Mercedes EQC: So weit kommt der „Schwaben-Tesla“

Mobilität / 30.12.2019 • 13:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN/STIPLOVSEK

Der erste Sternenstromer will mehr als nur ein E-Auto sein: Mercedes setzt auf elektrische Intelligenz.

Schwarzach Bei Autos mit herkömmlichen Antrieben sind die deutschen Hersteller das Urmeter. In ganz vielen Segmenten trifft das auf Mercedes im Besonderen zu. Der elektrische Benchmark ist allerdings überm Atlantik beheimatet. In Gigafabriken laufen Teslas vom Band, die Maßstäbe setzen. Sie einfach zu kopieren, würde der Stolz nicht zulassen. Mercedes, einst im Besitz eines größeren Tesla-Aktienpakets, geht eigene Wege. Mit der Produkt- und Technologiemarke EQ wollen die Schwaben vor allem eines: elektrische Intelligenz beweisen. Das erste „Cleverle“ unter den Stromern, der EQC, positioniert sich schon beim Format unterm Tesla-SUV Model X. Mit 4,76 Metern ist er knapp 30 Zentimeter kürzer, die Batterie mit ihren 80 kWh 25 Prozent kleiner. Und er ist deutlich günstiger, ein Vergleich damit wohl unsinnig. Mag alles so sein: Wer aber im Premiumsegment ein Stromauto baut, der wird sich an Tesla messen lassen müssen. Ganz einfach deshalb, weil das auch die Kunden tun.

Ohne den Wettbewerber beim Namen zu nennen, wissen die Stuttgarter freilich, auf welche Karte sie setzen müssen: Qualität, Sicherheit und Komfort. Markenprägende Eigenschaften, wie es in der Selbstbeschreibung des Herstellers heißt. Und natürlich macht in dieser Disziplin kaum jemand Mercedes etwas vor. Der EQC ist ein Sternenträger durch und durch. Materialanmutung und Verarbeitung sind erste Sahne, das Beste an Sicherheitsfeatures aus Baureihen wie der S-Klasse lassen auch im Schwabenstromer ein Gefühl der Unverwundbarkeit aufkommen. Und Komfort? Fahren wie auf Wolke Sieben – lautlos noch dazu. Mit 408 PS, einer Sprintzeit von 5,1 Sekunden und einem abgeregelten Topspeed von 180 km/h sowie Allradantrieb erfüllt der EQC höchste Erwartungen. Die 2,5 Tonnen Leergewicht sind nicht zu leugnen. Schwerfällig ist dennoch anders.

Die Gretchenfrage bleibt bei der E-Auto-Premiere von Mercedes am Ende freilich auch jene nach der Reichweite. Die Antwort fällt allerdings ein wenig ausweichend aus. Statt reiner Kilometerangaben dreht sich bei den Schwaben alles um die elektrische Intelligenz. Das Zusammenspiel von Antrieb, Batteriemanagement, Lademanagement, Rekuperationsstrategie, intelligenter Navigation und digitaler Dienste wird in den Vordergrund gebracht. Allein fünf Möglichkeiten der Stromrückgewinnung mit den Pedals am Lenkrad haben sich die Entwickler erdacht. Das Navi wiederum kann Batteriezustand, Wetterdaten und Topografie sowie verfügbare Ladestationen in die Kalkulation miteinbeziehen. Ganz schön clever und damit irgendwie Benchmark für die anderen.

Und wie das jetzt mit der Reichweite wirklich ist: 390 Kilometer (WLTP), also nach realistischer Norm. 340 Kilometer in der Testpraxis, was etwa 100 Kilometer weniger als beim Model X sind. Effizient also, aber zaubern können sie in Stuttgart halt auch nicht.

Mercedes EQC

Motor/Antrieb 2 E-Motoren mit 408 PS, 760 Nm Drehmoment, Allradantrieb, 80 kWh Lithium-Ionen-Batterie

Fahrleistung/Verbrauch 0 auf 100 in 5,1 Sek, Spitze 180 km/h, Verbrauch 20,8 kWh/100 km

Preis ab 75.500 Euro; Testwagen: 94.286 Euro