“Die Inflation kann nicht der Maßstab sein”

Wirtschaftskammer-Österreich-Präsidentin Martha Schultz verlangt maßvolle KV-Abschlüsse und verspricht eine schlagkräftige wie effiziente Serviceorganisation und Interessenvertretung.
Schwarzach Die Tiroler Unternehmerin Martha Schultz hat am 15. November 2025 zuerst interimistisch und am 14. Jänner 2026 offiziell das Amt der österreichischen Wirtschaftskammer-Präsidentin übernommen. Die erste Frau an der Spitze der WKO hat die Führung in einer schwierigen Situation übernommen. Die Wirtschaftskrise hat den Standort Österreich besonders hart getroffen – die Wettbewerbsfähigkeit leidet. Eine starke Interessenvertretung sei wichtig, um den Standort wieder in die Spur zu bekommen.
Reform nach Skandalen
Als wäre das nicht schon genug, muss sie die Wirtschaftskammer Österreich reformieren. Nach den Skandalen und Rücktritten ihres Vorgängers Harald Mahrer und des Wiener Kammerpräsidenten Walter Ruck ist die Glaubwürdigkeit der WKO laut einer OGM-Umfrage im Auftrag des “Kuriers” nachhaltig beschädigt. Nur noch 28 Prozent der Bevölkerung vertrauen der Unternehmervertretung. Was auch den Ruf nach einem Ende der Pflichtmitgliedschaft wieder verstärkt hat.
Maßvolle KV-Abschlüsse
Der “Vorarlberg Tag” der Präsidentin, im Hauptberuf Tourismusunternehmerin, war denn auch gespickt mit Terminen: Sie besuchte Industriefirmen, sprach mit Mitgliedern verschiedener Branchen und nahm als Wirtschaftsbund-Österreich-Obfrau an der Landesgruppen-Hauptversammlung teil. Im Gespräch mit den VN sagt sie, sie hoffe heuer auf maßvolle Kollektivvertrags-Abschlüsse, die hohen Abschlüsse der letzten Jahre machen den Unternehmen zu schaffen, zumal auch Energie teuer und Vorschriften überbordend seien. “Die Inflationsrate kann nicht der Maßstab sein”, kommentiert sie die heurigen KV-Verhandlungen. Sie appelliert an die Sozialpartner: Man müsse gemeinsam dafür sorgen, dass Österreich wieder wettbewerbsfähig werde. Wenn nicht, dann koste das Arbeitsplätze.
Konkrete Forderungen hat sie an die Bundesregierung: “Österreich braucht ein Konjunkturpaket, das Investitionen in Gang bringt und Wachstum schafft.” Die Wirtschaft erholt sich langsam, aber ein kräftiger Aufschwung entstehe nicht von selbst. Die Sanierungsoffensive der Regierung sei ein wichtiger erster Schritt: Der erhöhte Investitionsfreibetrag müsse über 2026 hinaus dauerhaft bleiben. Und: Schnellere steuerliche Abschreibungen müssen Investitionen erleichtern. “Unsere Betriebe wollen investieren – die Politik muss ihnen dafür den nötigen Spielraum geben.”
Mitarbeiterabbau bei WKO
Der WKO habe man im ersten Jahr ihrer Präsidentschaft ein 100-Millionen-Euro-Sparprogramm verordnet, die Bundeskammer hat sich von 200 Mitarbeitern getrennt, an der Effizienz der über 1200 Serviceangebote arbeite man. Sicher ist: “Die Außenwirtschaft wird verstärkt, damit können wir die Exporte forcieren”, die Compliance-Regeln werden deutlich schärfer – “da haben wir schon einiges durchgeführt”, und die Interessenpolitik soll auf neue Füße gestellt werden. “Da müssen wir kantig sein”, das sei “ein tägliches Bohren dicker Bretter”. Und natürlich ist das nicht nur in der Bundeswirtschaftskammer wichtig, auch in den Ländern müsse das Reformprogramm umgesetzt werden. WKV-Präsident Karlheinz Kopf will die Maßnahmen in Vorarlberg beim Wirtschaftsparlament vorstellen.