Bankkauffrau trifft Kaffee

Martina Gassner über ihre Karrierewendung und das, was Kaffee alles kann.
Rankweil Der Duft von Kaffeebohnen durchweht den Raum, in dem noch vor wenigen Jahren der Geruch von Holz dominierte. Anfang 2024 wurde die ehemalige Tischlerei in der Rankler Schleife umgebaut, und seit April des gleichen Jahres veredelt Martina Gassner dort auserlesene Rohbohnen zu Saluto Coffee. Ein Ort, an dem ihre Leidenschaft spürbar wird, ist entstanden.

Während die Bohnen in der Trommel langsam rotieren, erzählt Martina – immer wieder den Röstvorgang beobachtend – über ihren ungewöhnlichen Berufsweg.
Aufgewachsen ist die 37-Jährige in Sulz. Ihr „Spielzimmer“ waren Wald, Wiesen, Berge. „Ich war zudem eine absolute Pferdenärrin“, sagt sie und lacht. Auf die Schulzeit folgte eine Lehre zur Bankkauffrau. Eine Familie wurde gegründet. Heute wohnt sie mit ihrem Mann Christoph und den beiden Kindern in Göfis. Alles perfekt – bis vor zehn Jahren eine Idee geboren wurde, die Martina nicht mehr losließ.

Ihre Leidenschaft für Kaffee begleitete die Göfnerin schon länger, und als Bankkauffrau war sie es gewohnt, den Dingen auf den Grund zu gehen. Die Anregung dazu kam von einem Bekannten, der beruflich oft in Vietnam unterwegs war und eine Kaffeebäuerin direkt unterstützen wollte. „Es gibt weltweit Millionen von Kaffeefarmen. Nachhaltiger Anbau steht da leider nicht immer an erster Stelle“, sagt sie. Das wollte sie etwas besser machen und die Menschen hinter dem Produkt unterstützen.
Zunächst wurde in der Familie experimentiert. Verkosten, das ständige Lernen – mit der Zeit wurde deutlich, wie viel mehr hinter gutem Kaffee steckt: Qualität, Herkunft, Anbauweise und Verantwortung. Martina war jedoch auch klar, dass der Einstieg in den Handel mit hochwertigem Kaffee mit Risiken verbunden ist. Doch genau das befeuerte ihre Leidenschaft und ließ sie von einer eigenen Rösterei träumen. Zunächst lernte sie, ließ das Rohprodukt in einem Fremdbetrieb rösten, setzte sich mit dem Markt auseinander. Wie wird Spezialitätenkaffee im Ländle angenommen? Wie wichtig ist den Menschen, woher die Bohnen kommen, wie diese angebaut werden und was dahintersteckt?

Die Reaktionen ihrer Partner bestärkten die zweifache Mutter und Ehefrau darin, ihren Traum in der Selbstständigkeit real werden zu lassen. Und so eröffnete sie 2024 ihre eigene Rösterei in Rankweil, produziert sechs verschiedene Sorten für die unterschiedlichsten Maschinen und bietet Barista-Kurse an.
Transparenz, Qualität und Verantwortung stehen bei der Kaffeerösterin an erster Stelle. „Unser Kaffee ist zum Teil biozertifiziert, fair gehandelt und stammt bevorzugt von Kleinbauern – von Menschen, die mit Respekt vor der Natur außergewöhnlichen Kaffee anbauen“, betont sie. Entscheidend für Geschmack, Aroma und Bekömmlichkeit des schwarzen Muntermachers ist neben einem guten Rohprodukt die Art der Röstung. Beim handwerklichen Trommelrösten werden kleinere Mengen schonend bei niedrigeren Temperaturen über 15 bis 20 Minuten geröstet. Säuren werden so besser abgebaut, der Kaffee wird bekömmlicher und geschmacklich komplexer – mit Nuancen von Schokolade, Nüssen, Früchten. „In großen Anlagen werden die Bohnen bei sehr hohen Temperaturen in wenigen Minuten geröstet. Der Kaffee enthält dann sehr viel Säure und ist für manche unverträglich. Säuren werden erst durch einen längeren Prozess abgebaut. Zudem verschwinden viele feine Geschmacksnoten“, erklärt Martina. Sie ist froh, dass ihr Berufsweg eine überraschende Wendung genommen hat. Auch weil das Naturprodukt Menschen, Geschichten und Kulturen verbindet, vom Anbau der Bohne bis zum Getränk. JH
ZUR PERSON
MARTINA GASSNER
GEBOREN 17. April 1988 in Feldkirch
WOHNORT Göfis
FAMILIENSTAND verheiratet, zwei Kinder
BERUF Kaffeerösterin
HOBBYS Sport, Reisen, Garten
KONTAKT www.saluto-coffee.com