„Neun Jahre Tatort, das war wirklich genug“

Andrea Sawatzki über die Schauspielerei und ihren Erfolg als Autorin.
Pressbaum. (VN-lh) Die Familienkomödie „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“ war in den Kinos ein Überraschungserfolg. In Deutschland verzeichnete sie über eine Million Besucher, in Österreich 146.000. Da konnte eine Fortsetzung nicht ausbleiben. Gedreht wird „Hilfe, ich hab meine
Eltern geschrumpft“ jetzt zum Teil auch in Österreich. Mit den Jugendlichen aus Film eins, außerdem mit
den Steirern Johannes Zeiler und Michael Ostrowski so-
wie mit der vielbeschäftigten und vielseitigen Andrea Sawatzki.
Frau Sawatzki, fest steht: Sie werden in dieser Geschichte nicht geschrumpft?
Sawatzki: Nein, denn ich bin ein Geist. Der Geist einer vor langer Zeit verstorbenen Schuldirektorin. Die ist seit über hundert Jahren tot und hat nun große Probleme mit der Koordination der Bewegungsabläufe. Ihr Körper ist völlig überfordert, sie hat Gesicht und Zunge nicht unter Kontrolle. So was zu spielen, ist für eine Schauspielerin ein Fest.
Die Liste Ihrer Filme ist unendlich lang. Im Frankfurter „Tatort“ etwa haben Sie als Hauptkommissarin Charlotte Sänger insgesamt 18 Fälle gelöst, zwischen 1995 und 2004 waren Sie als Gabi Bauer vom Morddezernat in den WDR-Folgen von „Polizeiruf 110“ auf Verbrecherjagd. Warum hört man mit so was überhaupt auf?
Sawatzki: Wenn man spürt, dass es in diesem Format nichts Neues mehr gibt, wenn die Geschichten auserzählt sind, wenn man Lust auf Neues – etwa Komödien – hat. Neun Jahre „Tatort“, das war wirklich genug.
Vor der Kamera zu stehen, hat Ihnen jedoch nicht genügt. Sie sind mittlerweile auch erfolgreiche Autorin und haben mengenweise Hörbücher gelesen?
Sawatzki: Das mit den Hörbüchern geht ja ganz schnell. Es dauert jeweils nur drei Tage. Das Spielen hat noch immer Vorrang.
Im März 2013 erschien Ihr erstes Buch, „Ein allzu braves Mädchen“. Wann ist die Lust zum Schreiben erwacht?
Sawatzki: Sie war schon immer da. Ich wollte mit einem Kinder- und Jugend-Buch beginnen. Leider ist mir lange nichts eingefallen. Das kam erst, nachdem ich vor zehn Jahren die Schirmherrschaft von „Ein Platz für Kinder“ übernommen habe. Im Rahmen dieser Tätigkeit erwachte in mir der Wunsch, ein Buch über ein solches Kind zu schreiben, ein Kind, das mit seinen Traumata zurecht kommen muss. So entstand „Ein allzu braves Mädchen“. Die Wurzeln zum Schreiben lagen wohl schon in meiner Familie. Mein Vater war Journalist und Dramaturg. Wir hatten wahnsinnig viele Bücher zu Hause.
Sie haben mittlerweile die Familie Bundschuh erfunden. Bücher, die verfilmt werden, und in denen Sie auch mitspielen?
Sawatzki: Ja, im September beginnen wir in Berlin schon mit Bundschuh Nummer drei.
Ihre zweite Buch-Ebene sind Krimis. Wurden Sie dabei auch von den zahlreichen Film- und TV-Krimis beeinflusst, in denen Sie mitgewirkt haben?
Sawatzki: Nein. Meine sind eher Psycho-Krimis, in denen es weniger um die Fälle, als um das Ausleuchten und Kennenlernen der Figuren geht. Und in meinem allerneuesten Krimi gehe ich auf die Mystery-Ebene.