Junger Gemüsebauer mit Mut

Mit 21 Jahren führt David Rein bereits seinen eigenen Biogemüsebetrieb.
Dornbirn “Probieren wir’s einfach.” Dieser Satz passt perfekt zu David Rein. Ob Melonen im Vorarlberger Klima, der Schritt in die Selbstständigkeit mit 19 oder neue Gemüsesorten – der junge Dornbirner wagt lieber etwas, als lange darüber nachzudenken.
Dabei stammt Rein gar nicht aus einer Bauernfamilie. Den Grundstein für seinen heutigen Beruf legte ausgerechnet sein Göte. Dieser stellte dem damals Zwölfjährigen ein Stück Acker zur Verfügung, auf dem er seine ersten Gemüsebeete anlegte. Die Begeisterung war sofort geweckt. Nach der Mittelschule besuchte er zwar die Landwirtschaftsschule in Hohenems, entschied sich aber schon bald für einen anderen Weg. Er absolvierte eine Lehre im Gemüsebau und machte sich unmittelbar nach dem Abschluss selbstständig. Ein mutiger Schritt für einen damals erst 19-Jährigen. “No risk, no fun”, sagt Rein heute ganz cool. „Es war eigentlich der richtige Zeitpunkt, ich hatte ja nichts zu verlieren und noch keine Verantwortung.”

Vom Traum zur Realität
Ganz einfach war der Start allerdings nicht. Als so junger Unternehmer musste er sich vieles erst erarbeiten. Banken begegneten seinem Vorhaben mit Skepsis. Unterstützung erhielt er deshalb von seiner Familie. Und Papa Martin ist ihm inzwischen auch am Verkaufsstand beim Dornbirner Wochenmarkt eine wichtige Stütze. „Er hat sozusagen sein Verkaufstalent entdeckt“, lacht er. Viele Kunden halten ihn zunächst für den Chef des Betriebs – bis sie erfahren, dass der eigentliche Unternehmer sein Sohn ist. Inzwischen beschäftigt David Rein bereits einen Mitarbeiter und eine Praktikantin und trägt damit Verantwortung für ein wachsendes Unternehmen.
Heute bewirtschaftet Rein rund 1,8 Hektar Freilandgemüse. Sein Konzept setzt auf Kreislaufwirtschaft. Seine inzwischen auf 19 Schafe angewachsene Herde liefert nicht nur wertvollen Dünger, sondern auch „Seelenfutter“ für David und seine Freundin Anoriel. „Die Schafe sind unser Ausgleich“, erzählt er. Dazu kommen rund 50 Hühner in einem mobilen Stall, den er mit Kumpels selbst gebaut hat. Kunstdünger oder chemische Spritzmittel sucht man auf seinen Feldern vergeblich. Stattdessen sorgen Blühstreifen für Insekten, Kompost sowie Schaf- und Hühnermist für fruchtbare Böden. Nachhaltigkeit ist für den jungen Dornbirner keine Werbebotschaft, vielmehr gelebter und arbeitsintensiver Alltag.

Herausforderungen
Doch die Natur macht es ihm nicht immer leicht. Mäuse, Biber und Wetterextreme gehören ebenso zum Berufsalltag wie lange Arbeitstage. Im vergangenen Jahr zerstörten Sturm und Hagel einen kompletten Gurkentunnel. Umso größer war die Freude, dass seine treue Stammkundschaft auch Gemüse kaufte, das optisch nicht mehr perfekt war. „Diese Wertschätzung und die vielen positiven Rückmeldungen motivieren mich am meisten“, erzählt er.

Seine Tage beginnen oft früh und enden erst spät. 18 bis 19 Arbeitsstunden sind in der Hochsaison keine Seltenheit. Wochenenden kennt der Dornbirner praktisch nicht. Dennoch würde er seinen Beruf gegen keinen anderen eintauschen. „Ich liebe die Abwechslung. Jeder Tag ist anders und es ist ein schönes Gefühl, etwas zu produzieren, das Menschen Freude macht”, sagt er.

Wer David Rein kennenlernen möchte, trifft ihn regelmäßig am Dornbirner Wochenmarkt oder in seinem Hofladen in Hohenems. Dort verkauft er ausschließlich das, was gerade Saison hat – ohne Zukauf, dafür mit viel Herzblut. Sein Lebensmotto beschreibt dabei wohl am besten, warum sein ungewöhnlicher Weg bereits so erfolgreich ist: “Nit lugg lo!”
Zur Person
David Rein
Geburtstag 4.8.2004
Beruf Gemüsebauer
Wohnort Dornbirn
Hobbys mein Job als Gemüsebauer & meine Schafe
Lebensmotto „Nit lugg lo!“
