Die Gastgeberin

Menschen / 11.11.2020 • 07:00 Uhr
Die Gastgeberin
Irma Renner im Adler in Großdorf. JENS ELLENSOHN

Die Großdorferin Irma Renner über ihr kreatives Konzept, um auch in Coronazeiten Gastgeberin zu sein zu können.

gRoßdorf Die leidenschaftliche Gastgeberin Irma Renner (54) begrüßt normalerweise im Adler in Egg-Großdorf jeden Sonntag ihre Gästeschar, die aus dem ganzen Land für die kulinarischen Highlights aus der Küche von Haubenkoch Jodok Dietrich in den schönen Bregenzerwald pilgert. In der Coronakrise war nun kreatives Umdenken gefragt. Die VN fragten bei der sympathischen Großdorferin nach, wie sie sich kreativ neu ausrichtet und was die Krise mit ihr gemacht hat.

Wie entstand Ihre Idee zum Sonntagsgasthaus? War das spontan oder geplant?

Renner Das war spontan. Bekannte von mir haben den Adler, der über längere Zeit leer stand, gekauft und wollten ihn als Wirtshaus erhalten. Allerdings haben sie nicht den passenden Pächter gefunden und daraufhin bei mir nachgefragt. “Du kennst doch viele Leute, vielleicht hast du eine Idee?” Ich habe mir das Gasthaus angeschaut und mich sofort in die schönen Stuben verliebt, obwohl das ganze Inventar – sprich Stühle und Tische – und die „Seele“ fehlten. Aber allein das wunderschöne alte Täfer und der Parkettboden sprachen für sich.

Wie entstand Ihr Konzept für den Adler?

Renner Hier war sicherlich meine Zeit im Piemont prägend. Da ist es ganz selbstverständlich, dass ein Restaurant nur ein Menü anbietet und alle Gäste das gleiche essen, eben das, was der Koch am besten kann. Zudem konnte ich mir nicht vorstellen, jeden Tag im Wirtshaus zu stehen, da meine Töchter damals auch noch recht klein waren. Und so war es dann ganz naheliegend, nur am Sonntag mit einem Menü aufzusperren.

Was haben Sie gelernt, aus welcher Branche kommen Sie?

Renner Ich bin ein absoluter Quereinsteiger in der Gastronomie. Ich habe zwar bereits früher in der Tourismusbranche gearbeitet, meine ersten Jobs waren im Hotel Post in Bezau und in der Post in Lech, jeweils an der Rezeption. Es folgten daraufhin einige Auslandsaufenthalte, um meine Sprachkenntnisse in Englisch, Französisch und Italienisch zu vertiefen. Und dann war ich zehn Jahre lang bei Wolford im Product Management und Marketing tätig.

Haben Sie durch den ersten Lockdown Ihr Konzept angepasst?

Renner Ja sofort. Mein Konzept kommt mir da natürlich sehr entgegen. Jede Woche kontaktiere ich meine Gäste via Newsletter und bin somit sehr flexibel. Dadurch habe ich keinen Sonntag verloren. Wir haben von Anfang an ausgeliefert. Das war natürlich nur möglich mit einem tollen Team, allen voran Jodok Dietrich in der Küche, der mit dieser Situation sehr souverän umgegangen ist und quasi Samstagnächte im Gasthaus Adler verbracht hat, damit wir frisches hausgemachtes Brot für die kulinarischen Schachteln backen konnten. Auch Birgit Meusburger, meine Service-Mitarbeiterin, war sofort dabei beim Ausliefern, Stempeln der Schachteln und zu helfen.

Welche Erfahrunge haben Sie durch den ersten Lockdown gemcht?

Renner Als Gastgeberin habe ich trotz der widrigen Situation sehr schöne Erfahrungen gemacht. Es war unglaublich, wie viele positive Feedbacks ich auf unsere Initiative erhalten habe. Zum Beispiel erreichten uns sehr dankbare Zeilen, viele Fotos vom gedeckten Tisch, von unseren Speisen auf dem feinsten Familienporzellan! Somit hat das Liefern den Kontakt zu meinen Gästen eigentlich noch verstärkt, das war wirklich sehr positiv! Ich habe es natürlich auch genossen, meine beiden Töchter auch tagsüber zuhause zu haben, so dass viele gemeinsame Essen möglich waren, aber es war auch intensiv, samt Hund und Homeschooling und Job und auch anstrengend, auch für meine Töchter (lacht).

Sind Sie auf den zweiten Lockdown light nun gut vorbereitet gewesen?

Renner Ja, die Erfahrung vom ersten Lockdown hilft sehr. Ich weiß nun genau, welches Verpackungsmaterial Sinn macht und auch organisatorisch habe ich einiges dazugelernt. Mit Google Maps kenne ich mich nun auch besser aus.

Wie hat sich ihr privates Leben durch die letzten Monate verändert?

Renner Um ehrlich zu ein, nicht sehr! Mein soziales Leben spielt sich derzeit viel im Bregenzerwald ab, da ich unter der Woche durch meine Töchter und unseren Hund ans Haus gebunden bin und am Wochenende an den Adler. Was ich aber schon sehr vermisse, ist die Unbeschwertheit, beziehungsweise die Möglichkeit, sich einfach ins Auto zu setzen und mal für einen Tag nach Mailand zu fahren.

Haben Sie neue Seiten an sich kennengelernt?

Renner Nein, ich bin eigentlich mehr im Büro und mehr in der Adlerküche. Die Organisation und das Verpacken der Sonntagsmenüs ist recht zeitaufwendig. Im Prinzip ist der Aufwand größer, als die Gäste im Adler zu empfangen.

Wer gibt Ihnen Kraft und Halt?

Renner In erster Linie meine Töchter Lena und Emilie! Cora, unsere Labradorhündin, kostet zwar viel Zeit und oft auch Nerven, aber sie ist natürlich auch eine Bereicherung. Durch sie bin ich sehr viel an der frischen Luft, bei jedem Wetter. Und nicht zuletzt der Erfolg des Adler-Konzeptes gibt mir Bestätigung, hier ein großer Dank an meine treuen Gäste.