Gloria Mang: “Ein bekannter Name bringt manchmal auch Vorurteile”

Mensch_N / 21.05.2026 • 12:51 Uhr
Gloria Mang: "Ein bekannter Name bringt manchmal auch Vorurteile"
Gloria Mang, Tochter von Werner Mang, spricht darüber, wie sie sich weiterentwickelt hat. Bodenseeklinik

Im VN-Beautygeflüster spricht Gloria Mang über ihre Kindheit in der Bodenseeklinik, Vorurteile rund um den bekannten Namen und warum Nachfolge für sie mehr bedeutet als Tradition.

Schwarzach Ich habe nie darüber nachgedacht, ob ich das Erbe übernehme. Es war keine bewusste Entscheidung. Es war eine Selbstverständlichkeit. Ich bin mit der Bodenseeklinik aufgewachsen. Für mich war sie nie nur ein Arbeitsplatz – sie war einfach Teil meines Lebens.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als Kind manchmal mit meinem Vater kleine Aufgaben übernehmen durfte: Nasengipse wechseln, Pflaster zuschneiden, Material anreichen. Ich war jedes Mal ein bisschen stolz, wenn ich helfen durfte.

Damals fühlte es sich an wie ein kleines Familybusiness. Heute ist daraus ein großes Familienunternehmen geworden. Und trotzdem war dieses Aufwachsen nicht immer leicht. Denn ein bekannter Name bringt nicht nur Möglichkeiten mit sich – sondern auch Erwartungen und manchmal auch Vorurteile.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Ich erinnere mich gut an Situationen in der Schule. An Kommentare, die weniger mir galten als dem Bild, das andere von außen zeichneten – oft geprägt von Annahmen, die mit der Realität wenig zu tun hatten. Damals habe ich das natürlich persönlich genommen.

Heute sehe ich das anders. Ich weiß, dass solche Aussagen oft mehr über die Perspektive anderer aussagen als über die eigene Realität, dass Menschen sich schnell ein Bild machen – ohne die Hintergründe zu kennen. Aber dieser Umgang damit musste wachsen. Und vielleicht war genau das ein wichtiger Teil meines Weges: zu lernen, mich davon nicht definieren zu lassen.

Denn irgendwann kommt der Moment, in dem man sich fragt: Wer bin ich eigentlich unabhängig davon? Die Tochter eines bekannten Namens – oder jemand mit einer eigenen Haltung? Ich glaube, genau da beginnt echte Verantwortung. Denn ein Erbe zu übernehmen bedeutet nicht, alles so zu lassen, wie es war. Es bedeutet, zu verstehen, was den Kern ausmacht,
und dann den Mut zu haben, eine eigene Handschrift darauf zu setzen.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Die Klinik ist heute nicht mehr dieselbe wie vor zehn Jahren. Sie hat sich weiterentwickelt – fachlich, strukturell, aber auch in der Art, wie wir mit Menschen kommunizieren. Neue Verfahren sind hinzugekommen, Abläufe haben sich verändert, Perspektiven sind gewachsen. Und auch ich bin mit dieser Aufgabe gewachsen.

Für mich war immer klar: Ein Name allein reicht nicht. Man kann ein Erbe nicht einfach verwalten. Man muss es weiterdenken.

Ein Teil dieser Weiterentwicklung war für mich auch, meine eigene Idee von Hautpflege umzusetzen. Der Gedanke dahinter ist sehr klar: Man sollte der Haut nur das geben, was sie wirklich braucht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Vielleicht ist das auch ein Prinzip, das sich auf viele Bereiche übertragen lässt – nicht nur auf Beauty. Es geht nicht darum, immer mehr zu tun, immer mehr zu verändern oder immer mehr zu wollen, sondern darum, den Kern zu verstehen – und darauf aufzubauen. Für mich ist genau das der Unterschied zwischen Nachfolge und Führung.

Ein Erbe zu übernehmen bedeutet nicht, stehen zu bleiben. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – und den Mut zu haben, Dinge weiterzuentwickeln.

Dr. Gloria Mang ist Leiterin der Bodenseeklinik in Lindau und Gründerin der Kosmetiklinie ALL YOU NEED Cosmetic, +49/170/981 4444; https://www.instagram.com/dr.gloriamang/