Pferde und Romanfiguren

Autorin Margit Heumann taucht in ihrem neuen Roman in eine Familiengeschichte ein.
Feldkirch Briefe von Vorfahren sind wahre Schätze für Schreibende. Vor allem, wenn gleich hundert davon an eine Person adressiert sind. Im konkreten Fall an Erna –geschrieben von deren Ehemann, Schwiegermutter und Schwägerin in der Zeit zwischen 1947 bis 1957. Für Ernas Tochter sind sie nicht nur authentische Zeugnisse des Nachkriegsalltags, sie werfen auch ein völlig neues Licht auf die frühe Fernbeziehung ihrer Eltern. Autorin Margit Heumanns jüngstes Buch mit dem Titel „Briefe wie diese“ ist eine teils fiktionale Geschichte, die sich an Originalbriefen aus der Nachkriegszeit entlang hangelt, fasst die 72-Jährige den Inhalt kurz zusammen. „Die Schatulle, in der die Zeitdokumente aufbewahrt wurden, hat mich irgendwann gefunden“, beschreibt die Vorarlbergerin, wie der historische Schatz in ihre Obhut kam. „Das Geschriebene hat mich berührt, betroffen gemacht, manches erklärt und zu neuen Erkenntnissen geführt. Als Autorin hat es mich außerdem gereizt, dass die einseitige Korrespondenz viel Freiheit für Kommentare, Szenen und erfundene Antwortbriefe lässt.“ Das 550 Seiten starke Druckwerk umspannt subjektive Kommentare, fingierte Antwortbriefe, fiktive Szenen bis hin zu konkreten Nachforschungen. Am Ende kommt sie mehr als einem Familiengeheimnis auf die Spur.
Ihr zehntes Buch
„Briefe wie diese“ ist das zehnte Buch der in Nürnberg und Wien lebenden gebürtigen Rankweilerin, die schriftstellerisch eine Spätberufene ist. Ihr erster Titel „Mein schräger Blick auf Wien“ erschien vor acht Jahren.
Seitdem ist die in Muntlix aufgewachsene Vorarlbergerin zur wahren Vielschreiberin geworden. Ihr nächstes Manuskript hat sie bereits in Arbeit. Auch wenn Heumann immer schon gern geschrieben hat, brauchte es eine andere Leidenschaft, die sie zur Autorin gemacht hat. „Die Initialzündung bekam ich durch meine Islandpferde. 30 Jahre lang bin ich geritten und durfte meine Erfahrungen im Tierbuchverlag veröffentlichen. Es war der ideale Abschluss meines Reiterdaseins und die Perspektive für mein neues Großstadtleben.“
Sie hatte ihren eigenen Islandpferdehof und absolvierte nebenberuflich die Ausbildung zur Trainerin. Bei so viel Begeisterung für zwei Leidenschaften lassen sich auch durchaus Verbindungen finden. „Sowohl Pferde als auch Romanfiguren brauchen viel Einfühlungsvermögen und Geduld im Umgang mit dem Tier bzw. der Schreibidee.“ Dass ihre literarischen Gedanken durchaus „wiehern“ beweist, dass Margit Heumann auch schon mehrere Preise bzw. Auszeichnungen gewonnen hat.
Lesung am Saumarkt
Zur ihrer Stärke zählt auch, dass sich die 72-Jährige auf die verschiedensten Orte einlassen kann. „Heimat ist für mich überall da, wo ich mich gut mit Menschen verstehe.“ Und schmunzelnd fügt sie hinzu: „In Nürnberg bin ich mit Vergnügen Österreicherin, in Wien liebend gern Vorarlbergerin. Und wenn ich irgendwo Vorarlberger Dialekt zu hören bekomme, wird mir immer noch warm ums Herz.“ Spätestens am 15. Dezember wird dies der Fall sein. Dann liest Margit Heumann um 19.30 Uhr im Theater am Saumarkt in Feldkirch im Rahmen von Literatur Vorarlberg. CRO
„Die Initialzündung für das Schreiben bekam ich durch meine Islandpferde.“



Zur Person
Margit Heumann
geboren 1949 in Rankweil, aufgewachsen in Zwischenwasser
Ausbildungs- und Berufsjahre in England und der Schweiz
Familie verheiratet, zwei Töchter
Wohnort Wien und Nürnberg
Hobbys Theater, Malerei, Städtereisen, Island, Freundschaften
Lesung am 15. Dezember, 19.30 Uhr, im Theater am Saumarkt in Feldkirch