Rettungsanker “Grüne Grenze” für international Verliebte

Menschen / 04.04.2020 • 17:15 Uhr
Die grüne Grenze in Lustenau eignet sich hervorragend für international getrennte Liebespaare. Der Abstand wird aber vorbildhaft eingehalten.<span class="copyright">privat</span><span class="copyright"></span>
Die grüne Grenze in Lustenau eignet sich hervorragend für international getrennte Liebespaare. Der Abstand wird aber vorbildhaft eingehalten.privat

Was Liebe verbindet, darf das Coronavirus nicht trennen: Verliebte Paare aus Österreich und Schweiz nutzen die grüne Grenze als Ort des Wiedersehens.

Lustenau Vor dem Coronavirus ist niemand sicher. COVID-19 macht weder vor verschiedenen Hautfarben, arm oder reich, groß oder klein, Frau oder Mann und auch nicht vor verschiedenen Nationalitäten Halt. Es betrifft alle und jeden. Und trennt, im Fall von Engin Bagci, auch Liebende. Denn die Freundin des 31-jährigen Hohenemsers ist Schweizerin. An sich keine große Sache in Vorarlberg, doch in Zeiten der Pandemie und der strikten Ein -und Ausreisebestimmungen hat es für Engin und Fabienne große Auswirkungen. Die Zwei dürfen sich nicht mehr treffen, zumindest nicht so, wie Verliebte es normal tun. Gegenseitige Besuche gehen einfach nicht mehr.

“Ich denke hier hat es alles für ein schönes Wiedersehen. Es ist ein ruhiger und sogar idyllischer Platz am alten Rhein. Das sollte Fabienne auch gefallen”.

Engin Bagci, Liebender

Beweisfotos in die Schweiz

Daher hat sich Engin auf sein Fahrrad geschwungen und ist von Hohenems aus die grüne Grenze den alten Rhein entlanggefahren, um ein geeignetes Plätzchen für ein Liebes-Comeback zu finden. “Wir haben uns zuletzt am 17. März gesehen, danach hat man den Riegel vorgeschoben. Jetzt habe ich eben versucht, einen passenden Ort zu finden, damit sich eine Anreise von Fabienne auch auszahlt und wir uns wieder mal live gegenüberstehen können. Zumindest sehen – berühren ist ja nicht drinnen,” erzählt Engin, der an der grünen Grenze beim Wiesenrain in Lustenau den wohl richtigen Platz gefunden hat. “Ich denke hier hat es alles für ein schönes Wiedersehen. Es ist ein ruhiger und sogar idyllischer Platz am alten Rhein. Das sollte Fabienne auch gefallen,” so Engin und schickt die Beweisfotos in die Schweiz.

Am Montag sehe sich die Schweizerin Fabienne und der Hohenemser Engin erstmals seit drei Wochen wieder  an der grünen Grenze in Lustenau.<span class="copyright">priva</span><span class="copyright">t</span>
Am Montag sehe sich die Schweizerin Fabienne und der Hohenemser Engin erstmals seit drei Wochen wieder an der grünen Grenze in Lustenau.privat

Dass Absperrbänder gespannt sind, macht dem Emser nichts aus. “Das passt schon. Wir halten uns auf jeden Fall an die Maßnahmen. Und das ist allemal besser als immer nur per Video zu telefonieren,” beschreibt Engin die aktuelle schwere Phase, die er und Fabienne durchmachen. “Wir sind ja erst seit einem Jahr zusammen. Das ist fast wie ein Härtetest für unsere Beziehung. Auf der einen Seite ist es ein Segen, dass es uns die Technik erlaubt, auch per Video zu kommunizieren. Andererseits habe ich mir schon gedacht, dass Fabienne eigentlich aktuell nur eine ‘digitale Partnerin’ ist. Und der Gedanke ist schon sehr komisch.”

Erstes Treffen am Montag

Daher eben auch die Erkundungsfahrt den alten Rhein entlang. “Wenn auch ich in Kurzarbeit wechseln muss, werde ich noch viel mehr Zeit haben. Deswegen war ich schon dahinter, so schnell als möglich einen Treffpunkt für uns zwei zu finden,” so Engin. Der Platz in Lustenau ist zudem auch legal, auf Anfrage an zwei patrouillierende Polizisten wurde dem 31-Jährigen “Romeo” mitgeteilt, “solange man keine Grenze überschreitet, ist alles ok” – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Für Engin jedenfalls ein weiterer Beweis, den perfekten Platz gefunden zu haben. Am Montag kommt es zum ersten Treffen an der grünen Grenze mit seiner “Julia”. “Das Wetter soll passen und unter der Woche werden wohl noch weniger Liebespaare anzutreffen sein,” hofft Engin und setzt sich mit einem zufriedenen Lächeln wieder aufs Rad Richtung Hohenems.

Wie es anderen durch die Grenze getrennten Paaren geht, lesen Sie in “Wie Grenzzäune in diesen Tagen Liebende trennen” von Redakteurin Martina Kuster.