Diese Vorarlbergerin erhält Millionenförderung für Forschung mit Mini-Organen

Die gebürtige Höchsterin gehört einer Wissenschaftsakademie an, zu der auch Albert Einstein und Marie Curie zählten.
Schwarzach Monika Ritsch-Marte hat für ihr Forschungsprojekt Fördergelder in der Höhe von 2,5 Millionen Euro erhalten. Das ist jedoch nur einer von unzähligen Meilensteinen der 64-Jährigen, die im Stubaital wohnt. Ihre Wurzeln liegen in Vorarlberg und bilden eine wichtige Grundlage für ihren Erfolg.
Frühe Begeisterung
“Schon als ich fünf Jahre alt war, wusste ich, dass ich Wissenschafterin werden möchte”, erzählt die gebürtige Höchsterin. Ein weiteres klares Indiz für diesen Beruf war ihre Neugier, die sie als Jugendliche beim Kartografieren auslebte. Dabei suchte sie seltene Pflanzen im Rheindelta und zeichnete sie auf einer Karte ein.

Besonders prägend war ihre Zeit im Mädchengymnasium Gallusstift in Bregenz. “Wenn es meinen Physiklehrer nicht gegeben hätte, hätte ich nicht Physik studiert”, schildert die leidenschaftliche Bergsteigerin. “Denn dieser stellte immer interessante Fragen, die einen praktischen Bezug zu meinem eigenen Leben hatten.”

Große Errungenschaften
Schlussendlich ist Ritsch-Marte nicht nur eine, sondern eine sehr erfolgreiche Wissenschafterin geworden. Vor rund zehn Jahren wurde sie Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina – einer der ältesten Wissenschaftsakademien der Welt, der auch Charles Darwin, Marie Curie und Albert Einstein angehörten.

2007 war sie die erste weibliche Präsidentin der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft. Außerdem wurde ihr als erste in Österreich tätige Physikerin die “EPS Emmy Noether Distinction” für Frauen in der Physik verliehen. Doch das ist nur eine von vielen Auszeichnungen ihrer Karriere.
Vor Kurzem erhielt sie zum zweiten Mal einen “Advanced Grant” des Europäischen Forschungsrats (ERC) in Höhe von 2,5 Millionen Euro. Diese Förderung sicherte sie sich für ihr aktuelles Projekt, das sich mit Organoiden befasst. Dabei handelt es sich um vereinfachte, millimeterkleine Versionen eines Organs, mit denen man zum Beispiel Krankheiten erforschen kann. Das Ziel von Ritsch-Martes Forschungsprojekt ist es, ein neuartiges Werkzeug dafür zu entwickeln.
Ein Leben für die Wissenschaft
Ritsch-Marte absolvierte ihr Studium in Innsbruck, und für ihr Doktorat ging sie drei Jahre lang nach Neuseeland. Für ihr Postdoktorat und Forschungsaufenthalte war sie außerdem längere Zeit in den Vereinigten Staaten und Australien sowie in Mailand, Helsinki und Schottland. Begleitet wurde sie dabei von ihrem Mann, dem Physiker Helmut Ritsch, und ihren beiden Töchtern. Die Ältere arbeitet ebenfalls als Wissenschafterin in Kalifornien, und die Jüngere absolviert ein Doktorat in Cybersicherheit in den Niederlanden.

Das Leben als Wissenschafterin ist allerdings nicht immer einfach. “Ich habe nie eine fixe Stelle gehabt, bis ich 1998 die Professur bekommen habe”, sagt die Forscherin. Davor hielt sie sich mit immer neuen Stipendien über Wasser. “Man kann es mit Architektenausschreibungen vergleichen: Manchmal hat man Glück, und andere Male gibt es eine Durststrecke mit vielen Absagen.”
Obwohl sie heute durch eine Fixanstellung an der Medizinischen Universität Innsbruck nicht mehr von dieser Unsicherheit betroffen ist, bereitet ihr diese teilweise noch immer schlaflose Nächte. Denn die Gehälter der Nachwuchswissenschafter in ihrer Forschungsgruppe sind von Fördergeldern abhängig. Mit der Advanced-Grant-Förderung sind diese nun für fünf Jahre gesichert. Eigentlich wäre Ritsch-Marte ab September in Pension, doch sie wird ihre Arbeit für diese Zeit noch fortsetzen. Denn die Neugier ihrer Kindheit treibt sie bis heute an.

Zur Person
Monika Ritsch-Marte: erhält zum zweiten Mal einen “Advanced Grant” in Höhe von 2,5 Millionen Euro
- Geboren: 26. September 1961
- Wohnort: Stubaital
- Ausbildung: Studium der Theoretischen Physik in Innsbruck, Doktorat in Quantenoptik in Neuseeland, Postdoktorat in Innsbruck, Mailand, Helsinki und Colorado
- Beruf: Direktorin des Instituts für Biomedizinische Physik an der Medizinischen Universität Innsbruck
- Familie: Ehemann Helmut Ritsch und zwei Töchter
- Hobbys: Bergsteigen, Fotografie, Botanik und Vogelkunde
- Lebensmotto: “Die goldene Regel lautet, dass es keine goldenen Regeln gibt.” – George Bernard Shaw