“Die Idee ist richtig, die Umsetzung halbherzig”

Markt / 23.10.2026 • 13:23 Uhr
"Die Idee ist richtig, die Umsetzung halbherzig"
VN/Serra

Drei Fragen zum geplanten Zukunftsdepot der Bundesregierung, beantwortet von Vermögensberater Martin Walser.

Was sind die wichtigsten Eckpunkte des geplanten Zukunftsdepots für Kinder in Österreich?

Der “Herbst der Ergebnisse” der Bundesregierung bringt eine erfreuliche Abkehr von der Kapitalmarktfeindlichkeit vergangener Regierungen. Was bisher bekannt ist (viele Details fehlen): Ab 1. Juli 2027 können Eltern für jedes Kind unter 18 Jahren ein Zukunftsdepot eröffnen und jährlich bis zu 5000 Euro einzahlen. Nur ab 1. Jänner 2027 geborene Kinder erhalten einen Startbonus von 500 Euro. Das Geld gehört von Anfang an dem Kind, ist bis zum 18. Geburtstag gebunden und wird teilweise (!) KESt-frei veranlagt. Vorzeitige Entnahmen sind nur in existenziellen Notlagen mit Gerichtsgenehmigung möglich. Ab dem 18. Geburtstag kann das Kind frei verfügen. Was daraus entstehen kann: Werden ab Geburt 600 Euro im Jahr einbezahlt, sind es mit 18 rund 29.000 Euro. Wer jährlich den Höchstbetrag einzahlt, kommt auf rund 230.000 Euro (Annahme: globaler Aktien-ETF, 9,2 Prozent Rendite pro Jahr nach Produktkosten/KESt).

Was taugt das Zukunftsdepot – und wem nützt es?

Die Idee ist richtig, die Umsetzung halbherzig. Positiv: Neugeborene erhalten einen Startbonus, und der Staat setzt erstmals bewusst auf Aktien statt aufs Sparbuch. Doch schon das Versprechen “steuerfrei” ist eine Mogelpackung – je nach Produkt bleiben nur 40 bis 75 Prozent des Ertrags KESt-frei. Die Steuerlogik begünstigt zudem Aktienrückkäufe gegenüber Dividenden und damit vor allem US-Titel, und der Bundesschatz passt nicht zu einem Anlagehorizont von 18 Jahren. Dazu kommt die starre Bindung: Weil bis zum 18. Geburtstag keine Teilentnahmen möglich sind, werden Familien mit geringem Vermögen vorsichtig einzahlen. Für Notlagen ist ein Verfahren vor dem Pflegschaftsgericht vorgesehen, bei Hunderttausenden Depots ein bürokratisches Desaster. Einfacher wäre eine Teilentnahme etwa nach längerer Arbeitslosigkeit, gemeldet von der Sozialversicherung. Bleibt die Frage, wem das Depot nützt: Der Höchstbetrag von 5000 Euro pro Kind und Jahr, 417 Euro (zusätzlich) im Monat, liegt für die meisten Haushalte völlig außer Reichweite. Den größten Steuervorteil erhalten damit die Kinder vermögender Eltern.

Ist das Zukunftsdepot für Eltern die beste Wahl?

Vier Gründe, warum das Zukunftsdepot für Eltern nicht automatisch die erste Wahl ist: 1. Das Geld gehört dem Kind, nicht den Eltern. Ab dem 18. Geburtstag verfügt das Kind frei darüber, ob für Studium, Auto oder Weltreise. Wer die Kontrolle behalten will, fährt mit einer Anlage im eigenen Namen besser. 2. Der Steuervorteil endet mit 18. Es gibt bestehende Produktlösungen, bei denen die Erträge auch nach dem 18. Geburtstag steuerfrei bleiben und die Eltern den Zeitpunkt der Übergabe selbst bestimmen. Bei langem Anlagehorizont und niedrigen Kosten sind sie dem Zukunftsdepot klar überlegen. 3. Die Pflichtberatung hat ihren Preis. Banken, die das Depot kostenlos anbieten müssen, holen sich ihre Erträge legitimerweise anderswo. Die Pflichtberatung kann leicht zu teuren hauseigenen Fonds führen. 4. Für ältere Kinder lohnt es sich kaum. Wer für einen Zwölfjährigen 50 Euro im Monat einzahlt, spart bis zum 18. Geburtstag nur rund 300 Euro KESt, ein überschaubarer Vorteil. Fazit: Für Kinder ab Jahrgang 2027 das Depot jedenfalls eröffnen, um den Startbonus breit gestreut zu veranlagen. Größere Beträge nur einzahlen, wenn sie bis zum 18. Geburtstag sicher entbehrlich sind, und je nach Zeithorizont gezielt andere steuerbegünstigte Lösungen prüfen.