„Lebensinhalt ist Familie, Gemüse, Boden“

Menschen / 10.10.2022 • 19:02 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Alle helfen mit: Mit ihren Kolleginnen ist sie für die Gemeindeblumen zuständig.
Alle helfen mit: Mit ihren Kolleginnen ist sie für die Gemeindeblumen zuständig.

Isabella Moosbrugger hat Freude daran, die Familie mit selbst angebautem Gemüse zu verwöhnen.

BEZAU Schon als Kind widmete sich Isabella Moosbrugger, die Bezauer Gartenfee und VN-Klimaschutzpreisträgerin, am liebsten Pflanzen und Tieren. „Ich bin in die Landwirtschaft hineingeboren, liebte die Tiere und die Arbeit am Bauernhof. Das war mir wichtiger als die Schule. Ich befasste mich mit den kleinsten Insekten über Fledermäuse, Frösche, Regentieren bis hin zu den ganz großen. Mit der Tschernobyl-Katastrophe ist mir bewusst geworden, dass etwas nicht mehr stimmt. In den Anfängen arbeitete ich als Bäuerin und habe viele Nebenjobs gemacht wie Näherin und Putzfrau. Heute bin ich für den Schulgarten, Gemeinschaftsgarten und die Gemeindeblumen zuständig.“

Als sie 2011 zur Gartenfreunde-Obfrau gewählt wurde, wollte sie mit ihren Mitstreiterinnen viel mehr blühende Vielfalt ins Dorf bringen und startete verschiedenste Aktionen. „Über Familie-Plus kamen wir zu einem Grundstück bei der Lebenshilfe, auf dem sich der Bahnhofsgarten und der Erdkeller befinden. Hier versuche ich, den Kindern der 3. Klasse Volksschule die Gartenkultur näherzubringen.“

Die Kinder kommen auch im Sommer in den Garten, wo sie das Wachsen, Blühen, Pflege und die Belohnung – das Ernten – erleben. Weder in der Schule noch von den Eltern bekommen Kinder das Wissen über Gemüseanbau mit auf den Lebensweg. So entstand 2014 der Schulgarten für die Volksschule Bezau. Auch der Gemeinschaftsgarten ist dem Gemüseanbau gewidmet. „Hier können alle Gartenfreunde-Mitglieder aus Bezau und Reuthe mitmachen“, informiert Isabella Moosbrugger. „Die Ackermitglieder sind verpflichtet, das Regelwerk einzuhalten, um die Nachhaltigkeitsziele des Ackers dauerhaft zu sichern. Angeboten wird ein Gartenbeet von 15 oder 30 Quadratmetern, Unterstützung bei der Arbeit und bei Fragen, Komposterde für die Gartenbeete, Steinmehl, Gartenwerkzeuge und Hilfsmittel aus dem ,Garto-Hüsle’ sowie Mithilfe bei den Blüh- und Kräuterflächen und beim Naschgartenlabyrinth. Gartenspaß mit Genuss und Erfolg steigert die mentale Gesundheit und wir schöpfen aus Mutter Erde Energie für Körper, Geist und Seele.“ Kinder lieben die Natur und im Schulgarten bekommen sie Gartenkultur vermittelt für das Wichtigste im Leben: eine gesunde, vitale Ernährung. „Die Kinder lernen durch das Sehen, Begreifen, Bewegen, Erleben und durch das Tun. Der Garten weckt die natürliche Neugierde und macht die Lernbereitschaft zur Leidenschaft.“

Ernährungssicherung

„Eine intakte Natur hat bei mir höchsten Stellenwert. Am Insektensterben sehen wir, dass sie leider mehr und mehr verloren geht“, bedauert Isabella Moosbrugger. „Es gilt, auch den kleinsten Lebewesen Raum und Nahrung zu ermöglichen. Ein gesundes Lebensmittel ist für mich das mit eigener Hand im eigenen Land und ohne Pestizide und Herbizide erzeugtes. Jeder kann im eigenen Garten, auf dem Land, das er bewirtschaftet oder das ihm anvertraut wurde, den Boden so pflegen, dass auch die nachkommenden Generationen davon leben können. Stichwort: Humusaufbau. Wichtig ist auch, Stauden und Blüh-Hecken für die kleinsten Lebewesen zu pflanzen“, betont Isabella Moosbrugger im Hinblick auf ein intaktes Ökosystem. Wir seien alle Teil der Natur und alle für sie verantwortlich: „Wir müssen wieder lernen, auf die Natur zu hören und achtsamen Umgang mit ihr zu pflegen, denn wir dürfen nicht vergessen, dass aus unseren Böden unser Essen kommt.“ Jeder Mensch ist für sich selbst und sein Umfeld verantwortlich und das müssen wir wieder lernen, denn die Politik schafft das nicht. VD

„Wir müssen wieder lernen, auf die Natur zu hören und achtsam zu sein.“

Gartenarbeit bedeutet Freude für Körper, Geist und Seele.
Gartenarbeit bedeutet Freude für Körper, Geist und Seele.
Kinder lieben die Natur und interessieren sich dafür, wo ihr Essen herkommt.
Kinder lieben die Natur und interessieren sich dafür, wo ihr Essen herkommt.
Isabella Moosbrugger ist VN-Klimaschutzpreis­trägerin. OGV
Isabella Moosbrugger ist VN-Klimaschutzpreis­trägerin. OGV
Für Isabella Moosbrugger muss die Natur in ihrer ganzen Pracht er­blühen. MOOSBRUGGER
Für Isabella Moosbrugger muss die Natur in ihrer ganzen Pracht er­blühen. MOOSBRUGGER

Zur Person

Alter 61 Jahre

Ausbildung Volks und Hauptschule – Poly, Meister der ländlichen Hauswirtschaft, Kräuterpädagogin, Projektgärtnerin

Wohnort Bezau

Familie verheiratet mit Gilbert, vier Jungs

Berufung Familie, Tiere und die Natur

Lebensmotto „Man kann nie glücklich werden, wenn sich das, woran man glaubt, nicht mit dem deckt, was man tut.“

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