Eine Meisterin fürs Detail

Vorarlberg / 29.08.2026 • 11:27 Uhr
Hoch über Dornbirn arbeitet Nicolé Mayer an der Turmzier.
Hoch über Dornbirn arbeitet Nicolé Mayer an der Turmzier. cth

Nicolé Mayer bewahrt historische Schätze und arbeitet derzeit hoch über Dornbirn.

Dornbirn Blattgold, Holz, Metall und eine gehörige Portion Handarbeit bestimmen derzeit den Arbeitsalltag von Nicolé Mayer. Die Restauratorin arbeitet an der Turmzier der St. Martinskirche in Dornbirn. Die Kugeln werden von ihr vergoldet, die Verzierungen der kleinen Kugeln entstehen dabei sogar komplett neu.

Dass sie dafür nicht nur ruhige Hände, sondern auch Schwindelfreiheit und körperliche Kraft braucht, stört Mayer nicht. Im Gegenteil: “Genau das mag ich an meiner Arbeit, sie ist unglaublich spannend und sehr abwechslungsreich”, beschreibt sie ihren Beruf aus filigraner Arbeit und kräftigem Handwerk. Über Nachwuchs in ihrer Branche würde sie sich sehr freuen.

Ein Beruf fürs Leben

Das Interesse an alten Dingen wurde Mayer praktisch in die Wiege gelegt. Ihr Vater war Malermeister und arbeitete auch immer wieder im Denkmalschutz. Nicolé wuchs quasi in seiner Werkstatt auf und war auch zu Hause umgeben von Antiquitäten, die sie schon immer faszinierten. Ein Schlüsselerlebnis hatte sie mit zehn Jahren, als sie ihren Vater zu einem Einsatz in einer Kirche begleiten durfte. Dort beobachtete sie zwei Restauratoren aus Wien bei Freskenarbeiten. Zurück daheim verkündete sie am Elterntisch: “Genau das will ich auch machen!”

Die Restauratorin vergoldet die Kugeln der St. Martinskirche.
Die Restauratorin vergoldet die Kugeln der St. Martinskirche. Mayer

Auf die Begeisterung folgten Taten. Mayer absolvierte eine Lehre als Vergolderin und Staffiererin, damals im letzten Lehrgang dieser Art. Auf ihrem weiteren beruflichen Weg sammelte sie bei unterschiedlichen Restauratoren und Handwerkern im In- und Ausland vielfältige praktische Erfahrungen. Ihre Stationen führten sie unter anderem nach Deutschland, Italien, in die französische Schweiz sowie nach Ecuador, Brasilien und Amerika. Dabei lernte sie unterschiedliche Fachbereiche, Techniken und Arbeitsweisen kennen. Auch fachlich bildete sie sich weiter und holte die Studienberechtigungsprüfung nach, um an einer Fachhochschule eine Ausbildung für Putz- und Stuckaturrestaurierung zu absolvieren. 2006 gründete sie ihr eigenes Atelier. Ihr Schwerpunkt liegt auf gefassten Holzobjekten, Metallrestaurierung sowie der Restaurierung von Stuck und Putz. Dabei geht es um die Untersuchung und Sicherung historischer Substanz ebenso wie um fachgerechte Ergänzungen und Rekonstruktionen.

Enge Teamarbeit

Auch bei der St. Martinskirche ist Mayer nicht auf sich allein gestellt. Sie arbeitet mit erfahrenen Handwerkern zusammen, darunter Spenglermeister Ewald Fritz von der Koblacher Spenglerei Heinzle und aktuell auch mit den Holzarbeitern der Firma Holzbau Mayer. Der Austausch ist ihr sehr wichtig.

Restauratorin und Handwerker stimmen sich bei den Arbeiten eng ab.
Restauratorin und Handwerker stimmen sich bei den Arbeiten eng ab. cth
Bei der Arbeit an der Turmzier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt.
Bei der Arbeit an der Turmzier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. cth

Derzeit erhält die Turmzier den letzten Schliff. Mayer vergoldet die Kugeln ein zweites Mal. “Das ist notwendig, weil das Blattgold hauchdünn (zehntausendstel Millimeter) ist und die Oberfläche den Witterungseinflüssen standhalten muss”, erklärt sie. Zugleich steckt in der Arbeit diesmal eine besondere Premiere: Weil Teile der alten Verzierung stark verrottet waren, wurde in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt entschieden, sie vollständig neu anzufertigen. Das Diözesanbauamt entwarf dafür neue Verzierungen mit Symbolen, die einen Bezug zum heiligen Martin und zu Carl Lampert herstellen.

Die Arbeiten an der Turmzier verlangen Erfahrung und Präzision.
Die Arbeiten an der Turmzier verlangen Erfahrung und Präzision. cth
Nicole Mayér schätzt die Abwechslung ihres Arbeitsalltags.
Nicolé Mayer schätzt die Abwechslung ihres Arbeitsalltags. Mayer
Das hauchdünne Blattgold wird aktuell gerade zum zweiten Mal angebracht.
Das hauchdünne Blattgold wird aktuell gerade zum zweiten Mal angebracht. Mayer

Am 13. September soll die restaurierte Turmzier bei einer Messfeier in der St. Martinskirche präsentiert werden. Dann wird auch sichtbar, was von unten oft nur als kleines Detail am Kirchturm wahrgenommen wird. Für Nicolé Mayer steckt darin weit mehr: viel Handwerk, Geduld und Geschichte – und die Leidenschaft für einen Beruf, den sie schon als Zehnjährige für sich entdeckt hat. CTH

“Mir gefällt, dass mein Beruf so viel Abwechslung und jeden Tag neue Herausforderungen bietet – genau das macht es für mich aus.”

sagt Nicolé Mayer.

Zur Person

Nicolé Mayer
Wohnort: Gaißau
Beruf:  Vergolderin/Staffiererin, Malerin, Restauratorin
Hobbys: alles, was mit Kunst zu tun hat, Klettern und Segeln
Lebensmotto: Nutze das Leben!