Musik findet immer ihren Weg

Menschen / 07.07.2021 • 18:25 Uhr
Das Diknu Schneeberger Trio steht auf der Longlist des Preises der deutschen Schallplattenkritik. W. Pleschberger
Das Diknu Schneeberger Trio steht auf der Longlist des Preises der deutschen Schallplattenkritik. W. Pleschberger

Kontrabassist Martin Heinzle aus Hard hat als Musiker die Welt bereist.

Wien „Ich bin behütet aufgewachsen, hatte eine privilegierte Kindheit mit vielen Freiheiten. Und meine Eltern haben mir eine wichtige Lektion vorgelebt: Mit Fleiß kann man weit kommen. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Weit gekommen ist Martin Heinzle, der seit 17 Jahren in Wien lebt, dann tatsächlich. Seine Reisen als Musiker führten den Harder durch Europa, Südamerika und Afrika. Das gelebte Ideal seiner Eltern öffnete Perspektiven. Sein Engagement jedoch brachte ihn später nicht nur auf die Jazzbühnen Argentiniens und Chiles, sie machten ihn schließlich zu jenem Musiker, der er heute ist.

Faszination und Möglichkeit

„Zur Musik bin ich eigentlich zwei Mal gekommen. In der Schallplattensammlung von Papa entdeckte ich als Fünfjähriger ‚Ring of Fire‘ von Johnny Cash. Dieser Groove hat mich nicht mehr losgelassen. Und weil Trompeten in diesem Song eine prominente Rolle spielen, habe ich dann zehn Jahre lang Trompete in der Musikschule in Hard gelernt.“ Mit 14 entdeckte Martin Heinzle den Punkrock für sich und fand übers Skateboarden zur elektronischen Gitarrenmusik. „Als ich dann ins BG Blumenstraße ging, wollte ich in der Schulband E-Gitarre spielen. Die hatten aber nur Bedarf an einem E-Bassisten. Also hab ich den in die Hand genommen.“ Fasziniert vom neuen Instrument und seinen Möglichkeiten, führte sein nächster Weg wieder zurück in die Musikschule. „Mein Lehrer hat mich gleich den Kontrabass ausprobieren lassen. Schnell war klar: Ich will das unbedingt beruflich machen.“

Grooves

Als Zivi lebte Martin Heinzle vom Geld, das er am Abend als Musiker in Hotelbars verdiente, und vom gesparten Lohn des Zivildieners kaufte er seinen ersten Kontrabass. Als Student in Wien, Linz und Barcelona konnte er dann zum ersten Mal befreit in die Welt der Musik eintauchen. „Vor allem in Barcelona habe ich vieles gelernt. Ich konnte die Sprache nicht, ich kannte niemanden. Aber ich bin in Jazzclubs gegangen, habe dort mein Instrument gespielt und so Land und Leute kennen gelernt.“ Heute hat er einen Lehrauftrag als Musikpädagoge, spielt unter anderem für das Orchester Synchronstage Vienna, macht Filmmusik für den ORF und ist Kontrabassist im Diknu Schneeberger Trio. „Viel näher kann man einem genialen Gitarristen nicht kommen. Das ist für mich die Vollendung des musikalischen Gedankens, dem ich als Musiker hinterherjage. Als Bassist gilt mein Interesse ja auch den anderen Instrumenten. Ich höre zu, unterstütze sie und im besten Fall verlängere ich ihre Melodien mit meinem Groove bis tief in den Boden der Bühne, auf der wir grad stehen. Das ist mein Job“, sagt er. TON

„Alles, was uns Musiker ausmacht, war mit Corona plötzlich weg. Aber Musik findet immer ihren Weg.“

„Musiker haben ein ausgeprägtes Sendungsbewusstsein. Das konnte auch Corona nicht aufhalten.“ M. Lackinger
„Musiker haben ein ausgeprägtes Sendungsbewusstsein. Das konnte auch Corona nicht aufhalten.“ M. Lackinger
Am 8. August mit Diknu Schneeberger in Lech: Martin Heinzle.  Eckhard Derschmidt
Am 8. August mit Diknu Schneeberger in Lech: Martin Heinzle. Eckhard Derschmidt
„Beim ersten Konzert nach dem Lockdown hatte ich Tränen in den Augen.“ M. Lackinger
„Beim ersten Konzert nach dem Lockdown hatte ich Tränen in den Augen.“ M. Lackinger
Martin Heinzle in seinem Studio in Wien.Tobias Natter
Martin Heinzle in seinem Studio in Wien.Tobias Natter
Verbindlichkeit: In der Wiener Musikszene wertgeschätzt. „Das habe ich von meinen Eltern.“ Tobias Natter
Verbindlichkeit: In der Wiener Musikszene wertgeschätzt. „Das habe ich von meinen Eltern.“ Tobias Natter

Zur Person

Martin Heinzle

Geboren 17. November 1984 in Hohenems

Ausbildung Studium Jazz Kontrabass, Kontrabass Klassik, Musikpädagogik (Wien, Linz, Barcelona)

Wohnort Wien, Landstraße
Beruf Musiker, Musikpädagoge

Familie verlobt mit Silvia, Tochter Valentina