Vorarlbergs Industrie leidet: „Aufwärtstrend ist nicht in Sicht“

84 Prozent der Industriebetriebe bezeichnen Geschäftslage als schlecht oder durchschnittlich. Kein Unternehmen will mehr Mitarbeiter einstellen.
Bregenz Die gedrückte Stimmung in den Chefetagen der Vorarlberger Industriebetriebe hat sich auch im dritten Quartal des Jahres nicht aufgelöst. Denn auch diesmal zeigt die Erhebung, an der sich 28 Unternehmen mit zusammen 21.000 Beschäftigen, beteiligt haben, beim Geschäftsklima-Index mit einem Minus von 0,1 Punkten und bleibt damit nur hauchdünn im Plus. „Ein Aufwärtstrend ist nicht in Sicht“, kommentiert das Simon Kampl, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Vorarlberg (IV).

Die Gründe für die gedrückte Stimmung sind bekannt: Eine anhaltende Krise ohne Perspektive auf einen Aufschwung, ein immer teurerer Standort und weiterhin viel zu viel Bürokratie, nennen die Unternehmen als Hauptgründe für die nun schon Jahre anhaltende Geschäftslage. Das bringe immer mehr Unternehmen dazu, außerhalb Vorarlbergs zu investieren.
Nur jeder sechste Betrieb beurteilt seine derzeitige Geschäftslage als gut, mehr als acht von zehn (84 Prozent) bezeichnen sie als schlecht oder maximal durchschnittlich. Bei den Auslandsaufträgen sind es 85 Prozent. Das wirkt sich auch auf die Ertragslage aus: 91 Prozent der Unternehmen bezeichnen sie als schlecht oder maximal durchschnittlich, nur neun Prozent als gut.

Wenigstens die Erwartungen sind etwas heller, wenn auch nicht strahlend. Bei Produktionstätigkeit und Auslastung der Kapazitäten in drei Monaten hat sich der Saldo von −30 bzw. −33 auf jeweils +10 Punkte verbessert. Allerdings rechnen nur 18 Prozent mit einem Plus, fast drei Viertel mit einem gleichbleibenden Niveau. Für das kommende halbe Jahr erwarten 91 Prozent der Unternehmen keine Verbesserung der Geschäftslage, bei der Ertragssituation sind es 89 Prozent. Das wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus. – kein einziges Unternehmen rechnet mit mehr Beschäftigten, aber immerhin 85 Prozent der Unternehmen wollen die Zahl ihrer Beschäftigten halten.
Der Saldo der aktuellen Geschäftslage in der Maschinen- und Metallindustrie hat sich um vier Punkte auf +23 verbessert. Es hapert aber bei den Auslandsaufträgen der exportorientierten Branchen: 59 Prozent bezeichnen sie als schlecht. Beim Beschäftigtenstand in drei Monaten rechnet niemand mit einem Plus, 14 Prozent mit einem Minus.
In der Nahrungs- und Genussmittelindustrie bezeichnen 53 Prozent ihre derzeitige Geschäftslage und ihren Auftragsbestand als durchschnittlich. Beim Beschäftigtenstand in drei Monaten erwarten 53 Prozent keine Veränderung. In der Textilindustrie hat sich der Saldo der aktuellen Geschäftslage um -40 Punkte verschlechtert, jener der Geschäftslage in sechs Monaten sogar um -59 Punkte. Herausfordern bleibe auch die Lage in der Elektro- und Elektronikindustrie: 97 Prozent bezeichnen ihre derzeitige Geschäftslage als schlecht, doch 91 Prozent sehen Licht am Horizont: sie erwarten steigende Verkaufspreise und eine bessere Geschäfts- und Ertragslage im nächsten Jahr.
Ein klassischer Frühindikator für die Wirtschaft ist die Verpackungsindustrie. Alle Befragten bezeichnen ihre derzeitige Geschäftslage als durchschnittlich und erwarten einen unveränderten Beschäftigtenstand.
Die ohnehin schwierige Situation verschärfe sich durch die hohen Energiepreise: Der europäische Gaspreis (TTF) ist Ende Oktober auf über 100 Euro je Megawattstunde gestiegen. Beim Strom liegt der Österreichische Strompreisindex für Lieferungen im November um 91 Prozent über dem Vorjahr. IV-Geschäftsführer Kampl fordert deshalb namens seiner Mitgliedsbetriebe „endlich eine Standortpolitik mit Mut zu Reformen statt Stillstand.