Ein Reisebegleiter zwischen Rollator und Fußballplatz

Gesund / 07.04.2026 • 14:34 Uhr
Ein Reisebegleiter zwischen Rollator und Fußballplatz
Klaus Hämmerle im Gespräch mit den Vorarlberger Nachrichten. VN/DJSHOM

Ein Vorarlberger begleitet Menschen auf ihren Reisen, die unterschiedlicher nicht sein könnten – entweder ans Meer oder im Hospiz ans Ende ihres Lebens.

Darum geht’s:

  • Klaus Hämmerle begleitet Menschen ehrenamtlich auf Reisen.
  • Menschen mit Unterstützung besuchen Orte, die sie lieben.
  • Er plant, auch in der Hospizarbeit zu helfen.

Schwarzach Am Flughafen in Mallorca schiebt Klaus Hämmerle einen Rollstuhl durch endlose Gänge. Neben ihm sitzt ein Mann aus dem Ländle – unsicher, überfordert, aber glücklich. Es ist vielleicht seine letzte Reise. Für Klaus aus Vorarlberg bedeutet Ehrenamt: “Menschen noch einmal ans Meer bringen und später beim Sterben begleiten.”

Ein Reisebegleiter zwischen Rollator und Fußballplatz
Gemeinsam unterwegs. Rotes Kreuz Vorarlberg

Seit rund zwanzig Jahren engagiert sich der diplomierte Krankenpfleger ehrenamtlich als Reisebegleiter beim Roten Kreuz – Betreutes Reisen. Was heute ein etabliertes Angebot ist, begann für ihn eher zufällig: Eine Bekannte schwärmte von den betreuten Reisen. “Da habe ich mir gedacht: Das wäre auch etwas für mich”, erinnert sich Hämmerle.

Vertrauen und Sicherheit sind oberstes Gebot

Seine erste Reise führte ihn gleich in die Ferne – nach Mallorca. Mit nur einem Reisegast aus Vorarlberg trat er den Flug an, die restliche Gruppe kam aus Oberösterreich. “Allein auf diesem riesigen Flughafen unterwegs zu sein, mit jemandem, der Unterstützung braucht – das war schon spannend”, sagt er. Doch schnell wurde klar: Es geht nicht um Perfektion, sondern um Sicherheit und Vertrauen.

Ein Reisebegleiter zwischen Rollator und Fußballplatz
Betreutes Reisen Rotes Kreuz Vorarlberg

Die Menschen, die solche Reisen buchen, sind meist nicht mehr völlig selbstständig. Viele sind mit dem Rollator oder Gehstock unterwegs, manche im Rollstuhl. Was sie vereint, ist der Wunsch, noch einmal hinauszukommen. “Alle wissen, dass Fachpersonal dabei ist, das gibt Sicherheit”, sagt Hämmerle. Tatsächlich sind die Begleiter ausgebildet, entweder als Pflegekräfte, Assistenten oder Menschen mit Erfahrung im Umgang mit Krankheit und Alter.

Buntes Programm für betagte Personen

Der Alltag auf Reisen ist strukturiert und gleichzeitig flexibel. Wer kann, geht selbstständig zum Frühstück. Andere werden unterstützt, etwa beim Buffet. Am Vorabend wird gemeinsam besprochen, was der nächste Tag bringt. Das kann ein Ausflug, ein Spaziergang oder vielleicht eine Fahrt in die Berge sein. “Wir versuchen, dass möglichst alle dabei sind”, so Hämmerle. Auch organisatorisch ist einiges zu leisten – vom Einsteigen in den Bus bis zum Umgang mit Rollstühlen auf Ausflügen.

Helfen macht glücklich

Doch es sind nicht diese Abläufe, die ihn antreiben. Es sind die Momente dazwischen. “Wenn jemand noch einmal ins Meer geht, obwohl er nie gedacht hätte, dass das wieder möglich ist – das bleibt”, sagt er. Solche Erlebnisse seien es, die den Wert des Ehrenamts ausmachen. “Man ermöglicht Dinge, die sonst nicht mehr gehen würden, das macht glücklich.”

Für die Reisenden sind es oft Erinnerungen an früher: Südtirol, ein vertrauter Ort, ein vertrautes Gefühl. Für Hämmerle ist es mehr: “Das ist der Sinn des Ehrenamts, anderen Menschen solche Momente zu schenken.”

Nächste Station – Hospiz

Seit Anfang 2026 ist er in Pension. Mehr Reisen wird er dennoch nicht übernehmen, der Bedarf sei gedeckt. Stattdessen richtet sich sein Blick auf ein anderes Feld – die Hospizarbeit. Auch hier will er sich ehrenamtlich einbringen. Nicht als Pfleger im klassischen Sinn, sondern als Begleiter. “Zuhören ist das Wichtigste”, sagt er.

In Gesprächen mit schwerkranken Menschen gehe es oft um offene Fragen, um Ängste, manchmal auch um Versäumtes. Doch ebenso häufig sei es schlicht der Wunsch nach Gesellschaft. “Viele sind froh, wenn jemand da ist, der sich Zeit nimmt.” Der Umgang mit Krankheit und Tod verlangt auch ihm etwas ab. Ausgleich findet er im Alltag: beim Kochen, beim Fußball, bei seiner Familie – und bei seinen Enkeln.

Was bleibt, ist eine Haltung, die beide Ehrenämter verbindet: da sein, wenn es jemanden braucht. Ob auf Reisen oder am Ende eines Lebenswegs.

Betreutes Reisen

Österreichisches Rotes Kreuz

Landesverband Vorarlberg

6800 Feldkirch

Tel. 05522-77 000

www.roteskreuz.at/vorarlberg