“Vor dem Schah von Persien knicks ich sicher nicht” – Die Lecher Hotellegende erzählt, was sie bis heute antreibt

Im Foyer streicht Kristl Moosbrugger über ein Geweih, das sie in den 90er-Jahren erlegt hat. Draußen rollen Koffer vorbei, während sie den VN von Zeiten erzählt, in denen französische Soldaten mit Gewehren im Hotel standen.
Lech Wer Kristl Moosbrugger begegnet, erkennt sofort diese Mischung aus Herzlichkeit, Bodenständigkeit und einer fast unerschütterlichen Kraft. Die jahrzehntelange Wirtin der “Post” in Lech, international längst als Hotelikone gefeiert, beschreibt sich selbst bescheiden als “zähe Tirolerin”. Doch ihr Lebensweg erzählt weit mehr: von Pionierarbeit, Mut, familiären Wurzeln und einer Leidenschaft für die Berge, die sie bis heute antreibt.

1961 kam die junge Hotelfachschülerin aus St. Anton nach Lech. Nach der Heirat mit Franz Moosbrugger begann ein Leben, das man rückblickend quasi als dauerhaftes Hochleistungsprojekt bezeichnen kann. Die Anfangsjahre im Hotelbetrieb waren geprägt von harter Arbeit, Verantwortung und einem Takt, der kaum Verschnaufpausen zuließ.
Die Soldaten im Haus
Moosbrugger organisierte den gesamten Einkauf, kontrollierte die Fleischlieferungen, verteilte Tischwäsche und Zimmerwäsche, führte Buch über jedes Leintuch. “Wir Wirtinnen hatten keinen Kopf für etwas anderes”, sagt sie. “Das Fleisch vom Metzger habe ich selbst gewogen, natürlich war ich morgens vor dem Küchenchef in der Küche”, schmunzelt Moosbrugger. Nach den Geburten ihrer Kinder war sie rasch wieder im Einsatz. “Eine Wirtin kann nicht eineinhalb Jahre in Karenz gehen. Das geht einfach nicht.”

Vieles, was das Haus zu einem internationalen Begriff machte, begann jedoch lange vor ihrer Zeit – bei ihrer Schwiegermutter Irma Moosbrugger, einer Hotelierin von beeindruckender Stärke. Noch während der französischen Besatzung sprach sie Soldaten, die mit Gewehren in der Hand bewaffnet im Gasthaus standen, in fließendem Französisch an und behielt so die Kontrolle über die Lage. “Diese Frau war unglaublich”, erzählt Moosbrugger mit großem Respekt.
Jetset, Königshäuser und Gastlichkeit
Besondere Kapitel schrieb auch der internationale Jetset: Die niederländische Königsfamilie machte Lech weltberühmt. Wenn Königin Juliana und Prinz Bernhard eintrafen, standen bis zu 30 Fotografen vor der Tür, die Bilder gingen nach Amerika, Spanien, Skandinavien. “Plötzlich fragte die ganze Welt: Was ist Lech? Wo liegt Lech?”, weiß Kristl Moosbrugger zu schätzen. Auch andere Königshäuser zählten zu den Gästen, vom norwegischen Königspaar bis zur Familie des Schahs von Persien. Einmal wurde Moosbrugger hochschwanger zu einem Empfang eingeladen – und war die einzige Frau, die keinen Knicks machte. “Warum sollte ich?”, sagt sie schmunzelnd. “Ich war im achten Monat und vor dem Schah von Persien verneige ich mich sicher nicht.”

Die Sportlerin Kristl
Abseits des gesellschaftlichen Parketts schlägt ihr Herz aber vor allem für die Berge. Als junge Frau bestieg sie alle Dreitausender des Verwall, absolvierte das silberne und goldene Alpinabzeichen und machte waghalsige Touren, oft von Null auf Hundert, weil im Sommer schlicht keine Zeit zum Trainieren blieb. Heute genießt sie vor allem Tiefschneeabfahrten: Mehlsack, Zugertal, Juppenspitze – Orte voller Erinnerungen.

Der weiße Ring – das Rennen
Wie lange die sportliche Kristl Moosbrugger schon beim Weißen Ring mitfährt, kann sie gar nicht sagen. “Normalerweise fahre ich nur im Tiefschnee, mit einem Skiguide natürlich, aber der Weiße Ring macht mir schon Spaß”, so Moosbrugger. “Ich bin stolz, dass ich das mit über 80 Jahren noch schaffe.” Das Rennen selbst bewältigt die Grande Dame des Arlbergs mit Bravour. “Am anstrengendsten ist der Anstieg beim Start – da komme ich wirklich ins Schnaufen”, schmunzelt die 83-Jährige. Das Rennen findet am Samstag, 17. Jänner 2026, statt.

Im Sommer dominiert eine andere Leidenschaft: Golf. Seit es den Platz in Lech gibt, spielt sie mit Begeisterung – sportlich, aber auch wegen der Gemeinschaft. Die Jagd hat sie inzwischen zurückgelegt, doch dankbar blickt sie auf Jahrzehnte intensiver Naturerlebnisse zurück.
Für die Gesundheit in den Süden
Und wenn sie verreist? Dann am liebsten nach Gran Canaria. “Meine Trauminsel”, sagt sie. Sonnenschein statt Schneegestöber, Meer statt Berge und eine gute Luft gegen Keuchhusten, den sie früher hatte.
Heute ist Kristl Moosbrugger jene leise, aber kraftvolle Stimme, die Tradition und Moderne verbindet. Eine Frau, die Lech geprägt hat wie wenige – durch Arbeit, durch Haltung, durch ihr Verständnis von Gastlichkeit. Eine, die nicht im Rampenlicht stehen muss, um Eindruck zu hinterlassen. Und eine Vorarlbergerin des Tages, deren Lebensgeschichte noch lange weitererzählt wird.
Zur Person
Kristl Moosbrugger
Alter 83 Jahre
Hobbys Tiefschneefahren, Golfen, Bergsteigen (früher).
Familie drei Kinder
Lebensmotto niemals aufgeben