Mutter, Frau und Bürgerin

Menschen / 08.06.2026 • 14:41 Uhr
Miriam Capelli
In den vergangenen Wochen war Miriam Capelli für ihr Anliegen auch auf Achse.

Miriam Capelli aus Nenzing treiben die Sparmaßnahmen im Gesundheitsbereich an.

Nenzing Das verlängerte Wochenende nutzte Miriam Capelli (39) für einen Kurzurlaub mit der Familie. Die Erkrankung ihrer 12-jährigen Tochter lässt gemeinsame Unternehmungen nur selten zu, umso wertvoller sind sie. In der Auszeit konnte Capelli aber auch Kraft tanken. Kraft, die sie einsetzt, um in den letzten Tagen noch einmal für das Volksbegehren „Ja zum Erhalt der Gynäkologie, Geburtshilfe und Kinderheilkunde im Krankenhaus Dornbirn“, das am 10. Juni endet, zu mobilisieren. Miriam Capelli weiß die Unterstützung verschiedener politischer Parteien durchaus zu schätzen. Doch sie will sich keinen Farbstempel aufdrücken lassen. „Ich stehe als Bürgerin und Frau auf“, betont sie mit Nachdruck und nicht zuletzt als Mutter.

Miriam Capelli
Miriam Capelli (l.) und Mechtild Bawart, die Frontfrauen des Volksbegehrens.

Zweifel an Einsparungen

Die Sparmaßnahmen im Gesundheitsbereich haben sie angetrieben, mehr zu tun, als Unterschriften für eine Petition zu sammeln. „Dass die Politik auf 57.000 Nennungen nicht reagierte ist sehr traurig“, befindet Capelli. Deshalb organisierte sie, nachdem der Antrag auf Volksabstimmung abgeschmettert worden war, im Verbund mit der ehemaligen Gemeindechefin von Weiler, Mechtild Bawart, ein Volksbegehren. Das erste in Vorarlberg seit 22 Jahren. Miriam Capelli wollte nie politisch aktiv werden. „Meine Mama war in der Gemeindepolitik. Da habe ich gesehen, wie viel Energie das kostet“, erzählt sie. Aus diesem Grund sieht sie ihren Einsatz mehr als Bürgerpflicht: „Die geplanten Veränderungen im Stadtspital Dornbirn gefährden die wohnortnahe Versorgung von Frauen, Kindern und Familien.“ Sie denkt dabei auch an ihre Tochter. Seit acht Jahren leidet das Mädchen an der Multisystemerkrankung ME/CFS. Die Betreuung erfolgt im Dornbirner Spital. Mutter und Tochter fühlen sich dort gut aufgehoben. „So soll es bleiben“, wünscht sich Miriam Capelli. Es mache keinen Sinn, funktionierende Strukturen zu verändern. Zudem fragt sie sich, wo es hier Einsparungen geben soll.

Miriam Capelli
Mit dem Bike über Stock und Stein zu fahren verschafft Miriam Capelli einen Ausgleich.

Zwei mit Kampfgeist

Als es darum ging, eine Volksabstimmung auf Schiene zu bringen, stand Miriam Capelli zunächst ziemlich allein da. „Von verschiedenen Seiten wurde dann Mechtild Bawart ins Spiel gebracht“, berichtet Capelli. Sie habe den gleichen Kampfgeist, sei ihr gesagt worden. Der Rest ist Geschichte. Der Antrag auf eine Volksabstimmung floppte. Das flaue Gefühl hatte die Initiatorinnen nicht getrogen. Doch Aufgeben war keine Option. „Nicht, wenn es um die Gesundheit geht“, bemerkt Miriam Capelli. Das Volksbegehren ging schließlich durch. Mit aller Kraft, von der sie oft selbst nicht weiß, woher sie kommt, engagierte sich die zweifache Mutter in den vergangenen Wochen für ihr Anliegen. Sie ist dankbar für die große Unterstützung, die ihr entgegenschlug: „Ich hätte das in diesem Ausmaß nicht erwartet.“

Miriam Capelli
Auch die Kartoffeln gedeihen prächtig unter der Pflege der sorgsamen Gärtnerin.

Gerne würde Miriam Capelli wieder regelmäßig ihrer Leidenschaft, rasanten Abfahrten mit dem Mountainbike, nachgehen, den Adrenalinkick spüren. Das im Volksbegehren formulierte Bedürfnis fordert aber Aufmerksamkeit. Sie will jedoch auch dann nicht ruhig sein, wenn das Ergebnis, das in etwa zwei Wochen feststehen muss, an den Plänen des Landes nichts rütteln sollte. „Wir sind darauf eingestellt.“ Miriam Capelli weiß die Familie hinter sich, ohne deren Rückhalt es nicht ginge. Zusätzliche Energie schöpft sie aus der Arbeit im Garten und der Beschäftigung mit ihren Hennele. „Es ist so viel Geld für anderes da“, sinniert sie. Auch deshalb will Miriam Capelli als Mutter, Frau und Bürgerin nicht nachgeben.

Miriam Capelli
Miriam Capelli hat das, was man den “grünen Daumen” nennt.

Zur Person

Miriam Capelli

Alter 39

Wohnort Nenzing

Werdegang Fitnesstrainerin, Ernährungsberaterin, seit vier Jahren bei der Flüchtlingshilfe der Caritas angestellt

Familienstand verheiratet, 2 Töchter (12 und 10 Jahre)

Hobbys Skifahren, Downhill, der Garten

Miriam Capelli
Das Werkeln im Garten beschert Miriam Capelli Ruhe und Beschaulichkeit.