Henn-CEO Ohneberg: “Weitere Verkäufe sind nicht geplant”

Nach den jüngsten Transaktionen will die Dornbirner Firmengruppe auch in neuen Industrien wachsen.
Dornbirn “Weitere Verkäufe sind nicht geplant”, bringt es Henn-Mehrheitseigentümer und CEO Martin Ohneberg im VN-Gespräch auf den Punkt. Hintergrund sind zwei Verkäufe der Dornbirner Firmengruppe, die im Bereich Schnellkupplungen und Steckverbindungen tätig ist, in den vergangenen Wochen. Für Henn sind sie Teil einer strategischen Neuausrichtung.
Die zwei Transaktionen
Im August ging das Kunststoff-Konnektoren-Geschäft für Fluidverbindungen an den Weltkonzern TE Connectivity. Wenige Wochen später erfolgte der Verkauf der beiden Werke in Blankenhain, Deutschland, und Taicang, China, an die Münchner Beteiligungsgesellschaft Accursia Capital. Beide Standorte sind Auftragsfertiger für technische Kunststoffspritzgussteile. “Dieser Verkauf war die logische Konsequenz aus dem ersten Verkauf. Denn dadurch haben wir keinen Bedarf mehr für eigene Spritzgusskapazitäten in diesem Umfang”, sagt Ohneberg.

“Wir arbeiten derzeit an der Neuausrichtung der Firmengruppe”, präzisiert der Unternehmer. Vor allem der Automotive-Bereich stehe vor Herausforderungen. Das nun verkaufte Produkt sei zwar sehr gut, doch um im Verdrängungswettbewerb zu bestehen, seien enorme Investitionen notwendig. “Es kostet viel Geld, weltweit zu skalieren und als kleines Unternehmen muss man sich die Frage stellen, ob man das in so einem volatilen Markt tun will.”

Wer ist der bessere Eigentümer?
Deshalb habe man sich gefragt, wer angesichts des Umfelds der bessere Eigentümer für den Geschäftsbereich sei. “Und die Antwort ist TE mit 90.000 Mitarbeitern und 139 Standorten weltweit. Sie können das zur weltweiten Erfolgsmarke machen”, begründet Ohneberg die strategische Entscheidung. “Es ist ein starker, aber zugleich auch richtiger Schritt.”
Von den 110 Henn-Mitarbeitern in Dornbirn wechseln elf nun zu TE Connectivity. Der neue Standort des Konzerns befindet sich wie Henn ebenfalls im Steinebach-Areal, konkret in der Alten Säge gleich nebenan. Mit TE werde man auch in den kommenden Jahren aufgrund der Produktentwicklung eng verbunden bleiben.

Mit dem Verkauf der Werke wechseln weitere 160 Henn-Mitarbeiter in Deutschland und China zu Accursia Capital. Rund 23 Millionen Euro Umsatz gehen damit ebenfalls an den neuen Eigentümer. Damit kommt die Henn-Gruppe künftig auf rund 400 Mitarbeiter und einen Umsatz von 140 Millionen Euro – nach 154 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Am Standort Dornbirn bleiben rund 100 Mitarbeiter bei Henn. “Der Standort bleibt so wichtig wie bisher”, sagt Ohneberg.

Robotik und Rechenzentren
Wie die Neuausrichtung konkret aussehen wird, soll bis Jahresende feststehen. Klar ist bereits, dass Henn verstärkt auch außerhalb der klassischen Automobilindustrie wachsen will. Denn die Technologien und Kompetenzen des Unternehmens könnten auch in anderen Anwendungen zum Einsatz kommen. Als mögliche Geschäftsfelder nennt Ohneberg etwa das Kühlen von Rechenzentren, humanoide Roboter oder die Pharmaindustrie. “Das sind alles Wachstumsindustrien. Wir wollen die Gruppe so ausrichten, dass wir offensiv weiter wachsen können.”
Ansonsten soll es beim aktuellen Status quo bleiben. “Es sind keine Verkäufe geplant und ich bleibe Mehrheitseigentümer”, sagt Ohneberg.