Edith und Anna Klinger im Interview: “Ufgio tuat ma an Brieof!”

Menschen / 30.11.2020 • 09:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Edith und Anna Klinger im Interview: "Ufgio tuat ma an Brieof!"

VN-Interview. Edith Klinger (44), Unternehmerin und Gründerin von edith’s, und Tochter Anna (18) in der AKS Vorarlberg aktiv.

Bizau Die Bizauer Unternehmehrin Edith Klinger (edith’s) ist berufsbedingt viel gereist, hat Freunde auf der ganzen Welt. Ihre Tochter Anna steht kurz vor der Matura, ist in der Aktion Kritische Schüler Vorarlberg aktiv. Wie die derzeitige Situation das Leben und die Arbeit der Bregenzerwälder Familie verändert hat und was sie Positives daraus mitnehmen.

Edith, wie arbeitet ihr derzeit? Werden jetzt zum Lockdown hinter den Kulissen die letzten Vorbereitungen für den Advents- und Weihnachtsverkauf getroffen?

Edith Klinger In den letzten beiden Wochen haben wir wieder, wie beim ersten Lockdown, Video-Whatsapp-Anrufe mit unseren Kundinnen gemacht und ihnen dann die Bestellungen zugeschickt. Jetzt werden wir unser Geschäft in Dornbirn noch einmal ordentlich umgestalten und hoffen sehr, dass wir am 7. 12. aufsperren dürfen.

Anna, du bist in der Maturaklasse und in der AKS Vorarlberg aktiv. Das Abschlussjahr hast du dir und viele weitere sicherlich anders vorgestellt. Was kannst du trotzdem Positives aus der Zeit mitnehmen?

Anna Klinger Ich habe ein wenig mehr gelernt, mich selbst zu organisieren. In der AKS Vorarlberg haben wir einen guten Zusammenhalt und haben gelernt, wie man auch online aktiv sein und somit viel bewirken kann.

Hast du als Schülervertreterin in der Coronazeit mehr Anfragen erhalten? Gibt es viele Unklarheiten?

Anna Klinger Wir haben eine Umfrage zum Thema Corona gemacht, durch die wir als Stimmungsbild ermittelt haben, dass Schülerinnen vor allem Maturantinnen verunsicherter und gestresster sind als sonst. Das finde ich schade und mir geht es ähnlich.

Ist euer Leben digitaler geworden, um zu arbeiten, Freunde oder andere Familienmitglieder zu treffen, oder war es das davor bereits?

Edith Klinger Ich bin in unserem Unternehmen für den Einkauf zuständig und bin normalerweise auf vielen Messen unterwegs. Im Moment ist einkaufen nur digital möglich, da fast alle Messen abgesagt wurden. Unser Freundeskreis ist über die ganze Welt verstreut. Wir haben schon vor Corona über Video-Whatsapp mit unseren Freunden kommuniziert. Der Kontakt zu einigen Leuten hat sich positiv vertieft.
Anna Klinger Mein Leben ist um einiges digitaler geworden. Neben dem Online-Unterricht habe ich viele Sitzungen und besuche digitale Veranstaltungen. Sogar Partys und Spieleabende haben meine Freundinnen und ich gemeinsam gefeiert.

Wie geht es euch als Familie? Habt ihr jetzt beim zweiten Lockdown eine gewisse Routine, wenn alle daheim sind? Wird viel gemeinsam gekocht oder lasst ihr auch mal den Lieferservice kommen?

Edith Klinger Es war schon eine Umstellung, da wir jetzt alle auf einem „Haufen“ hocken. Der Familie hat es jedoch gutgetan, wir haben gelernt, über unsere Probleme zu reden und Konflikte fair zu lösen, ohne davor wegzulaufen. Bei uns wird so viel wie möglich gemeinsam gegessen. Beim Kochen wechseln wir uns alle ab, es kocht der-/diejenige, der/die am besten Zeit hat. Komischerweise kochen Anna und Remo lieber öfter selbst, als dass sie mich an den Herd lassen … woran das wohl liegt (lacht).
Anna Klinger Ich habe gelernt, dass es wichtig für mich ist, täglich zur selben Zeit aufzustehen und somit einen strukturierten Tagesablauf zu haben, um motiviert zu bleiben.

Ihr seid Mutter und Tochter und erfolgreich im Beruf und in der Schule: Wie organisiert ihr die Herausforderung, Arbeit, Homeschooling und Familienleben unter einen Hut zu bringen?

Edith Klinger Na ja, wir kennen unser Leben gar nicht anders. Ich habe immer schon gearbeitet und Anna wurde vielleicht auch dadurch sehr früh selbstständig. Wenn sie Unterstützung von mir oder meinem Mann braucht, dann fragt sie danach und bekommt natürlich die Hilfe, die sie braucht. Die Hausarbeit teilen wir uns alle auf, jeder hat seine „Jöbble“. Am Abend liegen wir gerne alle drei auf dem Sofa und schauen uns einen guten Film an.

Hat euch die Corona-Pandemie als Familie mehr zusammengeschweißt und habt ihr neue Prioritäten gesetzt?

Edith Klinger Ja, uns hat es auf jeden Fall noch mehr zusammengeschweißt. Es ist klar, dass mit Liebe alles zu schaffen ist und das die Liebe uns auch durch schwierige Zeiten bringen kann.

Habt ihr im vergangenen Jahr neue Aktivitäten für euch entdeckt wie Sport, Musik, Kunst, Literatur? Woraus schöpft ihr neue Energie?

Edith Klinger Ich habe angefangen zu meditieren und mich in den letzten Monaten sehr viel mit Ernährung beschäftigt. Musik gehört bei mir zum Alltag dazu, es gibt keinen Tag ohne Musik.
Anna Klinger Ich habe angefangen viel zu malen und gehe täglich in der Natur spazieren.

Was wünscht ihr euch für das kommende Jahr? Anna, dein Abschluss steht an, was hast du danach vor?

Edith Klinger Ich wünsche mir, dass wir aus dieser Pandemie lernen, dass wir alle so wie früher nicht mehr weitermachen können. Es braucht ein Umdenken zugunsten der Natur und der Welt!
Anna Klinger Ich freue mich auf mein Studium in Wien (hoffentlich). Bin gespannt, was auf mich zukommt.

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