“Wie eine 30-teilige Netflix-Serie”: Stefan Grabher besitzt Dornbirns ältestes Haus

Schon als Kind war Stefan Grabher vom Schlossguggerhaus fasziniert. Jahrzehnte später gehörte es ihm. Doch seine Geschichte ist noch lange nicht vollständig erforscht.
Dornbirn Schon als kleiner Bub faszinierten Stefan Grabher alte, rätselhafte Gemäuer. Geprägt hat ihn dabei vor allem sein Opa. “Sein großes Hobby war die Archäologie. Er hat mich zu Burgen und Schlössern mitgenommen und war ein großartiger Geschichtenerzähler”, erinnert sich der Textilunternehmer. Ein Moment ist ihm besonders in Erinnerung geblieben. Mitte der 1970er-Jahre standen die beiden vor dem Schlossguggerhaus in Dornbirn, das gerade verkauft wurde. “Mein Großvater sagte, wenn es irgendwann wieder verkauft wird, dann wirst du derjenige sein, der es kauft.” Jahrzehnte später sollte es tatsächlich so kommen. 2012 kaufte Stefan Grabher das Schlossguggerhaus gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Günter Haid.

“Eigentlich wollte ich Archäologe werden, aber so ein altes Haus zu besitzen, ist viel cooler”, erzählt der heute 61-Jährige stolz. Welche Geschichte in dem alten Gebäude wirklich steckt, zeigte sich erst nach und nach. Untersuchungen ergaben, dass Teile des Hauses bereits aus dem Jahr 1292 stammen. Damit gilt das Schlossguggerhaus als ältestes bekanntes Haus im Dornbirner Siedlungsgebiet und zählt zu den wenigen erhaltenen Ständerbauten aus dem ausgehenden Hochmittelalter in Westösterreich. Das Haus verbindet romanischen Natursteinbau mit Ständerbauweise. Trotz seines hohen Alters sind zahlreiche historische Elemente erhalten geblieben, darunter eine gotische Eichenbalkendecke und die Kaminhaube eines offenen Feuers. “Das Haus ist wie eine Wunderkammer.”

Bevor Grabher und Haid das Gebäude im Jahr 2012 übernahmen, hatte es fast 30 Jahre leer gestanden. Dem 61-Jährigen ist es daher ein Anliegen, immer wieder neue Fragen über seine Vergangenheit zu stellen. “Was mich am meisten daran reizt, ist, dass es immer noch nicht fertig erforscht ist. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist ein ganz wesentlicher Grund. Wenn wir wissen, woher wir kommen, haben wir vielleicht auch einen Plan für die Zukunft.” Derzeit wird etwa anhand verschiedener Putzschichten untersucht, woher das verwendete Baumaterial stammt. “Man lernt mit dem Haus, das braucht unglaublich viel Zeit. Es ist wie eine 30-teilige Netflix-Serie, man begegnet ständig etwas Neuem, es ist eine kleine Abenteuerreise”, sagt Grabher.

Besonders wichtig ist es dem Dornbirner, sein Interesse an historischen Gebäuden an andere weiterzugeben. Hunderten Kindern hat er die Geschichte des Hauses bereits bei Schulführungen nähergebracht. “Wer sich für solche Gebäude begeistert, entwickelt auch ein Interesse daran, Kulturerbe zu erhalten. Wenn nur ein Stefan Grabher unter den Kindern ist, hat sich das bereits gelohnt. Wenn es niemanden interessiert, zerfällt es irgendwann und verschwindet”, sagt er.


Für Grabher bedeutet der Erhalt des Schlossguggerhauses deshalb nicht, einfach nur ein altes Gebäude zu bewahren. Menschen sollen sich mit dem Haus beschäftigen, daran forschen und eigene Ideen einbringen.

Auch vor dem Haus ist die Geschichte des Hauses sichtbar. Dort wächst heute wieder Wein, wie es schon vor Jahrhunderten der Fall war. Gemeinsam mit Kellermeister Harry König entwickelte Stefan Grabher ein Konzept mit pilzwiderstandsfähigen Rebsorten. “Man muss dem Haus einen Sinn geben, wenn man nicht selbst darin wohnen kann”, sagt er. Diesen Sinn fand er im Weinbau. Jedes Stockwerk ist einem Teil der Weinherstellung gewidmet. Im obersten Stock etwa dreht sich alles um Strohwein, in Vorarlberg auch Schilfwein genannt.

Am Tag des Denkmals, der am Sonntag in ganz Vorarlberg stattfindet, können Besucher hautnah in die Geschichte des ältesten bekannten Hauses in Dornbirn eintauchen. Stefan Grabher und zahlreiche Experten aus verschiedenen Bereichen sind selbst vor Ort und erzählen, was es bedeutet, ein historisches Baudenkmal zu besitzen und für weitere Generationen zu erhalten. “Das Haus ist voll mit spannenden Menschen.” Was er sich wünscht: “Dass man Zeit mitbringt, genauso wie dieses Haus Zeit braucht.”
Stefan Grabher
Geburtsdatum: 30. Juli 1965
Wohnort: Dornbirn
Laufbahn: Lehre als Lebensmittel- sowie Herrenmodeverkäufer, seit 1981 in der Textilbranche tätig, Mitgründer der Paptex Textilhandels GmbH, Gründer und CEO von Mary Rose und Studio Tyrler
Hobbys: Archäologie, Weinanbau, alte Autos, Reisen, Häuser renovieren
Familie: verheiratet, zwei Kinder