Warum Richard Praschil im Webdesign bewusst weniger zeigt

Richard Praschil setzt im Job auf Klarheit, Effizienz und minimalistisches Webdesign.
Dornbirn Ruhig und gelassen sitzt Richard Praschil am Tisch. Spürbar ist, dass er sich auf das, was er gerade tut, konzentriert. Gleich, ob er am Laptop über Projektumsetzungen grübelt oder im Gespräch ist. Er überschüttet nicht mit Fachwissen, sondern erklärt einfach, überzeugt durch Klarheit. Der gebürtige Feldkircher ist Inhaber des Mint Digitalstudio und hat seinen Arbeitsplatz im Dornbirner Coworking Space “Gelbe Fabrik”. Umgesetzt werden digitale Projekte, bei denen es um Substanz statt Oberfläche, um Wirkung statt Effekthascherei geht.
Richard lässt sich nicht von Trends beeinflussen – Minimalismus ist sein Ding. Für ihn bedeutet gutes Webdesign nicht, möglichst viel, sondern das Richtige zu zeigen. Die eigentliche Kunst liegt für den Webentwickler darin, komplexe Prozesse so zu reduzieren, dass diese verständlich und mühelos nutzbar werden. “Kurzfristige Designtrends bringen nichts. Es braucht Systeme, die funktionieren”, sagt der 42-Jährige. Präzision und der Blick fürs Wesentliche sind dabei entscheidend. Richard steht für Websites, die nicht nur ästhetisch überzeugen, sondern technisch umsetzbar sind und Nutzer ohne Umwege ans Ziel führen. Klare Strukturen und ein feines Gespür für digitale Erlebnisse bringen Ergebnisse, die Komplexes einfach werden lassen.

Mit 13 Jahren wurde Richard vom “Computervirus” erfasst. “Davor habe ich viel gelesen. Mit dem Zugang zur virtuellen Welt wurde meine Neugier geweckt – nicht nur für Computerspiele, sondern für alles, was dahintersteckt.” Er zerlegte Betriebssysteme, untersuchte deren Strukturen, baute Websites.
Nach Matura und Zivildienst zog es Richard an die Werbe Design Akademie Innsbruck. Das Studium vermittelte ihm Grundlegendes, vieles darüber hinaus eignete er sich autodidaktisch an – insbesondere Kenntnisse zu Webentwicklung und digitalem Design. Gleich nach Studienabschluss startete er in die Selbstständigkeit, arbeitete als Freelancer. “Nach etwa einem Jahr habe ich festgestellt, dass es doch etwas mehr Erfahrung und Einblicke in die Materie braucht, um selbstständig zu überleben”, resümiert er.

Es folgten Anstellungen in verschiedenen Agenturen in Vorarlberg und Liechtenstein, schließlich auch in einem renommierten Unternehmen. “Damals dachte ich, ich sei im Olymp angekommen”, meint er rückblickend. Doch die Ernüchterung folgte schnell: hoher Leistungsdruck, wenig Wertschätzung für Digitales und junge, motivierte Mitarbeiter, die im Arbeitsalltag zunehmend ausbrannten. Für Richard wurde dieses Erleben zum Wendepunkt. Bewusst entschied er sich 2019 gegen eine weitere Festanstellung und gründete sein Unternehmen. Mehr Flexibilität und eigenverantwortliches Arbeiten – das entsprach mehr seinem Wesen. “Ich bin ein direkter, aber auch sensibler Mensch”, sagt er.

Richards besondere Stärke: Er bewegt sich zwischen Design und Technik gleichermaßen sicher. Weil er beide Welten versteht, kann er beurteilen, ob eine kreative Idee nur gut aussieht oder ob diese auch technisch funktioniert. “Schön, aber am Ende nicht umsetzbar – das passiert bei mir nicht”, betont der Experte.
Statt auf starre Strukturen setzt er auf ein flexibles Netzwerk aus Selbstständigen. Für jedes Projekt stellt er individuell das passende Team zusammen. Darin sieht er einen Vorteil: “Bevor Dinosaurier-Agenturen mit riesigen Mitarbeiterstäben zum zweiten Meeting erscheinen, sind wir oft schon in der Umsetzung.” Entscheidend ist für ihn, dass die Menschen, mit denen er arbeitet, begeistert und motiviert Lösungen angehen. JH
Zur Person: RICHARD PRASCHIL
GEBOREN 1. Februar 1984 in Feldkirch
WOHNORT Lauterach
FAMILIENSTAND Vater einer Tochter (5)
BERUF UE/UI, Webentwickler HOBBYS Bouldern und Zeit mit Tochter genießen