Umfragenplattform: Vorarlberger Cornelius Hirsch feiert mit „Poll of Polls“ Erfolge

Menschen / 28.03.2019 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Hirsch blickt der EU-Wahl mit Spannung entgegen. eric krügl

Der Wolfurter hat das Projekt, das vor Kurzem von „Politico Europe“ übernommen wurde, mitbegründet.

wolfurt „Ich war schon immer an Politik interessiert“, sagt Cornelius Hirsch. Insbesondere Wahlen faszinieren den Wolfurter seit jeher. Kein Wunder, dass er auch im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 ordentlich mitfieberte und beinahe täglich Umfragen studierte. Insbesondere die US-Nachrichtenwebsite „FiveThirtyEight“ des bekannten Statistikers Nate Silver hatte es Hirsch angetan. „Dabei habe ich mich immer gefragt: Warum gibt es eigentlich in Europa nicht die Möglichkeit, bei jeder Partei zu jeder Wahl nachzuschauen, wie groß die Unterstützung gerade ist?“ Als die französische Präsidentschaftswahl vor der Tür stand, dachte der Wahl-Wiener kurzerhand: „Wenn es das nicht gibt, dann mache ich es eben selbst.“ Gesagt, getan. Gemeinsam mit seinem Studienkollegen Peter Reschenhofer entwickelte der Wolfurter eine neue europaweite Umfrageplattform. „Poll of Polls“ war geboren.

Für das Projekt werden möglichst viele Umfragen gesammelt. Durch die aggregierten Ergebnisse soll ein umfassenderes Bild geboten werden, als es mit nur einzelnen Ergebnissen möglich wäre. Reschenhofer sei das Genie hinter den Codes und Scripts der Website, schildert Hirsch. „Die Datenarbeit war wiederum mein Job. Ich habe eine Zeit lang fast täglich, meistens neben dem Frühstückskaffee, Umfragedaten eingetippt.“ Zunächst standen verschiedene nationale Urnengänge im Vordergrund. Aktuell gibt es auch eine tägliche Prognose zu der im Mai anstehenden Wahl des Europäischen Parlaments.

Anruf vom „New Yorker“

Nach dem Start von „Poll of Polls“ stellte sich der Erfolg bald ein. Immer mehr Wähler, aber auch Politikwissenschaftler und Journalisten wurden auf das Projekt aufmerksam. Vor spannenden Wahlen konnte es schon einmal sein, dass Redakteure von renommierten Magazinen wie dem „New Yorker“ oder „The Atlantic“ anriefen und um eine Einschätzung baten. „Aber auch Menschen aus ganz Europa schreiben uns“, erzählt der 28-Jährige, der gerade an seiner Doktorarbeit im Bereich internationaler Handel schreibt. „Sie schätzen es besonders, dass sie sich über Parteien und Trends in anderen europäischen Ländern informieren können. ‚Poll of Polls‘ dient ihnen als Anlaufstelle.“ Erst vor Kurzem folgte die nächste wichtige Etappe: Das englischsprachige EU-Magazin „Politico Europe“ war vom Erfolgsrezept von „Poll of Polls“ überzeugt und übernahm das österreichische Start-up kurzerhand. „Grundsätzlich werden aber alle Inhalte, die es bei uns gibt, in Zukunft auch auf der neuen Plattform zu sehen sein“, betont Hirsch.

„Europäischste EU-Wahl“

Eine Podiumsdiskussion zur EU-Wahl bietet dem 28-jährigen Wahlwiener einen guten Anlass, um wieder einmal nach Vorarlberg zu kommen. Die Debatte im Vorarlberg Museum, an der auch Neos-Spitzenkandidatin Claudia Gamon teilnimmt, wird vom Club Alpbach Vorarlberg organisiert. Dem Urnengang blickt Hirsch – wie könnte es anders sein – mit großer Spannung entgegen. „Dank Politikern wie dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron einerseits, aber auch dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban auf der anderen Seite führen wir europaweite Diskussionen.“ Dazu kommt der Brexit, der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, der die EU wohl noch länger in Atem hält. „Das wird die europäischste Europawahl aller Zeiten“, ist sich Hirsch sicher. Selbst in die Politik gehen will der Vorarlberger übrigens nicht. Die Beobachterrolle gefällt ihm besser. „Ich finde es weitaus spannender, über Politik zu diskutieren, als das selbst zu machen“, bekräftigt der 28-Jährige.

Cornelius hirsch

schuf mit einem Kollegen das Start-up „Poll of Polls“, das kürzlich von „Politico Europe“ übernommen wurde.

Geboren 12. November 1990

Ausbildung 2009 Matura in Bregenz, 2013 Bachelor-Abschluss in VWL an der FU Berlin, 2016 Master-Abschluss in Agrarkökonomik an der HU Berlin, seit 2016 PHD-Studium in Wirtschaftswissenschaften an der WU Wien