorten”, so Schuster, der als Regionalleiter für die Beratung der Kunden sowie den Kontakt mit den Systempartnern zuständig ist. Sein Nachfolger Daniel Duelli hat bereits in den vergangenen Monaten sowohl Partner, Kunden als auch die Mitarbeitenden kennengelernt, die Herausforderungen sind ihm also bekannt.

24-Stunden-Betreuung in Vorarlberg vor großen Herausforderungen
Daniel Duelli (li.) und Jürgen Schuster beim Gespräch in der VN-Redaktion.VN/Paulitsch

Duelli weist auch darauf hin, dass es auch für die Familien der Betreuten ein großer Schritt sei, wenn man sich für eine 24-Stunden-Betreuung entscheide, dementsprechend verantwortungsvoll müsse man mit der Aufgabe umgehen. Schließlich sei das auch eine große finanzielle Belastung. Das Pflegegeld sei dabei wichtig, allerdings habe man das seit 2007 nicht mehr an die tatsächlichen Kostensteigerungen angepasst, gibt er zu bedenken. Nur eine der Herausforderungen, die durch die demografische Entwicklung nicht einfacher zu meistern sein werden, sei das, sind sich Duelli und Schuster sicher.